Wer berät eigentlich wen? Wissenschaftler haben die Arbeitsweise von Unternehmensberatern unter die Lupe genommen.
Unternehmensberater zählen zu den Berufsgruppen mit dem miesesten Image. Mitarbeiter, die erfahren, dass ihr Arbeitgeber Berater anheuert, schlagen die Hände über den Kopf zusammen. Sie sind sofort voller Sorge um ihren Arbeitsplatz. Gegenüber den Ideen und Veränderungen, die von den externen Experten kommen mögen, legen sie - vorsichtig ausgedrückt - eine gehörige Portion Skepsis an den Tag: Mit welcher Methode werden die Berater wohl diesmal das Unternehmen auf den Kopf stellen?
Berater-Paradox: Einerseits holen Manager Berater, um von ihrem Knowhow zu profitieren. Allerdings darf ihnen der externe Rat nicht zu fremd erscheinen: "Kunden schätzen es nicht, wenn das Wissen von Beratern 'zu neu' ist", sagt Andrew Sturdy. (© Foto: iStockphoto)
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Die Ergebnisse einer neuen wissenschaftlichen Studie könnten da beruhigend wirken. So viel neues Expertenwissen, wie Berater gerne glauben machen, bringen sie ihren Kunden offenbar gar nicht: "Berater sind nicht so innovativ und anders wie häufig angenommen wird", sagt Andrew Sturdy von der Warwick Business School.
Sturdy hat zusammen mit mehreren Mitarbeitern drei Jahre lang die Arbeit von Unternehmensberatern analysiert. Die Wissenschaftler haben die Berater bei vier verschiedenen Projekten begleitet. Die Kunden der Berater waren ein internationales Unternehmen, ein Finanzdienstleister, ein Gefängnis und eine Behörde.
Um die Arbeit zu beobachten, haben die Wissenschaftler an den Projekten teilgenommen und auch Besprechungen aufgezeichnet. Außerdem haben sie Interviews mit Beteiligten geführt und mehrmals Fragebögen an die Projektteilnehmer verschickt. Die Studie wurde von der britischen Wissenschaftsorganisation "Economic und Social Research Council" finanziert.
Das Ziel der Wissenschaftler war, die Beziehungen zwischen Kunden und Beratern aufzudecken. Sie wollten herausfinden, wie Berater und Kunden zusammenarbeiten und wie ihre Zusammenarbeit den Wissenstransfer beeinflusst.
Ihre Arbeit könnte die Sicht auf die Beraterbranche revolutionieren und der Berufsgruppe etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Denn die gängige Vorstellung, dass Berater wie ein Deus ex Machina auftauchen und sich wieder verabschieden, sobald alles in Ordnung ist, stimmt nicht.
Wie Sturdy und Kollegen herausgefunden haben, sind Berater viel stärker Wissensvermittler als Ideenbringer. Sie profitieren sehr von dem Wissen der Mitarbeiter ihres Kunden, mit denen sie direkt zusammenarbeiten. Außerdem verlieren die Berater in Projekten schnell ihre Außenseiter-Funktion. "Die echten Außenseiternsind dann alle, die nicht im Projekt mitarbeiten", sagt Sturdy.
Was die Wissenschaftler überraschte: Die Kunden verfügten selbst über sehr viel Knowhow und die beteiligten Mitarbeiter hatten mitunter sogar einen ganz ähnlichen Hintergrund wie die Berater.
Obwohl so viel Wissen im eigenen Unternehmen vorhanden ist, lohnt es offenbar dennoch, Berater zu holen. Die befragten Kunden hatten durchaus das Gefühl, von den Externen etwas zu lernen. Darüber können die Berater nur froh sein. Denn zu viele Zweifel seitens der Mitarbeiter, so die Studie, können sich aufs Projektergebnis negativ auswirken.
(sueddeutsche.de)
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Ich bin überrascht, dass Wissenschaftler überrascht sind über das Wissen der Mitarbeiter der zu beratenden Unternehmen. Was glauben denn die Damen und Herren, wo das Knowhow der Mitarbeiter herkommt und warum das/die Unternehmen zumindest über einen langen Zeitraum erfolgreich waren oder noch sind. Der Artikel vermittelt nebenbei den Eindruck, dass Unternehmensberater in die Unternehmen kommen, um selbst etwas zu lernen, um es dann als ihr eigenes Knowhow in die Arbeit mit einzubringen und/oder anderswo verwenden zu können.
Allerdings definiert Wissenschaft sich so, dass ihre Ergebnisse zu jeder Zeit nachprüfbar sein müssen und immer zu den gleichen Ergebnissen führen müssen. Somit muss die Fähigkeit vorhanden sein, bei abweichenden Ergebnissen, die Theorie neu anpassen zu müssen.
Und genau dieses scheint bei dieser Art von " Wissenschaft" nur sehr bedingt zuzutreffen.
Immerhin sind eine Reihe Fälle bekannt, da war nach den Beratertätigkeiten das Chaos riesig und die Unternehmen fanden sich am Rande des Abgrunds wieder.
Natürlich wissen die Mitarbeiter eines Unternehmens so ziemlich alles (hoffentlich!) über den Unternehmenszwecke, deren Produkte oder Dienstleistungen. Sonst bräuchte dieses Unternehmen keinen Berater, sondern einen Insolvensverwalter.
Die Aufgabe von Beratern liegt daher tatsächlich im Initiieren von Kommunikation über deren Produkte, deren Gestaltung und Optimieren von Abläufen. Und dabei ist dann hilfreich, das er eben nicht im unternehmen eingebunden ist, um auch andere Einflüsse zu gestatten.
Das ist im Übrigen auch nichts Neues: es gibt Unternehmen, die betrachten Berufsanfänger von Universitäten oder auch Auszubildene schon alleine deshalb als willkommen, weil sie frischen Wind hereinwehen lassen. Aber häufig diskutieren diese "nicht auf Augenhöhe", sondern werden eher von Kollegen belächelt, wenn es überhaupt Raum für Gestaltung gibt.
Etwas anderes ist es sicher, ich bin da nicht naiv, wenn Unternehmen "verschlankt" werden sollen, das erscheint mir jedoch als getrennt zu betrachtende Baustelle.
Die entscheidende Schwäche der Unternehmensberater liegt in der Krux vom Auftraggeber einen Folgeauftrag erhalten zu wollen. Welcher Verkäufer plädiert schon für die Abschaffung seines Kunden? Somit können Unternehmensberater im günstigsten Fall nur änderungen in dem Auftraggeber untergeordneten Positionen herbeiführen. Zudem dienen Unternehmensberater (wie alle Berater) häufig als Alibi und helfen Verantwortung zu verschieben. So nehmen die Beratungsverträge auch im öffentlichen Bereich erheblich zu. Der Auftraggeber kann dann im Fall der falschen Entscheidung immer auf den Berater zeigen und sich exkulpieren. Es bleibt die Frage warum gerade hoch dotierte Führungskräfte hoch dotierte Unternehmensberater benötigen. Einer von beiden ist überflüssig!
Aus meiner Erfahrung gibt es zwei Gründe Berater ins Unternehmen zu holen:
1. das Unternehmen will Umstrukturieren und ggf. Mitarbeiter entlassen. Die Berater fungieren dann als Prügelknaben, um die Massnahmen umzusetzen zu können. McKinsey hat vorgeschlagen...
2. Es geht tatsächlich um Beratung. Das Problem ist dann, die Berater ändern z.B. Prozesse, auch wenn es nicht nötig wäre- kein Berater wird sagen, alles o.k. so, können wir lassen, jetzt rüber mit der vereinbahrten Kohle.
ganz genau!!!
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