Ein Kommentar von Birgit Taffertshofer

Jungen sind im Durchschnitt eine Schulnote schlechter als Mädchen. Ist eine Geschlechtertrennung im Unterricht sinnvoll?

Die Jungen gehören zu den Sorgenkindern des deutschen Bildungssystems. Das hat eine Studie jetzt wieder bestätigt. Zwar haben in der Berufswelt immer noch die Männer das Sagen, aber in der Schule schneiden Jungen schlechter ab als Mädchen.

Unterricht

Lehrer müssen das Interesse der Schüler wecken. (© Foto: AP)

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Seit Pisa jammern alle, dass männliche Schüler mehr Unterstützung brauchen: mehr Jungenprojekte, mehr Lese- und Schreibförderung, mehr männliche Erzieher und Lehrer.

Während am ,,Girls Day'' Tausende Mädchen in Männerberufe schnuppern, suchen ihre Klassenkameraden inzwischen ,,Neue Wege für Jungs''. Immer mehr Schulen stellen zudem auf getrennten Unterricht um - in der Hoffnung, Kaspereien und Machogehabe der Jungen gingen ohne weibliche Ablenkung zurück.

Tatsächlich tun sich Jungs schwerer mit dem gestiegenen Leistungsdruck in der Schule, denn sie sind häufig unkonzentrierter und unangepasster als Mädchen, mimen in der Klasse immer noch gerne den starken Kerl.

Doch so hilfreich alle Initiativen für die lange übersehenen Jungen sein mögen, am eigentlichen Problem gehen sie vorbei: Die Schule muss sich endlich auf die veränderten Lebenswelten aller Kinder einstellen. Sie brauchen unkonventionelle Vorbilder: in der Familie, im Bekanntenkreis, in der Arbeitswelt, aber eben auch in der Schule. Ihre Aufgabe ist es, die alten Rollenmuster gemeinsam mit den Kindern immer wieder in Frage zu stellen.

Vor allem aber muss der Lernstoff auf das unmittelbare Lebensumfeld der Kinder abgestimmt sein, damit es dem Lehrer gelingt, das Interesse der Schüler zu wecken. Ein guter Unterricht hat beide Geschlechter im Blick. Egal, ob sie getrennt oder gemeinsam im Klassenzimmer sitzen.

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(SZ vom 8.8.2007)