Vorwürfe gegen die Universität Würzburg Die Doktorfabrik

Einen Doktortitel für 40 Seiten über Heilpflanzen: An der Würzburger Universität lieferten Ärzte kuriose Dissertationen ab. Jetzt kündigen der Unipräsident und der Dekan der medizinischen Fakultät Konsequenzen an.

Interview: Olaf Przybilla

Seit ein Anonymus schwere Vorwürfe gegen die Universität Würzburg erhoben hat, ist dort nichts mehr, wie es war. Einem inzwischen emeritierten Professor für Medizingeschichte wird vorgeworfen, bis 2005 eine Art "Doktorfabrik" betrieben zu haben: Für kleinere Arbeiten etwa über historische Arzneimittel bekamen Zahnärzte und andere Mediziner ihren "Doktor med". Momentan ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bislang hat sich die Universitätsleitung nur sehr knapp zu den Vorwürfen geäußert. Nun erklären sich Unipräsident Alfred Forchel und der Dekan der medizinischen Fakultät, Matthias Frosch.

Herr Forchel, Herr Frosch. Gab es eine medizinische Doktorfabrik in Würzburg?

Frosch: Wir haben zumindest den dringenden Verdacht, dass am medizinhistorischen Institut bis vor sechs Jahren in einigen Fällen maßgeschneidert, nach Auftrag und manchmal mit geringer Qualität produziert worden ist. Wir müssen aber betonen, dass dies für die überwiegende Anzahl der dort angefertigten Doktorarbeiten nicht zutrifft.

Wie viele der Arbeiten sind so flach, dass Sie anzweifeln müssen, ob sie den Maßstäben für den Doktorgrad genügen?

Forchel: Ich fürchte, es sind 20 bis 25.

Und jetzt?

Frosch: Wenn das externe Begutachtungsverfahren ergibt, dass diese Arbeiten wissenschaftlichen Standards nicht genügen, dann muss die Rechtmäßigkeit dieser Promotionen überprüft werden - notfalls auch auf juristischem Weg.

Herr Präsident, wie ging es Ihnen, als Sie das erste Mal eine lächerliche Arbeit aus dem Jahr 2005 in der Hand gehalten haben und wussten, dass die Würzburger Uni für dieses Mikro-Werk noch vor wenigen Jahren einen Titel verliehen hat?

Forchel: Da gibt es nichts zu beschönigen: Ich war schockiert. In der Welt, aus der ich komme, ich bin Physiker, sind Doktorarbeiten hochkarätige Werke.

So sehr wundert die Kürze der Arbeiten aber nicht: In der damaligen und gerade erst novellierten Promotionsordnung der medizinischen Fakultät Würzburg werden 40 Seiten als Richtwert genannt.

Frosch: Das ist eine Zahl, die heute schwer nachvollziehbar ist - und in der neuen Ordnung auch nicht mehr enthalten ist. Es mag vor mehr als 30 Jahren einen Grund gegeben haben für diese Beschränkung. Heute weisen alle Arbeiten im Schnitt 100 bis 150 Seiten auf.

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