Der Wiener Georg Schneider hat mit erst 27 Jahren zwei Doktortitel und einen eigenen BWL-Lehrstuhl. Seine Studenten sind oft älter als er.
Den konservativen Anzug und die Krawatte trägt er nicht, um eleganter zu wirken. Den edlen Zwirn trägt er, damit er älter wirkt. "Ich will vermeiden, dass man mich in Sitzungen von Hochschulgremien für den Vertreter der Studenten hält", sagt Georg Schneider. Genauer: Professor Dr. Dr. Georg Schneider, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Externes Rechnungswesen, an der Universität Paderborn. Ein Lehrstuhl mit immerhin drei wissenschaftlichen Mitarbeitern, drei studentischen Hilfskräften und einer Sekretärin. Die Sekretärin ist genau doppelt so alt wie der Herr Professor; sie ist 54, er 27.
Georg Schneider: Die Studenten des Professors sind oft älter als er. (© Foto: oH)
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Damit ist Schneider einer der jüngsten auf Lebenszeit berufenen Universitäts-Professoren Deutschlands - wenn nicht sogar der jüngste. Als Forschungsgebiet nennt er die Bilanzierung riskanter Investitionen und die sogenannte Agententheorie. Hier geht es unter anderem darum, wie Vergütungssysteme sicherstellen, dass Manager zum Wohle der Firmenbesitzer handeln und nicht lieber eigennützige Pläne verfolgen. Im vergangenen Sommersemester hatte Schneider bereits eine Vertretungsstelle an dem Lehrstuhl übernommen, im Oktober wurde daraus ein dauerhaftes Engagement.
Rasante Karriere mit Taktik
Der Wiener ist eben etwas schneller: Innerhalb von drei Jahren absolvierte er ein Mathematikstudium in seiner Heimatstadt, im Jahr darauf erlangte Schneider seine Promotion in dem Fach - im Alter von 22. "Ich habe schon gemerkt, dass mir viele Dinge wesentlich leichter fallen als meinen Mitstudenten", sagt der Überflieger, der in seiner Freizeit gerne die Oper besucht und Badminton spielt. Doch Mathematik reichte ihm nicht: "Da ist man bald in Gebieten, die kaum jemand versteht und wichtig findet. Ich will aber etwas machen, das die Welt bewegt." Darum wechselte er als Assistent an das Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien, war zwischenzeitlich Gastdozent an der amerikanischen Elitehochschule Stanford und bekam 2005 den zweiten Doktortitel verliehen, diesmal in Wirtschaftswissenschaften. Bei beiden Promotionen ehrte ihn Österreich mit der höchstmöglichen Auszeichnung für Studienleistungen.
Er blieb an dem Institut in Wien, bis ihn der Ruf aus Westfalen ereilte. Dort wurde Schneider direkt Professor, ohne Habilitation, also ohne vorher ein weiteres großes Buch nach den Doktorarbeiten zu verfassen. In Deutschland erhalten die meisten Nachwuchswissenschaftler ihre Lebenszeit-Anstellung erst nach diesem Werk - oder nach einer befristeten Tätigkeit als Junior-Professor. Deswegen hat der Österreicher gut zehn Jahre früher als der Großteil der anderen Forscher einen eigenen Lehrstuhl.
Die rasante Karriere liege jedoch nicht nur an seinem wissenschaftlichen Können, meint er: "Mit Talent allein erreicht man nicht viel. Man muss auch die richtige Taktik verfolgen." Dazu gehörte jetzt offenbar, ins beschauliche Paderborn zu ziehen statt an eine angesehene amerikanische Hochschule. Schneiders Begründung: "Das deutsche Universitätssystem wird oft kritisiert. Aber wenn man früh einen eigenen Lehrstuhl bekommt, ist es super." Er habe dadurch sehr viele Freiheiten. Außerdem sei er ja eher introvertiert: "Und das passt gut zur westfälischen Mentalität."
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(SZ vom 27.2.2008/bön)
Vor kurzem regte sich ein Streiflicht-Autor darüber auf, dass im Mathe-Abitur Elftklassstoff abgefragt wurde. Jetzt stellt ein anderer Journalist fest, dass "... Studenten ... oft jünger [sind ] als [der Professor]."
Also können wir schließen: Bei der SZ ist nicht mal Mathe-Erstklasswissen gefragt.
Mich wundert nix mehr. Schade um die Zeitung.
dass die Studenten von Herrn Schneider öft jünger sind als er - so was hab ich ja noch nie gehört......