Wer mit Vornamen Mandy oder Kevin heißt, stößt auf Argwohn bei Lehrern und Personalern, behaupten Wissenschaftler. Mandy Schache hat einen Sohn, der Kevin heißt - und genug von sämtlichen Vorurteils-Studien.
Kevin wird in der Schule schlechter benotet als Maximilian - allein wegen seines Namens. Dieses Forschungsergebnis vermeldeten unlängst Forscher aus Oldenburg. Es war nicht die erste Studie, die belegen wollte, das bestimmte Vornamen negative Assoziationen bei Lehrern und Personalverantwortlichen auslösen - aber für Mandy Schache war es eine zuviel. Die Geschäftsführerin einer Thüringer Landesfortbildungsstätte, die auch als Personal-Coach im Gesundheitsbereich arbeitet, schrieb einen empörten Leserbrief an die Thüringer Allgemeine. Im Interview erklärt sie warum.
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Mandy Schache aus Thüringen hat einen Sohn namens Kevin - und fühlt sich in keiner Weise vom Leben benachteiligt. Trotz aller Studien. (© Privat)
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sueddeutsche.de: Frau Schache, was hat sie dazu bewogen, den Leserbrief zu schreiben?
Mandy Schache: Seit Jahren verfolge ich die Meldungen in den Medien, wonach Kinder mit den Namen Mandy oder Kevin in Schule und Berufsleben angeblich benachteiligt werden und aus einem bestimmten sozialen Umfeld kommen. Da ich selbst so heiße, fühle ich mich immer ein bisschen angegriffen. Hinzu kommt noch, dass mein Sohn den Namen Kevin trägt. Als diese Woche auch in unserer Lokalzeitung ein Artikel zu dem Thema erschien, nahm ich das zum Anlass, meine Meinung zu den veröffentlichten Studienergebnissen in einem Leserbrief zu verfassen.
sueddeutsche.de: Was ärgert Sie so an den Studien?
Schache: Mein Sohn und ich stehen beide erfolgreich im Leben. Wir sind weder bildungsschwach noch sozial benachteiligt. Aber darum allein geht es mir gar nicht. Diese Namensstudien bewirken meiner Meinung nach auch, dass Kinder allein wegen ihres Namens mit Vorurteilen belastet werden. Lehrer, die solche Studien lesen, gehen dann vielleicht noch voreingenommener auf die Schüler zu. Dabei sollten sie eigentlich objektiv sein. Es muss klar sein, dass jeder Name nur eine Hülle ist, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben - die Individualität eines jeden Menschen geht vor.
sueddeutsche.de: Sie heißen Mandy, haben Sie je schlechte Erfahrungen mit Ihrem Namen gemacht?
Schache: Eigentlich nicht. Seit der Wende schließen die Leute allerdings häufig auf Grund meines Vornamens, dass ich aus Ostdeutschland komme. Das empfinde ich zwar nicht als nachteilig, aber wenn damit angedeutet wird, dass wir als "Ossis" gegenüber Westdeutschen benachteiligt sind, dann finde ich das schon schade.
sueddeutsche.de: Laut den neuesten Studienergebnissen werden Kevins in der Schule allein wegen ihres Namens oft schlechter benotet. Hatte Ihr Sohn damit schon mal Probleme?
Schache: Überhaupt nicht. Kevin wurde immer bestmöglich gefördert. Er sollte in der Grundschule eine Klasse überspringen, wollte das aber nicht. Daraufhin haben ihm die Lehrer immer noch Zusatzaufgaben gestellt, um ihn zu unterstützen.
sueddeutsche.de: Warum haben Sie Ihren Sohn eigentlich Kevin genannt?
Schache: Interessanterweise hatte ich während meiner gesamten Schwangerschaft den Wunsch, mein Kind Maximilian zu nennen - genau der Name, der heute ja laut Studienergebnissen besonders beliebt ist bei Lehrern und Arbeitgebern. Aber Kevins Vater und meiner Familie gefiel der Name nicht. Eine Woche vor der Geburt wusste ich immer noch nicht, wie das Kind heißen soll. Zufällig habe ich in der Zeit den Film Kevin allein zu Haus gesehen, der mir sehr gefiel, so dass ich meinem Sohn den Namen Kevin gab. Das beweist für mich einmal mehr, dass die Studien nicht ausreichend belegt sein können.
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(sueddeutsche.de/bön/dgr)
Christopher Lee zum 90.
Ich schließe mich Frau Schache an, ich heiße selber Kevin und bin auch nie in meiner Schulzeit bzw. in meiner laufenden Schulzeit benachteiligt geworden.
Mir wurde drei Mal angeboten aufzusteigen und ich wollte nicht aber dadurch wurde ich von meinen Lehrern auch nicht benachteiligt im gegenteil sie förderten mich sogar weiter in dem sie mir auch verschiedene neue Aufgaben bereitstellten.
Sorry - ich bleibe dabei, dass ich diese Argumentation nicht stichhaltig finde. Noch mal:
Menschen können nichts für Geburtsort, Haut- und Haarfarbe sowie Namen. So weit, so klar. (Andere) Menschen haben Vorurteile; manche explizit (ungenierte Dummheit à la "Alle Rothaarigen sind bösartig"), manche implizit/unbewusst.
Unverhüllte Borniertheit kann man angreifen und der Lächerlichkeit preisgeben.
Vorurteile jedoch, die einer (vor anderen und evtl. sogar sich selbst) zu verstecken weiß, sind viel gefährlicher. Sie führen bei Personalern/Lehrern zu scheinbar objektiven, letzten Endes aber vom Schubladendenken verseuchten Entscheidungen. Was z.B. die "gläserne Decke" ist, muss ich sicher nicht erklären.
(Weitere Variationen der selbsterfüllenden Prophezeiung: "das bildungsferne Kopftuchmädchen", "der Hohlkopf aus dem Asozialenviertel", "der sportuntaugliche, pickelige Nerd".)
Ich glaube, dass mit sozialwissenschaftlichen Studien viel Unsinn getrieben wird. Dort aber, wo sie beim Einreißen solcher gläsernen Decken und Mauern helfen, sind sie ihr Geld wert. Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, dass dumpfer Gesinnungsmatsch im Unterbewusstsein eines Entscheiders die (Bildungs-)Karriere eines jungen Menschen zerstört.
Sie hingegen glauben, dass sich das erst einmal ans Licht gezerrte Vorurteil beim wiederholten Lesen verfestigt, bis der Leser es internalisiert. Und dass die betreffenden Studien daher nicht mehr erstellt/kommuniziert werden sollten.
Entschuldigung - aber trotz meines eher zynischen Menschenbildes komme ich da nicht mit. Ein Lehrer liest eine Studie zu einem (dummen) Vorurteil - und verinnerlicht es? Anstatt die Dummheit zu erkennen, wiederholt er sie?
Mit Verlaub: Einem derart leicht manipulierbaren Menschen würde kein Buch und keine Richtigstellung mehr helfen.
Sie sagen "Dinge die man immer wieder hört, manifestieren sich.". Um meinen Standpunkt noch etwas plakativer darzustellen: Wenn ich in einer Diktatur jeden Tag eingehämmert bekomme, dass Volk X böse ist, glaube ich es (vielleicht) eines Tages. Wenn eine offenen Gesellschaft Antisemitismusstudien betreibt, wird sie damit kaum Massen von Antisemiten produzieren.
Nochmals: Schön, dass Sie und Ihr Sohn hiervon ohnehin nicht tangiert sind. Anderen Trägern (derzeit) unpopulärer Namen, Haarfarben, Hauttöne und sonstiger "Stigmata" sollte es helfen, wenn man ihre Benachteiligung beim Namen nennt. Denn ja: Das Individuum muss zu seinem Recht kommen.
Ich hatte in der TA schon am richtigen Baum gebellt und das wäre für jeden Leser auch klar erkenntlich gewesen, hätte da nicht irgendjemand im Pressehaus der TA die Meinung vertreten, dass mein Leserbrief nur in den ersten zwei Dritteln interessant ist und das letzte Drittel - die finale Kernaussage - wohl aus Unpopularität ganz einfach weg gelassen. Aufgrund meines Hinweises dann nachgedruckt am Samstag, 28.09.10, ganz klein und schmal am Rand, ohne von der Redaktion hinzugefügte Aufhänger wie bunte Bilder und dramatische Überschriften mit der Überschrift versehen: "Mandy Schache fügt zu ihrem gestrigen Beitrag ergänzend hinzu... " Klar, eine Zeitung kann ja schlecht schreiben: "wir haben da was vergessen".
Außerdem war ohnehin der "Drops gelutscht", niemanden hat mehr interessiert, welche finale Kernaussage und damit eine ganz andere Sinnhaftigkeit als eine selbstdarstellerische und beleidigte Präsentation ursprünglich in meinen ORIGINAL Zeilen an die Zeitung gerichtet worden waren.
Ich habe den Lebenslauf meines Sohnes und mir vor allem deshalb so offen dargestellt, weil er erkennen lässt, dass wir weder von Pädagogen benachteiligt worden sind, noch dass wir wegen unserer Namen in anderer Form benachteiligt sind. Anschließend habe ich aber meine Bedenken dahingehend geäußert, dass gerade durch die Veröffentlichung der Studien meines Erachtens nach in Zukunft die Gefahr besteht, dass Menschen ob bewusst oder unbewusst, davon beeinflusst werden. Dinge die man immer wieder hört, manifestieren sich. So sehe ich die Kevins, Justins und Finns dieser Welt gerade zukünftig in puncto Gleichbehandlung nur aufgrund der übertriebenen Thematisierung benachteiligt. Ich habe mir in meiner Kernaussage gewünscht, dass der objektive Blick gewahrt wird und Kinder immer zuerst aufgrund ihrer Einzigartigkeit und Individualität bewertet werden und nicht aufgrund bestimmter Namen in Schubläden gesteckt werden. Gerade und erst recht sozial benachteiligte Kinder sollten um so mehr gefördert werden.
Diese Sätze wurden jedoch am Freitag in der TA nicht mit abgedruckt. Sie hätten dem Artikel vielleicht die Dramatik genommen, mir haben die nichtabgedruckten Sätze jedenfalls auch einiges genommen: Verständnis von Menschen, mit denen ich hier lebe. Mittlerweile rufen zu Hause sogar Leute an und fragen, ob "Kevin allein zu Haus ist, oder ob wir auch da sind". Schade, so war das nicht gedacht. Am falschen Baum habe ich jedenfalls nicht gebellt, David W
wenn die Betroffenen die Klischees gleich selber bestaetigen. Kevin hatte noch Glueck dass Mama Mandy der aeltere Bruder nicht gefiel sonst hiesse Kevin Buzz.
eines Kindes geht hier konform mit einem Filmtitel in einem mittelmäßigen Comedy Film aus den US und A. Mandy wäre genug Strafe gewesen . . . .
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