sueddeutsche.de: Körpersprache ist ja auch davon abhängig, wie viel Macht man hat. Wie verändert beruflicher Aufstieg die Körpersprache von Frauen?
"Körpersprachliche Aktionen können eine unglaubliche Wirkung entfalten": Kommunikationstrainer Jan Sentürk rät Frauen, auf männliches Dominanzverhalten ebenfalls mit Aktionen zu reagieren. (© Jan Sentürk)
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Sentürk: Das kann man an Angela Merkel sehr gut sehen. Ich habe letztens Fernsehmaterial aus den neunziger Jahren gesehen - lange vor ihrer Zeit als Kanzlerin. Auf einigen Aufnahmen wird sie hin und her geschoben wie ein kleines Mädchen. Das könnte ihr heute nicht mehr passieren. Ihr Äußeres und ihr Auftreten haben sich enorm verändert, sie ist eine Staatsfrau geworden. Um in hohe Positionen zu kommen, muss man nicht nur sehr viel arbeiten, sondern auch in Kauf nehmen, nicht von jedem gemocht zu werden. Damit verändert sich auch die Körpersprache. Wenn beispielsweise Reporter auf die Kanzlerin zustürmen, bleibt sie oft gar nicht stehen. Damit signalisiert sie: 'Du bist jetzt nicht wichtig'. Je weiter jemand aufsteigt, desto reduzierter wird die Körpersprache und desto unwichtiger werden Individuen - zumindest in bestimmen Situationen. Merkel agiert sparsam, aber sehr klar: Wenn sie geht, scheint sie stets auf ein Ziel zuzugehen. Sie hat die Arme meist nah am Körper. Als sie jedoch bei der Fußball-WM 2006 jubelnd die Arme hochgerissen hat, war das etwas Besonderes - das Foto davon ging durch alle Medien.
sueddeutsche.de: Gibt es eigentlich auch zwischen Frauen Missverständnisse bei der Körpersprache?
Sentürk: Bei der Verständigung zwischen Frauen ist die Körpersprache weniger ein Problem, da ja beide Seiten gleichermaßen agieren. Auch Distanzverletzung spielt zwischen Frauen im Allgemeinen keine Rolle. Wenn Frauen sich nahe kommen, ist das meist ein Ausdruck von Vertrautheit und Zugewandtheit. Männer neigen hingegen dazu, die Distanzzonen von Frauen zu verletzen, nicht böswillig, aber es geschieht. Ein Mann hält einer Kollegin beispielsweise die Tür auf - und legt ihr, während sie durchgeht, die Hand auf den Rücken. Die Frau ist vielleicht irritiert, der Mann denkt sich gar nichts dabei. Bei einem anderen Mann würde er das jedoch nicht machen.
sueddeutsche.de: Wie können Frauen sich gegen Distanz- oder Revierverletzungen von Männern wehren?
Sentürk: Wenn eine Frau die Hand eines Kollegen auf dem Rücken stört, muss sie das sofort kenntlich machen - sie muss es sagen oder durch Gesten verdeutlichen. Der Mann wird es von sich aus nicht bemerken. Ein anderes Beispiel: Eine weibliche Führungskraft, die ich gecoacht habe, fühlte sich durch das Verhalten eines Kollegen bedrängt, der sie häufig an ihrem Arbeitsplatz aufsuchte, sich an ihren Schreibtisch setzte und immer irgendetwas auf ihrem Arbeitstisch ablegte; ein Mobiltelefon, einen Schlüssel oder ähnliches. Sie fühlte sich in der Situation unwohl, fragte sich aber auch, warum ihr dieser Gegenstand auf ihrem Tisch so unangenehm war, weshalb sie es auch ihrem Kollegen gegenüber nicht ansprechen wollte. Wir sprechen dabei körpersprachlich von einer 'Invasion'. Der Kollege nahm auf diese Weise ihren Schreibtisch in Besitz. Wir haben dann gemeinsam überlegt, wie sie aus dieser Situation herauskommt. Natürlich hätte sie einfach sagen können: 'Lass das mal bitte!', doch dabei hätte sie für den Mann vermutlich lediglich überempfindlich gewirkt. Männer begreifen oftmals gar nicht, dass sie übergriffig sind. Dennoch sollte eine Frau immer sofort darauf reagieren.
sueddeutsche.de: Was hat die Frau also gemacht?
Sentürk: In einer solchen Konstellation gilt die Regel: Handelt der Mann, muss auch die Frau handeln. Meine Klientin hat die Situation folgendermaßen gelöst: Als ihr Kollege wieder einmal in ihr Zimmer gekommen ist und sein Mobiltelefon auf ihren Schreibtisch gelegt hat, legte sie - kommentarlos und während sie sich ganz entspannt weiter mit ihm unterhielt - das Handy hinter sich aufs Regal. Das ist ja im Grunde genommen nichts Schlimmes, die Frau hat dadurch einfach klar gemacht: 'Hier entscheide ich, wo was liegt.' Die Auswirkungen waren enorm: Ihr Kollege geriet durch diese einfache Handlung völlig aus dem Konzept und hat das Gespräch relativ schnell beendet. Als er gehen wollte, zögerte er erst, ob er um den Tisch herumlaufen und sich das Handy selber holen oder ob er danach fragen sollte - wofür er sich letztlich entschieden hat.
sueddeutsche.de: Aber ist das nicht sehr konfrontativ?
Sentürk: Ja, aber das muss es auch sein. Frauen möchten akzeptiert und zugleich gemocht werden - manchmal geht aber nicht beides. Damit müssen sie leben. Respekt muss man sich erarbeiten, besonders von Männern. Darauf zu warten, dass Männer hier einsichtig werden, kann lange dauern. Die Konsequenzen solcher Handlungen sind übrigens oft gar nicht so schlimm wie befürchtet, manchmal sogar positiv. Der Handy-Mann jedenfalls ist seitdem nie wieder grundlos ins Zimmer seiner Kollegin geschneit. Er wird künftig den Bereich seiner Kollegin akzeptieren - und vielleicht sogar eine neue Art finden, mit ihr umzugehen. Hier sieht man, dass eine körpersprachliche Aktion unglaubliche Wirkung entfalten kann.
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(sueddeutsche.de/holz)
Mit Malik bin ich der Meinung, dass das "Was" von Management immer gleich ist, die Regeln "guten" Managements immer gleich sind. Dabei sollte es völlig unerheblich sein, um welche Person welchen Geschlechtes es geht. Mir missfällt der Ansatz dieses Artikels, über sehr vordergründige körpersprachliche Signale "männliche Dominanz" kontern zu wollen. Ich empfehle, viel eher ungeachtet wessen Dominanz auch immer einfach unbeirrt gutes Management und gute Führung zu praktizieren. Hierdurch gewinnt eine Frau männliche Kollegen und Mitarbeiter viel eher.
Wer sich fragt wie dies geht ... http://samasu.de/wordpress/about/erfolgreiche-fuehrung
Gruß nach München .... Christoph Seidl
ihr die junge dame auf dem foto gerne als "kollegin" hättet ;-)
Wenn eine Frau einen männlichen Chef hat soll sie ihr Verhalten an seine "männlichen" Verhaltensweisen anpassen. Wenn ein Mann eine weibliche Vorgesetzte hat soll sie sich ebenfalls seinem "männlichen" Verhaltensmustern anpassen um ernst genommen zu werden. Ist es für einen Mann etwa kein Karrierenachteil, wenn seine Chefin sein Verhalten als distanzlos empfindet?
Und was ist eigentlich so schlecht daran bei seinen Mitarbeitern im Büro vorbeizuschauen anstatt sie zu sich zu zitieren. Dieses ganze Autoritätsgehabe kostet letztendlich viel zeit, die man sinnvoller nutzen könnte. Vielleicht sind "weibliche" Verhaltensweisen ja manchmal gar nicht so schlecht?
Wie wäre es mit einem Karriereratgeber : was Männer und Frauen voneinander lernen können.
Anstatt: wie Frauen ihr Verhalten umkrempeln können, um nicht mehr als Frauen wahrgenommen zu werden, weil sie wenn sie als Frau wahrgenommen werden als nicht durchsetzungsfähig gelten.
für einen praktikablen Vorschlag, auf welchem Weg, mit welchen Worten ich meinem Chef mitteilen kann, dass mir sein Kaugimmegeknatsche direkt neben meinem Ohr tierisch auf den Zeiger geht.
:-)
Man muss als Frau differenzieren - es gibt viele Kollegen, die ich anlächle, mit denen ich lachen kann, aber es gibt auch welche, da bin ich sehr distanziert.
Es gibt auch Kollegen, die ich anlache, und ich bin ein sehr positiver Menschen, der gerne lacht, die wiederum mein Lachen falsch interpretieren und sofort ihre Frau/Freundin erwähnen - wobei bekannt ist, dass ich in festen Händen bin, dann erwähne ich eben meinen Freund.
Es führt nichts am Verbalen vorbei - auch die Körpersprache nicht!
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