Angesichts der Bestleistungen chinesischer Schüler fürchtet Amerika den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Auch deshalb ist die Aufregung über die Erziehungsmethoden asiatischer Mütter so groß.
Was würde man von einer Mutter halten, deren Kinder das Folgende niemals machen dürften: Woanders übernachten. Sich mit Freunden zum Spielen treffen. Im Schultheater mitspielen. Sich darüber beschweren, dass sie nicht im Schultheater mitspielen. Fernsehen oder Computerspielen. Sich selbst aussuchen, was sie neben der Schule noch unternehmen wollen. Etwas schlechteres als eine Eins schreiben. Etwas schlechteres als den ersten Platz in jedem Fach zu belegen - außer in Sport und Theater.
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Mit Härte und Ausdauer zum Erfolg - das chinesische Modell macht amerikanischen Eltern Angst. (© REUTERS)
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Man würde wohl überlegen, das Jugendamt einzuschalten, weil der Verdacht naheliegt, dass diese Mutter ihre Kinder misshandeln, oder zumindest ihre obsessiv-neurotischen Geistesverwirrungen an ihnen auslassen könnte. Natürlich weiß man noch nicht, dass man gerade einer Tigermutter begegnet ist. Besser gesagt: einer chinesischer Mutter.
In den Vereinigten Staaten und Großbritannien weiß man das inzwischen sehr genau, spätestens seit die selbst ernannte Tigermutter Amy Chua vor knapp zwei Wochen im Wall Street Journal einen Essay veröffentlichte: "Warum chinesische Mütter besser sind." Es war ein Exzerpt aus ihrem kurz darauf erschienenen Buch "Battle Hymn of the Tiger Mother" - "Schlachtgesang der Tigermutter" (auf Deutsch erscheint es nächste Woche bei Nagel & Kimche unter dem Titel "Die Mutter des Erfolges"). Innerhalb weniger Tage schoss das Buch bei Amazon unter die ersten fünf der Bestsellerliste, Tendenz steigend. Amy Chua wurde derweil zur meistbeschimpften und gefürchtetsten Mutter der Nation.
Amy Chua, Juraprofessorin in Yale und Verfasserin zweier vielgelobter Bücher über internationale Konflikte und ethnische Minderheiten, spricht an, wovor sich westliche Mittelstandseltern und Bildungseliten zutiefst fürchten - vor der überragenden Bildung jener erfolgreichen asiatischen Kinder, vor den kleinen Mathematikern, Musikern und Ingenieuren, die dem eigenen Nachwuchs vielleicht eines Tages, vielleicht schon längst den Rang abgelaufen haben. "Chinesische Eltern verstehen, dass nichts Spaß macht, bis man gut darin ist", schreibt sie. "Um gut in etwas zu werden, muss man arbeiten, und Kinder wollen von sich aus niemals arbeiten, weshalb es so wichtig ist, dass man sich über ihre Wünsche hinwegsetzt. Das verlangt von den Eltern viel Willenskraft, denn das Kind wird sich weigern."
Für westliche Eltern klingt das nach brutalem Zwang und Gewaltanwendung, ein Tabu in der Erziehung. Doch chinesische Eltern verstünden, so Chua, dass sie mit dieser Methode eine Aufwärtsspirale in Gang setzten. Ein Kind, das Erfolg hat, wird Selbstvertrauen und Selbstwert bekommen, was wiederum das viele Lernen und Arbeiten leichter macht. Und so können chinesische Eltern noch einmal mehr von ihren Kindern verlangen. Da, wo westliche Eltern aufgeben, meint Chua, da fangen chinesische Eltern gerade erst an mit dem Druck. "Eines der schlimmsten Dinge, die man dem Selbstwertgefühl eines Kindes antun kann, ist, es aufgeben zu lassen." Und, vielleicht bedenkenswerter: "Chinesische Eltern setzen bei ihren Kindern Stärke voraus, nicht Unsicherheit."
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in jeder Gesellschaft.
Das, was in China zu besichtigen ist, ist vielleicht etwas anderes:
An dem Tag, wo dort die Freiheit einkehrt, wird diese Form von krankhaftem Massenehrgeiz und Massenfanatismus verschwinden, als ob sie nie dagewesen wäre. Dann ist von einem Tag auf den anderen auch Schluss mit Massenturnen auf öffentlichen Paradeplätzen, auch mit Hundertschaften zweijähriger Wundergeiger, mit anormal hohen Olympia-Goldmedaillenquoten, etc. etc.
Lieber lebe ich in einer Gesellschaft mit großen sozialen Problemen als in einer Gesellschaft von Robotern, die erfolgreicher, wohlhabender und sicherer ist.
ist das Gefühl zu haben, dass der Autor des Artikels einen gewissen Gefallen an dieser "Erziehungsmethode" zu haben scheint.
Unfreiwilliger Schlafentzug z.B. gilt bei uns als Foltermethode - wie können wir das so einordnen, wenn wir gleichzeitig unsere Kinder auch damit "erziehen" wollen?
Druck und Härte in der Erziehung ist übrigens kein asiatisches "Privileg" - auch bei uns gibt es Eltern, die ihre Kinder mit Härte (bis hin zum Schlagen) für schlechte Noten oder anderes Fehlverhalten "erziehen" wollen. Bei uns ist das aber verboten, auch deshalb, weil man über genügend wissenschaftlich fundierte Erfahrung verfügt, um zu wissen, dass dies Kinder massiv schadet. Der Katalog der nicht unwahrscheinlichen Folgeschäden geht von Depressionen über Essstörungen, Angststörungen, Psychosen, extremen Aggressionen etc. eben bis hin zum Selbstmord - oft auch erst Jahrzehnte später (aber dann hat man ja die tollen Berichte über das 14-jährige Klavierwunderkind schon wieder vergessen).
Das alles, nur damit die Kinder Rechtsanwälte und Ärzte statt "Künstler, Event-Organizer, Medienschaffende" werden?
Dem kann mMn nur zustimmen, wer tatsächlich einer extrem verkürzten Auffassung von "erfolgreichem Leben" verfallen ist. Ich finde es menschenverachtend und einen Verstoß gegen die Würde des Kindes.
Der "Erfolg" Chinas hat etwas mit der Einwohnerzahl zu tun. Man muss sich einmal die Einwohnerzahlen der USA, Gesamteuropas, Japan, Russland, Kanda und Australien einmal zusammenzählen und vieles wird deutlicher.
Im übrigen bezweifle ich, dass es die eine chinesische Erziehung gibt. Ich gehe einmal davon aus, dass es in China nicht anders ist als in Europa bzw. Deutschland. Erziehungsmethoden sind auch hier nicht einheitlich.
Interessant dürfte sein wie "erfolgreich" diese Erzeihungsmethoden langfristig sind. Das Menschenbild das man von Kindern hat, sind jedenfalls nicht meine. Kinder sollen Kinder sein und keine jungen Erwachsenen.
Als ich vor einiger Zeit las, dass die Asiaten jetzt bei der PISA-Studie vorne liegen habe ich mich sofort an einen "SPIEGEL"-Artikel erinnert, der sich damit befasste, dass in Japan schon Kinder wegen des Stresses, der durch die Schule und dadurch auch durch ihre voll durchgeknallten Eltern verursacht ist, Selbstmord begehen. Und da gibt es noch welche, die für diese Form der "Erziehung" positive Aspekte anführen. Degenerierter und dekadenter gehts wirklich nicht mehr. Fresst doch am besten euren ganzen Erfolg und euer dadurch erworbenes Geld. Es wird die Würmer und Maden nicht abhalten euch in ein paar Jahren genüsslich zu verzehren (übrigens die einzige Gerechtigkeit, die es in der Vorhölle Erde gibt).
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