Ein Aufschrei bleibt aus

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Nun trifft die Automobilkrise die Zeitarbeiter als Erste und es scheint, als rege das niemanden sonderlich auf. Selbst der obligate Aufschrei der Gewerkschaften bleibt aus. Niemand weiß zuverlässig, wie viele tausend Zeitarbeitnehmer die Autokrise die Jobs bereits gekostet hat oder noch kosten wird.

Und vor allem, wie viele von ihnen am Ende tatsächlich auf der Straße stehen werden. "Fragen Sie mich das im Januar", sagt Ingrid Hofmann, die auch dem Präsidium des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA) angehört. "Im Moment ist die Lage sehr, sehr unübersichtlich."

In ihrer eigenen Firma war in Spitzenzeiten jeder fünfte Beschäftigte in der Automobilbranche eingesetzt. Für wie viele sie nun einen alternativen Arbeitsplatz hat, wisse sie noch nicht, sagt Ingrid Hofmann. Gute Fachkräfte und Ingenieure seien weiter gefragt. Nahrungsmittel-, Solar- und Windkraftindustrie, Callcenter und Unternehmen aus der Medizintechnik hätten noch Bedarf.

Bescheidene Zukunftspläne

Um alle Zeitarbeiter zu versorgen, die momentan in der Autobranche ihre Jobs verlieren, werde das aber nicht reichen. Also wird mancher mangels Folgeaufträgen entlassen werden. Und wer doch weiter ausgeliehen werden kann, arbeitet häufig wie Nico Vlachos für viel weniger Geld, denn in vielen Branchen gelten auch für Zeitarbeiter deutlich niedrigere Tariflöhne als in der Autobranche.

Nico Vlachos' Zukunftspläne sind bescheiden. Zu BMW-Zeiten blieb am Monatsende etwas zum Sparen übrig. Das sei nun vorbei, fürchtet er. Bald wird er umziehen, von seiner Zweizimmer-Wohnung zur Freundin in deren Elternhaus. So spart er die Miete.

Und weil die Möbelfabrik dort gleich um die Ecke liegt, rechnet Vlachos mit "um die 200 Euro weniger Spritkosten im Monat." Statt wie früher in der BMW-Kantine zu essen, nimmt er sich nun belegte Brötchen zur Arbeit mit. Und am Wochenende will er eben weniger ausgehen und lieber einen DVD-Abend mit Kumpels machen.

"Ist eh oft lustiger", sagt Nico Vlachos.

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(SZ vom 27.11.2008/heh)