Höchstqualifiziert, ausgebeutet und unterbezahlt: Der akademische Nachwuchs leidet, ohne zu klagen. Gewerkschaften wollen das ändern.
Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre. Forschungsjahre des wissenschaftlichen Nachwuchses in meist recht eng gefasster universitärer Freiheit offenbar auch nicht. Während die Studierenden landauf, landab seit Wochen ihre Vorlesungen zu lautstarken Protestveranstaltungen umfunktionieren, weil sie sich gegen die Verschulung des Studiums und unzureichende Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen, leiden ihre in ihrer Ausbildung weit fortgeschrittenen Kommilitonen mehr oder weniger still vor sich hin.
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Dr. Prekär: Die Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter in ihren Teilzeitjobs an den Universitäten kommen im Schnitt auf 1000 Euro netto im Monat -oder weniger. (© Foto: dpa)
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Nach der Definition der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi tun sie das zumindest "objektiv", während sie sich trotz der prekär zu nennenden Lebensumstände subjektiv an der Hoffnung auf bessere Zeiten nach der Promotion festhalten. Die Rede ist von "Dr. Prekär", zu dem Verdi den wissenschaftlichen Mittelbau an deutschen Hochschulen promoviert hat und das auch gleich durch eine umfangreiche Studie belegt.
Ähnlich wie die vor einigen Jahren identifizierte "Generation Praktikum" mit unsicheren und befristeten Tätigkeiten eine Schneise hin zu geregelten Berufslaufbahnen zu schlagen sucht, steht auch dem akademischen Nachwuchs keineswegs die feste und stabile Karriereleiter auf einen Lehrstuhl bereit. Das zumindest ergab eine von der Gewerkschaft in Auftrag gegebene Studie über die bisher kaum beleuchteten Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Mittelbaus.
Zwischen Karriereaussichten und Abbruchtendenzen
Befragt wurden befristet beschäftigte Wissenschaftler an den Universitäten Oldenburg und Jena sowie der Technischen Universität Berlin. Aus den 931 zurückgesandten Fragebögen ergab sich den Autoren zufolge ein repräsentatives, wenngleich nicht besonders hoffnungsfroh stimmendes Bild der Professores in spe "zwischen Karriereaussichten und Abbruchtendenzen".
Der Soziologe und Mitautor Dieter Grühn von der Technischen Universität Berlin fasst es so zusammen: "Objektiv sind diese Personen prekär beschäftigt, aber es wird von den meisten nicht so empfunden." Man könnte auch sagen, die Universitäten beuten ihre Doktoranden aus, und die lassen das klaglos zu. Bis zu 60 Prozent der jungen Wissenschaftler verbringen ihre Arbeitszeit mit "promotionsfremden Tätigkeiten": Zuarbeit für Vorgesetzte, Verwaltungsarbeiten, Studienberatung.
45 Prozent sitzen auf halben Stellen, arbeiten aber statt 20 Stunden im Durchschnitt 38 Stunden pro Woche, für die Promotion, das eigentliche Kerngeschäft, bleibt also gar nicht die erforderliche Zeit. Eine prominente Teilzeit-Promovendin findet sich in der neuen, 32-jährigen Familienministerin Kristina Köhler, die - allerdings als gut bezahlte Bundestagsabgeordnete - dieser Tage ihre Dissertation "Gerechtigkeit als Gleichheit?" vorgelegt hat und dafür nur zwei bis drei Tage im Monat aufwenden konnte.
Von Befristung zu Befristung
Die Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter in ihren Teilzeitjobs an den Universitäten kommen im Schnitt auf 1000 Euro netto im Monat oder weniger. Dabei beträgt die Befristung der Stellen im Durchschnitt 28 Monate, eine Doktorarbeit nimmt aber im Schnitt 5,7 Jahre in Anspruch. Also heißt es, sich von Befristung zu Befristung hangeln oder anderweitig sehen, wie man sich mit außeruniversitären Nebenjobs über Wasser hält.
Kurz: hochqualifiziert, unterbezahlt und mit wenig rosigen Zukunftsaussichten, zumindest was die weitere Hochschulkarriere anbetrifft, marschiert der akademische Nachwuchs durch die Institution Universität, um dann die Studenten von morgen ihrerseits dem prekären Mittelbau zur Lehre weiterzureichen.
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Christopher Lee zum 90.
... nein, es fehlt schlichtweg die Zeit, um sich darum zu kümmern.
38 Stunden/ Woche. Das ist ja wohl ein Witz. Es sind locker über 40 (+ Wochenende noch dazu) und das auf einer halben Stelle. Ich denke, würden die Doktoranden (an der Uni) ihre "Überstunden" einreichen, wäre das jeweilige Land/Uni wohl fast pleite.
Jeder "normaler" Arbeitgeber lacht sich doch kaputt über unsere Gehälter & die korrespondierenden reelen Arbeitszeiten. Die Kommentare kennt doch jeder: "Wie, du arbeitest am Wochenende?"
Ja genau und das unbezahlt! Da hat man wenigstens sein Ruhe für die Forschung
Es ist ja unser Hobby und macht uns Spass ... leider der einzige Trost.
Außerdem, wer will den ernsthaft Professor an einer Uni werden? Familienleben kann man knicken. Ein Großteil der Profs ist 50 und hat 3 jährige Kinder (wenn überhaupt) o.ä. ... ganz toll.
Sie ersticken im Papierberg & schreiben eigentlich nur Anträge, damit sie irgendwelche Gelder bekommen. Ich glaube das sind mit Abstand die schlechtesten Beamtenjobs.
Die wenigsten Prof.s forschen doch noch wirklich. Sie präsentieren "leider" nur die Ergebnisse der Doktoranden. Rosige Aussichten sind daher akademische Laufbahnen nicht. Das ist so oder so eine sehr lange Durststrecke.
Mediziner: Als Naturwissenschaftler (Biochemiker) kann ich nur sagen ...lachhaft. Nicht mehr als ne mittelmäßige Diplomarbeit.
....ist doch, dass sie irgendwann aufgehört haben, ein Apparat zu sein, der den Forschern Dinge abnimmt, für die sie sich nicht interessieren (AKA "Verwaltung"). Inszwischen dient die Verwaltung in erster Linie sich selbst und macht anderen das Leben schwer.
Die Abrechnung einer Dienstreise dauert inzwischen meistens länger als die Reise. Die Bearbeitung der Abrechnung in der ZV dauert so lange, dass ich mich schon nicht mehr an die Reise erinnern kann....
Richtig frustrierend ist, dass an der Uni gefühlt mehr Leute in der Verwaltung beschäftigt sind als an Lehrstühlen für Forschung und Lehre. Zudem bleibt die Abrechnung der Projekte meist beim Prof oder Doktoranden hängen - bei mir hat die Verwaltung z.B. nur noch Abrechnungen geprüft bevor die an den Forschungsträger weitergegeben wurde.
Erst werden - dank VERDI-Verhandlungen - beim Übergang von BAT auf TVöD/TVL signifikant Doktorandengehälter gekürzt und lächerliche Einmalzahlungen vereinbart, die nur den Technikern/Sekretärinnen zugute kommen und dann geriert sich VERDI nun als Retter der ausgebeuteten Doktoranden? Mal wieder Personalunion von Bock und Gärtner!!!
Und jetzt möchte VERDi also auch noch Langzeit-Promotionen durch längerfristigfe Verträge unterstützen - Hurra! Da wird der Doktorand doch weiter ausgebeutet, weil er für ne halbe Stelle jahrelang schuftet, obwohl er längst fertig sein könnte und als PostDoc für die gleiche Arbeit das Doppelte verdienen... Kein Wunder, daß kein Doktorand sich von VERDI vertreten fühlt!
Mit den drei Hochschulen hat sich die Studie schon gezielt ein Trio rausgesucht, das besonders knapp bei Kasse ist. Es gibt durchaus auch Unis an denen es ganze Stellen für Doktoranden gibt, speziell in den Ingenieurswissenschaften.
Was die Vertragsdauer angeht: Unbefristete Verträge sind natürlich totaler Unfug. Aber ein Vertrag mit einem realistischen Zeithorizont (3/4/5 Jahre), der zur üblichen Promotionsdauer am jeweiligen Institut passt, wäre schon eine echte Verbesserung. Der Status Quo: Eine Aneinanderreihung von Einjahresverträgen, bei denen man sich fragt, ob es sich überhaupt lohnt, das Büro richtig einzurichten.....
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