Die Angestellte einer US-Immobilienfirma verlor nach sechs Jahren ihren Job - weil sie sich weigerte, ihre grauen Haare zu färben. Dem Arbeitgeber sei ihr Aussehen nicht jugendlich genug gewesen, so der Vorwurf der Frau. Jetzt geht sie vor Gericht.
Sandra Rawline war bis vor kurzem eine zufriedene Frau. Sie hatte einen guten Job in der Immoblienbranche und war glücklich mit ihrem Leben und ihrem Aussehen. Die 52-jährige Texanerin hatte sich von der Empfangsdame zur Bereichsleiterin der US-Immobilienfirma Capital Title hochgearbeitet. Und um ein Haar wäre diese Karriere auch weitergegangen - aber eben nur um ein Haar.
Bild vergrößern
Graue Strähnen sehen manche Arbeitgeber nicht gerne. Eine Angestellte in den USA soll wegen ihrer Haarfarbe entlassen worden sein. (© dpa)
Anzeige
In Rawlines Fall war dieses Haar grau, es war ihr eigenes - und laut einem Bericht des Houston Chronicle der Grund, warum sie gefeuert wurde.
Bereits mit Mitte zwanzig entedeckte Rawline ihre ersten grauen Strähnen. Für sie selbst kein großes Problem, sie versuchte gar nicht erst, die grauen Haare zu verstecken oder zu übertönen. "Das bin eben ich", sagte sie der Zeitung.
Ihr Arbeitgeber sah nicht ganz so gelassen auf ihre Haarpracht. Als Rawline mit ihrem Unternehmen umziehen sollte, stellte ihr Vorgesetzter deutliche Forderungen: Sie sollte fortan in "jüngeren, flotteren Kostümen" zur Arbeit kommen und mehr Schmuck tragen. Die Angestellten sollten insgesamt ein edleres Bild abgeben.
Im Zuge dieser Verjüngungskur sollte Rawline auch ihre Haare färben. Ihr Chef soll sogar angeboten haben, ihr persönlich dabei zu helfen. Doch Rawline weigerte sich - und war prompt innerhalb einer Woche ihren Job los. Ihre Stelle nahm schon am nächsten Tag eine zehn Jahre jüngere Kollegin ein.
Sechs Jahre war Rawline zu diesem Zeitpunkt bereits bei Capital Title angestellt - ihre Haarfarbe war bislang nie ein Thema gewesen. "Ich habe wirklich hart für dieses Unternehmen gearbeitet", betont sie - und weist darauf hin, dass sie 2004 und 2005 als herausragende Mitarbeiterin geehrt worden war.
Inzwischen arbeitet Rawline als Kundenbetreuuerin für ein anderes Unternehmen. Ihr Jahreseinkommen ist seit ihrem Rauswurf von 48.000 Dollar auf 30.000 Dollar gesunken. Gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber hat die Texanerin geklagt - wegen Diskriminierung.
Capital Title weist die Vorwürfe bislang als "haltlos" zurück. "Ich würde sogar eine 150-Jährige beschäftigen, wenn sie es wert wäre", sagte Konzernchef Bill Shaddock dem Houston Chronicle - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er selbst ebenfalls graue Haare habe. Rawline sei nicht wegen ihrer Haarfarbe entlassen worden, sondern weil einer ihrer Hauptkunden nicht mehr mit ihr arbeiten wollte. Und das habe nichts mit ihrem Alter zu tun, schließlich würden drei 64-jährige Arbeitnehmer noch immer beschäftigt.
Ob es sich im Fall von Sandra Rawline um Diskriminierung handelt, wird das Gericht entscheiden müssen. Rawlines Anwalt stellte jedenfalls schon einmal klar, worum es ihm geht: "Niemand sollte sich dafür schämen müssen, älter zu werden."
- Thema
- Arbeitsrecht RSS
- Absurde Kündigung Freundin des Chefs beleidigt - Job weg 24.03.2011
- Diskriminierung Starbucks: Kündigung für Kleinwüchsige 18.05.2011
- Fristlose Kündigung Vergleich mit NS-System kann den Job kosten 19.01.2011
- HIV-positiv im Arbeitsleben Alleingelassen mit dem Virus 02.07.2011
- Lufthansa gewinnt Schadenersatzklage Nichts bestellt - aber Millionen bezahlt 22.06.2011
- USA: Klage wegen Diskriminierung Frauen scheitern mit Sammelklage gegen Wal-Mart 21.06.2011
- Arbeitsrecht Raucher fristlos entlassen 20.06.2011
(sueddeutsche.de/holz/jobr)
Diskussion um Leinenpflicht für Hunde
---
2003 wurden in München bei einem riesigen Konzern 365 Kündigungsbegehren ausgesprochen.
---
Das Durchschnittsalter war 49 --- die meisten waren Frauen!
---
Fast alle älteren Frauen über 50 hat man versucht --- aus diesem Konzern hinauszudrängen....!
---
Bei genauem Hinblicken --- war das überall so!
Aber dieser Fall wird vermutlich nicht so haarspalterisch gesehen. Das "Opfer" hat diese Gelegenheit wenigstens beim Schopfe gepackt.