Auch Franziska Hawranek hat Hilfe gesucht, jedoch nicht bei einem Verein, sondern bei ihren Freunden. Hawranek studiert Volkswirtschaftslehre in Regensburg. Für ihre Bachelorarbeit über die Diskriminierung von Ausländern auf dem deutschen Immobilienmarkt musste sie empirische Daten auswerten und Korrelationen suchen. Hawranek hatte aber nur theoretisch gelernt, mit dem Statistikprogramm umzugehen, ausprobiert hatte sie es nie. Schnell wurde ihr klar, dass sie andere Studenten aus Master- oder Diplomkursen fragen musste, um keine Zeit zu verlieren. "Es war ein komisches Gefühl, um Hilfe zu bitten", erinnert sie sich. Doch da sie nur 60 Tage für ihre Abschlussarbeit hatte, blieb keine Zeit zum Grübeln.
Anzeige
Am Ende war sie mehrere Tage vor der Frist fertig - und hatte dennoch überzogen. Wegen ihres Erasmusaufenthaltes in Spanien hatte sie ihre Bachelorarbeit in das siebte Semester verschoben und damit über die Regelstudienzeit hinaus. Der Druck, rechtzeitig abzugeben, war besonders hoch, denn sie wollte nicht noch ein weiteres Semester Studiengebühren zahlen.
Druck durch Regelstudienzeit
Die 1,0, die sie für ihre Arbeit erhielt, entschädigte Hawranek für das zusätzliche halbe Jahr. Doch nicht alle Studenten können sich ein zusätzliches Semester erlauben. Franziska Hawranek engagiert sich in der Studienberatung ihrer Fachschaft und merkt immer wieder, dass Kommilitonen kurz vor dem Abschluss straucheln, weil sie neben der Bachelorarbeit jobben wollen. Einige stehen unter großem Druck, die Regelstudienzeit einzuhalten, denn nach ihr richtet sich das Bafög.
Auch in Wohnheimen sind die günstigen Zimmer gelegentlich an die Studiendauer geknüpft. Einige greifen deshalb zu unlauteren Methoden: Sie suchen Ghostwriter, die ihre Arbeit für sie übernehmen. Immer wieder muss Kai Stapelfeldt Anfragen von Studenten ausschlagen, die Studi-Coach für eine solche Autorenagentur halten. Die Verwechslungen ärgern ihn, denn der Verein will den Studenten helfen, ihre Arbeit aus eigener Kraft zu schreiben.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Amy Winehouse in der Abschlussprüfung "Herzzerreißende Sache" 29.05.2008
- Faulheit und Prokrastination Panische Angst vor dem Misserfolg 26.05.2009
- Studienabbrecher Der große Absprung 03.04.2009
- Studienabbrecher Vermatrikuliert? 26.02.2008
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Bologna-Konferenz Randale während der "Schavan-Show" 17.05.2010
- Schulmanagement Ein Assessment-Center für Schulleiter 17.05.2010
(SZ vom 26.10.2009/holz)
65. Filmfestspiele Cannes
"...musste sie empirische Daten auswerten und Korrelationen suchen. Hawranek hatte aber nur theoretisch gelernt, mit dem Statistikprogramm umzugehen, ausprobiert hatte sie es nie."
Und das ist einen Volkswirtin kurz vor dem Abschluss? Musste offenbar nie in 6 Semestern auch nur einmal eine Regression oder Korrelation mit einem Datensatz machen? Interessant. Und natuerlich ist das Erasmus-Semester in Spanien an allem schuld - ist auch wichtiger als die Abschlussarbeit.
Und der Ingenieur, der braucht jemanden der ihm bei der Literatursuche die Hand haelt.
Diese Leute sind Akademiker kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben (falls sie einen Job finden). Erschreckend...
warum die meisten dieser Berichte immer nur auf Studenten (Universitäten) abzielen. Auch auf dem 2ten Bildungsweg zum geprüften Betriebswirt IHK oder geprüften technischen Betriebswirt IHK bist du gezwungen eine Projektarbeit anzufertigen. Der Umfang liegt bei rein 30 Seiten Text (ohne Anhänge) und einer Bearbeitungszeit von ca. 4 Wochen! Hier gibt es keine Möglichkeit Fristen zu Verlängern oder eine Betreuung durch den Prof deines Vertrauens. Auch deine Klassenkameraden können dir nicht helfen, schließlich haben alle ein eigenes Thema und haben einen Job.
Abschlussarbeiten sind genauso eigenverantwortlich zu behandeln wie das Studium von Sekundärliteratur zum absolvieren von anderen Abschlussprüfungen. Finde es wirklich beachtenswert daß es auch dafür nun schon Coaches gibt die mit einem noch auf die Suche von Literatur gehen. Ich für meinen Teil hab alles allein erledigt.
Also, ich war einer der ersten, die schon einen PC als Student hatte. Als es auf die Examensarbeit zuging, ahnte ich, dass es mit dem PC nicht gut gehen wird. Ich habe daher meine Examensarbeit auf der guten alten IMB Kugelkopfschreibmaschine geschrieben. Einen "leeren" Bildschirm habe ich mir damit erspart. Ich musste meine Zulassungsarbeit dennoch verlängern lassen. Ich hatte vorsichtshalben mir einen Weisheitszahn 14 Tage vor der Examensarbeit ziehen lassen, damit ich vor dem Zahn die Ruhe habe. Die Ruhe hatte ich dann vor dem Zahn, aber nicht von dem Loch, das der Zahn hinterlassen hat. Während der Zulassungsarbeit war ich dann in 14 Tagen achtmal wegen Zahnschmerzen beim Zahnarzt. Ich habe die Verlängerung beantragt. Der Prüfungsvorsitzende hat darüber nur getobt. Ich hätte die Arbei am Ostermontag abgeben müssen und habe gefragt, ob er an diesem Tag da sei... Ich bekam sogar zwei Tage länger Zeit für meine Arbeit. Künftigen Examenskandidaten wurde aber eingeschärft bei Attesten darauf zu achten, dass der "Abgabetermin" weder auf ein Wochenende noch auf ein "Feiertag" fällt.... Ja, ja, irgendwie war das alles ganz lustig. Beim zweiten Examen habe ich alle Tücken des Computers auskosten können. Während ich meine DIsketten gesichert habe, wurde vor dem Haus ein Rüttler eingeschaltet. Meine Daten, aber auch mein Programm waren danach komplett weg. Ich musste ein Seminar abbrechen, musste früher nach Hause fahren und durfte meine Seminararbeit ein zweites Mal schreiben. Mit freundlichen Grüßen an den "lieben PC".