Unterschiedlicher Sprachgebrauch im Büro Warum Frauen und Männer sich nicht verstehen

Nicht nur in Beziehungen reden Männer und Frauen oft aneinander vorbei - auch im Büro kommt nicht alles Gesagte so an, wie es gemeint war. Doch es gibt Hoffnung, sagen Psychologen: Die Sprache des jeweils anderen kann man lernen.

"Der Toner müsste mal gewechselt werden" - auf so einen Satz reagieren Männer und Frauen im Büro ganz verschieden. Die Kolleginnen springen fast zeitgleich auf und rennen zum Kopierer. Die Kollegen bleiben sitzen. Der ein oder andere denkt sich vielleicht noch "Ja, stimmt", das war es aber auch.

Wer kennt solche Szenen nicht? Die Verständigung zwischen männlichen und weiblichen Kollegen im Büro hakt häufig. Der Grund: Eine solche Aufforderung komme bei Männern einfach nicht an, sagt Kommunikationstrainerin Cornelia Topf aus Augsburg. Das sei auch kein böser Wille. "Aber Männer brauchen klare Anweisungen."

Ein ähnlicher Fall: Eine Mitarbeiterin fragt ihren Kollegen: "Sollten wir nicht mal wieder ein Meeting einberufen?" Die Reaktion ihres männlichen Kollegen bleibt aus. "Eine Frau will eigentlich nur höflich sein", erklärt Topf dieses Verhalten. Sie will niemandem einen Termin vorschreiben. Doch im Umgang mit Männern ist genau das der Fehler. Sie hätte ihrem Kollegen konkret sagen sollen, dass nächste Woche Mittwoch um 14.00 Uhr ein Treffen stattfindet.

Das Problem: Frauen drücken sich indirekt aus, benutzen häufig den Konjunktiv. Damit wollen sie Nähe und ein gutes Arbeitsklima erzeugen. "Aber auf Männer wirkt das unsicher und unterwürfig." Frauen denken und sprechen zudem eher beziehungsorientiert, Männer eher sach- und lösungsorientiert. "Deswegen wird ein Mann schnell ungeduldig, wenn eine Frau etwas erklärt, weil er nach dem Problem sucht", erklärt Führungskräftetrainer Roland Kopp-Wichmann aus Heidelberg. Oft sei aber keines da. Die Frau will sich nur mitteilen oder ihre Gefühle schildern. "Das leuchtet einem Mann nicht ein."

Frauen seien meist nach den Spielregeln der non-hierarchischen Kommunikation sozialisiert worden, Männer nach denen der hierarchischen, sagt Karrieretrainerin Marion Knaths aus Hamburg. Ein Beispiel aus einer x-beliebigen Konferenz: Frauen sprechen ihren Vorschlag laut in die Runde, adressieren dabei jeden. "Aber in der hierarchischen Kommunikation ist das ein großer Fehler." Wenn eine rangniedere Person in die Runde spreche, sei das nicht mehr als ein Rauschen in den Ohren des Chefs. So kann es dann auch passieren, dass ein männlicher Kollege den gleichen Vorschlag wie zuvor eine Frau macht, aber direkt den Ranghöchsten anspricht - und gehört wird.

Ohnehin ist es für Frauen oft schwieriger, sich in einer größeren Runde Gehör zu verschaffen. "Viele Frauen kommen kaum zu Wort, weil sie immer alle ausreden lassen", erklärt Knaths. Männer hingegen unterbrechen häufig. "In der hierarchischen Kommunikation sind Unterbrechungen etwas komplett Normales." Ihr Tipp: Wenn der Chef von einem Redner genervt ist, ist dies ein idealer Zeitpunkt, den Redner zu unterbrechen. Der Blickkontakt mit der Nummer eins am Tisch zeigt dann auch, ob man weitersprechen darf oder nicht. Mit einer solchen Unterbrechung positioniert man sich in einer Konferenz.

In Konferenzen können aber auch Männer etwas von Frauen lernen. "In vielen Situationen ist es auch gut, mal zuzuhören", sagt Knaths. Das sei eine weibliche Kernkompetenz, die bei vielen männlichen Managern nicht sehr ausgeprägt sei. Außerdem stellen Frauen häufiger Fragen, um so viele Informationen wie möglich zu erhalten. Männer sehen dies als Schwäche an.