Ursachen für Burn-out Arbeiten, bis die Seele schmerzt

Angst davor, dass das Telefon klingelt, Panik dass jemand eine Entscheidung erwartet, Furcht vor dem Gang in die Kantine: Nur ein paar Symptome von Burn-out. Als Ursache für das Syndrom wird oft die ständige Erreichbarkeit genannt. Das allein ist jedoch nicht das Problem.

Ein Kommentar von Sibylle Haas

Eines Tages saß er wie gelähmt am Schreibtisch und konnte nicht mal mehr den Bleistift heben. Er hatte Angst davor, dass das Telefon klingelt. Dass er etwas sagen, vielleicht auch entscheiden muss. Es ist die Geschichte eines Mannes, der irgendwann nichts mehr auf die Reihe brachte, unendlich traurig war und müde. Der nicht mehr ordentlich schlafen konnte, immer gereizter wurde und der sogar im Urlaub nur noch an die Arbeit dachte. Es ist die Geschichte eines Managers, der immer mehr aus sich herausholen wollte, bis er die für seinen Job so wichtige Fähigkeit verlor, strukturiert und analytisch Probleme zu lösen. Der schließlich Termine vergaß. Am Ende fiel ihm schon der Weg in die Kantine schwer.

Der Nächste bitte Burn-out, Leiden von Helden?

Ausgebrannt von Job oder Familie - das Burn-out-Syndrom wird Menschen attestiert, die alles gegeben haben. Meist steckt allerdings eine Depression dahinter. Nur klingt das nicht so gut.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Jens Lumm / photocase.com)

Es ist also die Geschichte eines Menschen, der allmählich ausbrannte, bei dem die Lebendigkeit zu erlöschen drohte. Der am Ende so erschöpft war, dass Leib und Seele schmerzten. Durch eine Therapie fand er in ein normales Leben zurück. In ein Leben, in dem sich nicht alles um die Arbeit dreht, sondern in dem Familie und Freunde und seine innersten Bedürfnisse ihren Stellenwert zurückbekamen.

Es gibt viele solcher Beispiele. Die Arbeitswelt ist auf Effizienz getrimmt - darauf, dass kein Geld verschwendet, dass wirtschaftlich produziert wird. Produkte und Dienstleistungen sollen ihre Kunden finden und am Ende Gewinne übrig bleiben. Dies ist ein schlichtes und doch wichtiges Prinzip: Ressourcen so zu nutzen, dass eine bestimmte Wirkung mit möglichst geringem Aufwand erzielt wird. Es sichert den ökonomischen Wohlstand, weil Firmen Profit brauchen, um in neue Maschinen und Produkte zu investieren. Und weil Firmen rentabel sein müssen, um ihre Mitarbeiter zu entlohnen, damit die wiederum kräftig konsumieren.

Die Sache hat gut funktioniert: Solange es darum ging, die Technik zu verbessern und Maschinen immer schneller zu machen, stieg der Wohlstand für viele. Doch die Prinzipien der Produktionsgesellschaft lassen sich nicht eins zu eins auf eine Arbeitsgesellschaft übertragen, in der Wissen zum wichtigsten Rohstoff geworden ist. In der es darum geht, die Kreativität und den Ideenreichtum von Menschen zu fördern, weil dies die "Ware" ist, mit der die heutigen Industrieländer auf dem Weltmarkt punkten können.