Nicht von ungefähr entscheiden sich 90 Prozent der Doctores nach der Promotion gegen eine Wissenschaftskarriere im Betrieb Hochschule. Andererseits finden sich auch viele erstaunlich leidensfähig in ihr Schicksal: Fast drei Viertel der wissenschaftlichen Mitarbeiter würde wieder einen Arbeitsplatz an der Hochschule wählen. Grund für diese Leidensfähigkeit ist die hohe Identifikation mit den Inhalten der wissenschaftlichen Arbeit. Wer promoviert, dem liegt in erster Linie daran, sich intensiv mit seinem Fach auseinanderzusetzen. Eine Karriere an der Hochschule steht für viele Befragte erst an zweiter Stelle. Das gilt erst recht für Frauen, von denen 43 Prozent der Befragten die Erfüllung ihres Kinderwunsches erst einmal wegen der unsicheren beruflichen Situation zurückgestellt haben.
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Verdi wittert Potential
Immerhin 100.000 Promovierende zählen die deutschen Hochschulen derzeit, und jährlich werden - Mediziner, bei denen der Doktorerwerb ohnehin obligatorisch ist, ausgenommen - 20.000 Promotionen abgeschlossen. Dazu existieren der Studie zufolge schätzungsweise 20.000 Post-Doc-Stellen, die für die intensive Berufsvorbereitungsphase mit dem Ziel der Berufung auf eine Professur vorgesehen sind. Dafür werden jährlich 2000 Habilitationen angefertigt, davon immerhin 23 Prozent von Frauen.
Insgesamt arbeiten auf dem großen, bundesrepublikanischen Campus mehr als 500.000 Menschen, die mit Forschung, Verwaltung und der Ausbildung der knapp zwei Millionen Studierenden beschäftigt sind. Keine Frage, dass auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die wie die anderen von Mitgliederschwund getroffen ist, hier noch Potential wittert. Zumal nur etwa acht Prozent der Universitätsbeschäftigten gewerkschaftlich organisiert sind.
Alleingelassener Nachwuchs
"Der wissenschaftliche Nachwuchs wird alleingelassen", so die Studie, mit dem "Wissenschaftsstandort Deutschland" sei es nicht weit her. Unter dem Motto ihrer Initiative "Campus der Zukunft" will Verdi zumindest die bessere kommunikative Vernetzung der Betroffenen erreichen. Das dürfte bei den vor allem in ihre Forschungsarbeit vertieften Doktoranden und Post-Doktoranden nicht die leichteste Übung werden.
Das gibt auch Hans-Jürgen Sattler zu, der für Verdi das Campus-Projekt koordiniert. Dass ein forschender Softwareingenieur, ein Pharmazeut und eine promovierende Germanistin unterschiedliche Perspektiven auf ihre Zukunft besitzen, liegt auf der Hand. Eine bundesweite Projektgruppe habe sich schon gebildet, so Sattler. An den Universitäten Dortmund und Bremen zum Beispiel seien bereits engagierte Doktoranden-Grüppchen bei der Arbeit. Zumindest die Forderungen sind schon klar: Befristete Stellen sollen die Ausnahme werden. Darüber hinaus plädiert die Gewerkschaft für die Einrichtung spezieller Career-Center, in denen der wissenschaftliche Nachwuchs für eine Karriere in der unbekannten Arbeitswelt außerhalb der Unis fit gemacht werden soll.
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(SZ vom 05.12.2009/holz)
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... nein, es fehlt schlichtweg die Zeit, um sich darum zu kümmern.
38 Stunden/ Woche. Das ist ja wohl ein Witz. Es sind locker über 40 (+ Wochenende noch dazu) und das auf einer halben Stelle. Ich denke, würden die Doktoranden (an der Uni) ihre "Überstunden" einreichen, wäre das jeweilige Land/Uni wohl fast pleite.
Jeder "normaler" Arbeitgeber lacht sich doch kaputt über unsere Gehälter & die korrespondierenden reelen Arbeitszeiten. Die Kommentare kennt doch jeder: "Wie, du arbeitest am Wochenende?"
Ja genau und das unbezahlt! Da hat man wenigstens sein Ruhe für die Forschung
Es ist ja unser Hobby und macht uns Spass ... leider der einzige Trost.
Außerdem, wer will den ernsthaft Professor an einer Uni werden? Familienleben kann man knicken. Ein Großteil der Profs ist 50 und hat 3 jährige Kinder (wenn überhaupt) o.ä. ... ganz toll.
Sie ersticken im Papierberg & schreiben eigentlich nur Anträge, damit sie irgendwelche Gelder bekommen. Ich glaube das sind mit Abstand die schlechtesten Beamtenjobs.
Die wenigsten Prof.s forschen doch noch wirklich. Sie präsentieren "leider" nur die Ergebnisse der Doktoranden. Rosige Aussichten sind daher akademische Laufbahnen nicht. Das ist so oder so eine sehr lange Durststrecke.
Mediziner: Als Naturwissenschaftler (Biochemiker) kann ich nur sagen ...lachhaft. Nicht mehr als ne mittelmäßige Diplomarbeit.
....ist doch, dass sie irgendwann aufgehört haben, ein Apparat zu sein, der den Forschern Dinge abnimmt, für die sie sich nicht interessieren (AKA "Verwaltung"). Inszwischen dient die Verwaltung in erster Linie sich selbst und macht anderen das Leben schwer.
Die Abrechnung einer Dienstreise dauert inzwischen meistens länger als die Reise. Die Bearbeitung der Abrechnung in der ZV dauert so lange, dass ich mich schon nicht mehr an die Reise erinnern kann....
Richtig frustrierend ist, dass an der Uni gefühlt mehr Leute in der Verwaltung beschäftigt sind als an Lehrstühlen für Forschung und Lehre. Zudem bleibt die Abrechnung der Projekte meist beim Prof oder Doktoranden hängen - bei mir hat die Verwaltung z.B. nur noch Abrechnungen geprüft bevor die an den Forschungsträger weitergegeben wurde.
Erst werden - dank VERDI-Verhandlungen - beim Übergang von BAT auf TVöD/TVL signifikant Doktorandengehälter gekürzt und lächerliche Einmalzahlungen vereinbart, die nur den Technikern/Sekretärinnen zugute kommen und dann geriert sich VERDI nun als Retter der ausgebeuteten Doktoranden? Mal wieder Personalunion von Bock und Gärtner!!!
Und jetzt möchte VERDi also auch noch Langzeit-Promotionen durch längerfristigfe Verträge unterstützen - Hurra! Da wird der Doktorand doch weiter ausgebeutet, weil er für ne halbe Stelle jahrelang schuftet, obwohl er längst fertig sein könnte und als PostDoc für die gleiche Arbeit das Doppelte verdienen... Kein Wunder, daß kein Doktorand sich von VERDI vertreten fühlt!
Mit den drei Hochschulen hat sich die Studie schon gezielt ein Trio rausgesucht, das besonders knapp bei Kasse ist. Es gibt durchaus auch Unis an denen es ganze Stellen für Doktoranden gibt, speziell in den Ingenieurswissenschaften.
Was die Vertragsdauer angeht: Unbefristete Verträge sind natürlich totaler Unfug. Aber ein Vertrag mit einem realistischen Zeithorizont (3/4/5 Jahre), der zur üblichen Promotionsdauer am jeweiligen Institut passt, wäre schon eine echte Verbesserung. Der Status Quo: Eine Aneinanderreihung von Einjahresverträgen, bei denen man sich fragt, ob es sich überhaupt lohnt, das Büro richtig einzurichten.....
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