Waldorfpädagogik Bücher von Rudolf Steiner nicht auf Index gelandet

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird die Werke des Gründers der Waldorfschule nicht auf den Index jugendgefährdeter Schriften setzen. Der Verlag hat die Veröffentlichung kommentierter Neuauflagen zugesagt.

Wegen rassistischer Aussagen ins Visier des Bundesfamilienministeriums geratene Bücher des Begründers der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, dürfen weiter offen zugänglich sein.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) entschied am Donnerstag in Bonn, die Werke nicht auf den Index jugendgefährdeter Schriften zu setzen. Das Familienministerium hatte einen Antrag auf Indizierung von zwei Werken wegen rassistischer Inhalte gestellt.

Verlag bringt kommentierte Neuauflagen

Bestimmte Passagen seien durchaus als "rassistisch" zu werten, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Prüfstelle, Petra Meier, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Von einer Indizierung sei aber deshalb abgesehen worden, weil der betroffene Verlag zugesagt habe, diesen Bedenken Rechnung zu tragen und die Bücher durch kommentierte Neuauflagen zu ersetzen.

Das Familienministerium hatte seinen Antrag damit begründet, dass die beiden Schriften rassendiskriminierende Aussagen enthielten, die geeignet seien, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Die beanstandeten Stellen betreffen vor allem negativ wertende Aussagen des 1925 gestorbenen Philosophen über die schwarze Bevölkerung Afrikas. Bei den beiden Büchern handelt es sich um zwei Bände einer Gesamtausgabe - "Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie" und die "Geisteswissenschaftliche Menschenkunde".

Der Bund der freien Waldorfschulen begrüßte die Entscheidung. Es sei eine gute Sache, dass der Rudolf-Steiner-Verlag gewisse Textstellen von Steiner in Zukunft kommentieren wolle. Rassistische Inhalte hätten im Unterricht der Waldorfschulen ohnehin keinen Platz.

Die erste Waldorfschule war 1919 von Steiner (1861-1925) in Stuttgart gegründet worden. Rund 80 000 Schüler besuchen heute in Deutschland die privaten Schulen, die nach Prinzipien Steiners arbeiten.