Glaubt man dem bayerischen Lehrerverband, ist in Bayern bereits jeder fünfte Grundschüler therapiebedürftig - dank Fernsehen und Computerspielen.
Passiert Unfassbares, haben viele Menschen viele Antworten parat. Zum Beispiel der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU). Der forderte noch am Abend des Amoklaufs von Winnenden, sogenannte Killerspiele zu verbieten.
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Grundschüler vor dem Computer: Es gibt immer mehr Jugendliche mit schwereren Auffälligkeiten. (© Foto: ddp)
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Eine Forderung, die er schon früher erhoben hatte. Und die auch in den Warnungen mitschwingt, die Experten wie der Kriminologe Christian Pfeiffer wiederholen, sobald sich die Gelegenheit bietet. Bei einer Podiumsveranstaltung am Mittwoch in München sprach Pfeiffer von einer "Medienverwahrlosung", die vor allem Jungen treffe.
Pfeiffer hat Grundschüler befragt, wie viel Zeit sie vor Computer und Fernseher verbringen und ausgewertet, wie oft sie ans Gymnasium wechseln. Der Befund: Je intensiver Jugendliche am Computer spielen oder fernsehen, desto schlechter werden die Noten. Sie verbauen sich Zukunftsperspektiven.
3,2 Stunden vor dem Fernseher
Am besten sehen diese laut Pfeiffer für Münchner Grundschülerinnen aus, die zu fast einem Drittel ans Gymnasium wechseln - und im Schnitt nur 45 Minuten täglich mit neuen Medien verbringen. Im Süden Deutschlands seien die Eltern sensibler, sagt Pfeiffer. Das erklärt er vor allem mit der Dichte an Akademikerfamilien, die im Großraum München verglichen mit dem bundesweiten Schnitt sehr hoch ist.
Die bayerischen Lehrer sorgen sich trotz dieses positiven Befunds, dass dies in Bayern bald anders sein könnte: "Jedes fünfte Kind ist bereits bei der Einschulung therapiebedürftig", sagte Verbands-Präsident Klaus Wenzel auf der Podiumsveranstaltung, auf der auch Pfeiffer auftrat. Ein Grundschüler in Bayern verbringe nämlich durchschnittlich 3,2 Stunden vor dem Fernseher.
Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) warnte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, jetzt vorschnelle Schlüsse zu ziehen. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass bildungspolitische Forderungen im Zusammenhang mit dem schrecklichen Vorfall in Winnenden schnell wieder hervorgeholt werden."
Jugendliche mit schwereren Auffälligkeiten
Ob die Zahlen stimmen, die Klaus Wenzel nannte, konnte das bayerische Kultusministerium am Donnerstag indes weder bestätigen noch dementieren. Es sei eben auch Definitionsfrage, was man unter einer Störung verstehe, sagte eine Sprecherin. Das Ministerium habe keine eigenen Studien in Auftrag gegeben und führe auch keine Statistik.
Ohnehin sei es zweifelhaft, ob wirklich mehr Kinder therapiert werden müssen oder ob allein der Blick der Eltern und Lehrkräfte sensibler geworden ist. Es gebe aber immer mehr Jugendliche mit schwereren Auffälligkeiten. Für sie hat das Kultusministerin ein Schwerpunktprogramm zur emotionalen und sozialen Entwicklung eingerichtet.
Auch die bayerische Landestherapeutenkammer setzt sich für eine verbesserte Prävention psychischer Störungen ein - und diese Vorsorge setzt bereits im Säuglingsalter ein. So kooperieren die bayerischen Psychotherapeuten derzeit schon mit dem Hebammenverband. Gemeinsame Tagungen mit Erziehern aus Kindergärten sind geplant, Lehrer werden geschult. "Es werden bei Kindern immer mehr Störungen manifest - und diese Störungen fallen der Gesellschaft auch immer deutlicher auf", sagt der Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer, Nicolas Melcop.
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(SZ vom 20.3.2009/bön)
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Da wird eine Angabe zur Anzahl therapiebedürftiger Schüler von Lehrern gemacht, und "durchschnittlich 3,2 Stunden vor dem Fernseher" als Kriterium genannt. Dann heisst es von anderer Seite, es gibt keine Kriterien. Und die Therapeuten kooperieren mit anderen Berufen um therapierbare Kinder zu finden.
Was soll dieser Quatsch? Das ist Boulevardjournalismus, der nicht zitatfähig ist. Bitte das Ganze nochmal, wenn ein Mindesmaß an Objektivität und Grundwissen zu wissenschaftlichem Arbeiten vorhanden ist.
Trotzdem alles Gute
Kai Hamann
Es tut mir ja leid, das ich sie enttäuschen muß...aber meine Kinder sind bereits erwachsen, ich habe meine Pflicht bereits erledigt.
Und trotzdem interessiere ich mich noch für Andere und ihre Probleme!
Hat nicht die Politik einen entscheidenden Anteil daran, daß es in diesem Land immer noch keinen Mindestlohn gibt?
Oder können die Leute wirklich die Höhe der Einnahmen selbst bestimmen?
Die Politik ist natürlich auch für die Verhältnisse in diesem Land mitverantwortlich.
Auch die Steuern bestimmen wir nicht selbst.
Der Ausbau von Kinderkrippen hat doch höchste Priorität, wenn ich Frau von der Laien richtig verstanden habe, also die Betreuung der Kinder vom Staat, schon in den ersten Lebensjahren.
Für mich sieht es so aus, als wolle die Politik erreichen, daß die Eltern kaum noch Einfluß auf die Erziehung der Kinder nehmen können.
Aber....wenn der Staat diesen Einfluß haben möchte, bekommt er auch die Verantwortung!
Jetzt allein den Eltern ein Versagen anhängen zu wollen ist schon mehr als unverschämt, denn es zeugt von Blindheit für die Gegebenheiten.
Tut mir leid, ich lese aus Ihrem Beitrag einzig und alleine den Ruf nach dem Staat. Sind das ihre Kinder oder die des Staates? Das liebe Geld kann nicht für alles und jedes als generalausrede herhalten spätestens wenn es um das Wohl der eigenen Kinder geht sollte man überlegen welche Einschnitte WIRKLICH wichtig sind...
Sehen Sie..da stimme ich mit Ihnen überein.
Die Kinder sollten sich nicht selbst erziehen....aber es muß Möglichkeiten geben, sie sich nicht allein zu überlassen!
Der Staat will frühzeitigen Einfluß.
Manche Eltern verhalten sich tatsächlich passiv und lassen die Kinder gewähren ohne selbst an der Erziehung teilzunehmen, völlig richtig.
Aber das ist nur ein Teil der Eltern!
Die meisten Eltern verzweifeln tagtäglich, bei dem Versuch, den Kindern gerecht zu werden, trotz Arbeit!
Es ist kaum möglich!
Wenn der Staat die Kinder schon frühzeitig in Obacht nehmen will, warum läßt er sie dann schon im Grundschulalter allein und schafft keine weiteren Betreuungsangebote?
Warum müssen die Kinder denn den halben Tag allein verbringen?
Endlich Geld in die Bildung stecken zu wollen ist zwar nett, aber längst nicht genug.
Es muß auch für die Zeit nach der Schule gesorgt werden, denn die Eltern sind damit beschäftigt, die Familie über Wasser zu halten.
Immer niedrigere Löhne, immer höhere Preise und eine Menge Elternfreizeit, das geht einfach nicht zusammen.
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