Verfassungsschutz schaltet Stellenanzeigen Schlapphüte verzweifelt gesucht

(Foto: Oliver Berg/dpa)
  • Das Bundesamt für Verfassungsschutz sucht per Stellenanzeige neue Mitarbeiter für den Bereich "Observation".
  • "Es ist kein Witz, sondern ein normaler Vorgang", versichert der Behördenleiter, nachdem sich niemand auf die Anzeige gemeldet hat.
Von Bernd Dörries

Der deutsche Föderalismus hat dazu geführt, dass sich die mächtigen Institutionen nicht an einem einzigen Ort der Republik befinden, sondern über das Land verteilt sind. Manchmal bekommt man das Gefühl, dass Stadt und Behörde ganz gut zueinanderpassen. Die Bundesgerichte in Karlsruhe befinden sich in einer sehr ernsthaften Stadt, die nicht in dem Ruf steht, fünf auch mal gerade sein zu lassen.

Ganz anders ist es in Köln. Im Stadtteil Chorweiler sitzt das Bundesamt für Verfassungsschutz, das in den vergangenen Jahren in den Ranglisten der beliebtesten Arbeitgeber nicht sehr weit oben stand. Der Schlapphut als Dienstkleidung hat an Attraktivität verloren, der Verfassungsschutz ist in den vergangenen Jahren in den Ruf geraten, eine biedere Behörde zu sein, die nach links schaut, während sich auf der rechten Seite Terrorgruppen wie der NSU bildeten.

In der Personalabteilung hat man das als ein Problem erkannt. Es gibt nur noch wenige Leute, die Lust haben, dieses Land vor Extremisten zu beschützen. In der vergangenen Woche schaltete der Verfassungsschutz Stellenanzeigen in den Kölner Zeitungen. Gesucht werden "Mitarbeiter im Nachrichtendienst für Observation".

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2900 Euro brutto für Nachwuchskräfte

"Sie sind ein politisch interessierter, mobiler Mensch, der mit offenen Augen seine Umwelt wahrnimmt." Für den Verfassungsschutz hat sich die Umwelt dramatisch verändert in den vergangenen Jahren, der Betriebsrat klagt über die Zunahme von Überstunden durch die Beobachtung der Salafisten-Szene. Das Vertrauensgremium des Bundestages, das für den Etat des Verfassungsschutzes zuständig ist, hat nun erhöhte Mittel für neues Personal genehmigt, angesichts der Lage im Irak und in Syrien und den vermehrten Radikalisierungen von Islamisten, die mittlerweile von manchen Experten schon als eine Art neue Jugendbewegung gesehen werden.

Bis zu 2900 Euro brutto zahlt der Verfassungsschutz für Nachwuchskräfte. Dienstort ist Köln-Chorweiler, was früher einmal eine sozialdemokratische Mustersiedlung war, heute aber eher ein Standort jener Leute, die der Verfassungsschutz auch im Blick hat. Das klingt nach einem soliden Bewerbungsprofil.

Offenbar gab es aber keine Interessenten auf die Stellenanzeigen. Was dazu führte, dass sich selbst der oberste Dienstherr einschaltete und mitteilte, dass es sich bei der Anzeige durchaus um einen ernsten Vorstoß gehandelt habe. "Es ist kein Witz, sondern ein normaler Vorgang: Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist ein attraktiver Arbeitgeber", teilte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen diese Woche mit.

"Verfassungsschützer haben einen wichtigen Beruf. Sie tragen mit ihrer Arbeit entscheidend zur Sicherheit in unserem Land bei."

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