Die Technische Universität Darmstadt sucht seit Monaten nach einem neuen Präsidenten.
Stellenanzeigen können ziemlich abschreckend wirken, werden darin doch zuweilen Dinge verlangt, die kaum in einen einzigen Lebenslauf zu passen scheinen. Im Fall der Technischen Universität Darmstadt verhält es sich derzeit eher umgekehrt. Dort haben sie die Stelle des Präsidenten vor ein paar Tagen wieder in einer großen Wochenzeitung inseriert, doch eine derzeit dringend benötigte Qualifikation fehlte in der Beschreibung: starke Nerven.
Thomas Weiland, zurzeit einziger Kandidat für die Wahl eines neuen Präsidenten der TU Darmstadt, sitzt bei den Mitgliedern der Universitätsversammlung - die verweigerte ihm am Mittwoch die Zustimmung. (© Foto: dpa)
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Die Stelle ist vakant, seit TU-Präsident Johann-Dietrich Wörner Anfang März als Vorstandsvorsitzender zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wechselte. Seinen Weggang hatte er bereits im November und damit rechtzeitig angekündigt. Dennoch hat sich die Suche nach einem Nachfolger inzwischen zu einem hochschulinternen Hickhack entwickelt - ausgerechnet an der TU, die Anfang 2005 per Gesetz ein bis dato einmaliges Maß an Selbständigkeit eingeräumt bekam und seither als eine Art Autonomie-Leuchtturm unter den deutschen Hochschulen gilt.
Nachdem die Stelle ausgeschrieben war, hatte es zunächst zahlreiche interne wie externe Bewerber gegeben. Nach den Anhörungen des Hochschulrats, ein je zur Hälfte durch das hessische Wissenschaftsministerium und die Hochschule besetztes Kontrollgremium, blieben drei Kandidaten übrig: Lothar Thiele, Professor für technische Informatik an der ETH Zürich, Wolfgang von der Linden, Vizerektor der Universität Graz, sowie der Prodekan der Darmstädter Elektro- und Informationstechnik, Thomas Weiland. Nachdem Thiele abgesprungen war, vertagte die Universitätsversammlung Mitte April die Wahl und verlangte eine Nachnominierung: Zwei Kandidaten seien zu wenig. Mitte Mai machte dann auch von der Linden einen Rückzieher. Übrig blieb Prodekan Weiland, er stellte sich der Universitätsversammlung zur Abstimmung. Vier Wahlgänge gab es, in keinem reichte es zur Mehrheit.
Inzwischen gibt es deutliche Dissonanzen innerhalb der TU. Die Universitätsversammlung sieht ihre Forderung nach weiteren Kandidaten ignoriert, und der AStA forderte nach dem Wahldebakel gar den Rücktritt des Hochschulrates. Die Studentenvertreter beklagten ein Demokratiedefizit: Der Rat übergehe die durch Wahlen legitimierten Gremien.
Die Frist für neue Bewerber endet nun am 15. Juni. Noch im Juli will die Universitätsversammlung einen neuen Präsidenten wählen, was TU-Sprecher Jörg Feuck einen "ehrgeizigen Zeitplan" nennt. Der sei allerdings "nicht in Stein gemeißelt" - soll heißen: Auch wenn die Zeit allmählich drängt, soll nicht um jeden Preis noch im Sommer ein Nachfolger für Wörner präsentiert werden. Es gehe schließlich um "Qualität und nicht um Zeit", sagt Feuck: "Da darf es bei allen Verwerfungen nicht mit heißem Herzen zugehen. Da muss die pure Vernunft walten."
(SZ vom 4.6.2007)
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An der Uni Mainz gab es auch ein ewiges Hin-und-Her bis ein neuer Präsident gefunden werden konnte.