Probleme wegen ihrer Sexualität bekamen an dem Elite-College schon mehrere Studenten. 1996 verließen drei junge Frauen die Akademie, nachdem Tagebuchaufzeichnungen entdeckt worden waren, die ihre sexuelle Orientierung preisgaben, wie die New York Times berichtet. 2002 wurde ein junger Soldat ausgeschlossen, nachdem sein Profil auf einer Webseite für Schwule gesehen wurde. Alle anderen, die nicht den Normen der Akademie entsprachen, behielten das für sich.

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Ihre sexuelle Orientierung behalten Studenten in West Point für sich. (© AP)

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Für Katherine Miller war diese Situation irgendwann nicht mehr tragbar. Im August kündigte die 20-Jährige in ihrem Blog an, der Geheimniskrämerei ein Ende zu setzen, indem sie ihre Homosexualität öffentlich machen und gleichzeitig aus der Akademie austreten werde. Die Alternative war, sich für weitere Jahre zu verpflichten.

Eine Woche später reichte sie ihr Kündigungsschreiben ein: "Ich habe meine Kommilitonen belogen und meine eigene Identität verleugnet, um mich dem Codex des Militärs unterzuordnen. Ich bin nicht gewillt, einen Teil meiner Persönlichkeit weiter zu unterdrücken", schreibt sie - und bloggte fortan offen mit ihrem Foto. 

Ihr öffentliches Coming-out und der Austritt aus West Point regten in den USA zum wiederholten Male die Diskussion um Paragraph 654 an. Katherine Miller musste plötzlich Fernsehinterviews geben und Journalisten aus dem ganzen Land Rede und Antwort stehen.

Die öffentliche Unterstützung war da - schon unter ihrem Blog richteten Leser immer wieder aufmunternde Worte an sie. Ein "heterosexueller, männlicher West-Point-Absolvent" gratulierte ihr zu ihrem Mut, ein langjähriger Armee-Angehöriger schreibt, es wäre ihm "eine Ehre gewesen, mit ihr zusammenzuarbeiten". Der Verein Knights Out, ins Leben gerufen von West-Point-Absolventen und Mitarbeitern der Akademie kämpft seit Jahren für die Rechte von Schwulen und Lesben an der Elite-Universität.

Dass sie irgendwann ihre Karriere beim Militär fortsetzen werde, schloss Katherine Miller in ihrem Kündigungsschreiben nicht aus. "Sollte der Paragraph 654 irgendwann außer Kraft gesetzt werden und an seine Stelle eine Antidiskriminierungspolitik treten, habe ich vor, zum Militär zurückzukehren", steht da.

Ihre Hoffnungen sind möglicherweise berechtigt. Die "Don't Ask, don't tell"-Politik des amerikanischen Militärs, die 1993 unter Bill Clinton eingeführt wurde, steht immer wieder zur Diskussion. US-Präsident Barack Obama unterstützt inzwischen die Aufhebung der Regelung. Repräsentantenhaus und Streitkräfteausschuss haben bereits beschlossen, dass schwule und lesbische Soldaten offen über ihre sexuelle Orientierung sprechen dürfen. Nun müssen noch der Senat und Präsident Obama die Änderung abnicken - und das Pentagon.

Bis es soweit ist, schlägt Katherine Miller eine andere Laufbahn ein. Inzwischen ist sie an der Elite-Universität Yale eingeschrieben und setzt dort ihr Soziologie-Studium fort - als lesbische Studentin, die sich in ihrer Freizeit dafür einsetzen wird, dass es "Don't ask, don't tell" bald nur noch in Erzählungen gibt.

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  1. Lieber lesbisch als mundtot
  2. Sie lesen jetzt Barack Obama ist auf ihrer Seite
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(sueddeutsche.de/leja)