Von Nicola Holzapfel

Wer berät eigentlich wen? Wissenschaftler haben die Arbeitsweise von Unternehmensberatern unter die Lupe genommen.

Unternehmensberater zählen zu den Berufsgruppen mit dem miesesten Image. Mitarbeiter, die erfahren, dass ihr Arbeitgeber Berater anheuert, schlagen die Hände über den Kopf zusammen. Sie sind sofort voller Sorge um ihren Arbeitsplatz. Gegenüber den Ideen und Veränderungen, die von den externen Experten kommen mögen, legen sie - vorsichtig ausgedrückt - eine gehörige Portion Skepsis an den Tag: Mit welcher Methode werden die Berater wohl diesmal das Unternehmen auf den Kopf stellen?

Wer berät eigentlich wen? Wissenschaftler haben die Arbeitsweise von Unternehmensberatern unter die Lupe genommen.

Berater-Paradox: Einerseits holen Manager Berater, um von ihrem Knowhow zu profitieren. Allerdings darf ihnen der externe Rat nicht zu fremd erscheinen: "Kunden schätzen es nicht, wenn das Wissen von Beratern 'zu neu' ist", sagt Andrew Sturdy. (© Foto: iStockphoto)

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Die Ergebnisse einer neuen wissenschaftlichen Studie könnten da beruhigend wirken. So viel neues Expertenwissen, wie Berater gerne glauben machen, bringen sie ihren Kunden offenbar gar nicht: "Berater sind nicht so innovativ und anders wie häufig angenommen wird", sagt Andrew Sturdy von der Warwick Business School.

Sturdy hat zusammen mit mehreren Mitarbeitern drei Jahre lang die Arbeit von Unternehmensberatern analysiert. Die Wissenschaftler haben die Berater bei vier verschiedenen Projekten begleitet. Die Kunden der Berater waren ein internationales Unternehmen, ein Finanzdienstleister, ein Gefängnis und eine Behörde.

Um die Arbeit zu beobachten, haben die Wissenschaftler an den Projekten teilgenommen und auch Besprechungen aufgezeichnet. Außerdem haben sie Interviews mit Beteiligten geführt und mehrmals Fragebögen an die Projektteilnehmer verschickt. Die Studie wurde von der britischen Wissenschaftsorganisation "Economic und Social Research Council" finanziert.

Das Ziel der Wissenschaftler war, die Beziehungen zwischen Kunden und Beratern aufzudecken. Sie wollten herausfinden, wie Berater und Kunden zusammenarbeiten und wie ihre Zusammenarbeit den Wissenstransfer beeinflusst.

Ihre Arbeit könnte die Sicht auf die Beraterbranche revolutionieren und der Berufsgruppe etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Denn die gängige Vorstellung, dass Berater wie ein Deus ex Machina auftauchen und sich wieder verabschieden, sobald alles in Ordnung ist, stimmt nicht.

Wie Sturdy und Kollegen herausgefunden haben, sind Berater viel stärker Wissensvermittler als Ideenbringer. Sie profitieren sehr von dem Wissen der Mitarbeiter ihres Kunden, mit denen sie direkt zusammenarbeiten. Außerdem verlieren die Berater in Projekten schnell ihre Außenseiter-Funktion. "Die echten Außenseiternsind dann alle, die nicht im Projekt mitarbeiten", sagt Sturdy.

Was die Wissenschaftler überraschte: Die Kunden verfügten selbst über sehr viel Knowhow und die beteiligten Mitarbeiter hatten mitunter sogar einen ganz ähnlichen Hintergrund wie die Berater.

Obwohl so viel Wissen im eigenen Unternehmen vorhanden ist, lohnt es offenbar dennoch, Berater zu holen. Die befragten Kunden hatten durchaus das Gefühl, von den Externen etwas zu lernen. Darüber können die Berater nur froh sein. Denn zu viele Zweifel seitens der Mitarbeiter, so die Studie, können sich aufs Projektergebnis negativ auswirken.

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(sueddeutsche.de)