Die 40-Stunden-Woche ist für Arbeitnehmer quer durch Europa eine Selbstverständlichkeit. Doch wie viel müssen eigentlich Studenten für ihr Diplom leisten?
Unter den Studenten in Europa legen die Briten nach einer neuen Studie den geringsten Arbeitseifer an den Tag: Britische Studenten arbeiten demnach mit wöchentlich durchschnittlich 26 Stunden weit weniger als ihre deutschen oder französischen Kommilitonen.
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Laut der am Dienstag veröffentlichten Studie des Higher Education Policy Institute (Hepi) büffeln deutsche und französische Studenten durchschnittlich 34 bis 35 Wochenstunden, die Portugiesen sogar mehr als 40.
In Großbritannien unterscheide sich das Pensum je nach Fach, heißt es in der Studie. Während angehende Mediziner mehr als 20 Wochenstunden Unterricht hätten, säßen Historiker oder Philosophen weniger als zehn Stunden im Hörsaal. Es gebe berechtigte Gründe zu fragen, ob die britischen Abschlüsse von gleichem Wert seien wie die anderer Länder.
Die Ergebnisse der Studie könnten möglicherweise sogar ausländische Studenten bewegen, auf ein Studium in Großbritannien zu verzichten, warnte das Institut. Diese sind für die britischen Universitäten eine wichtige Einnahmequelle, da sie höhere Studiengebühren bezahlen.
Ein Sprecher des Hochschulverbands Universities UK rief dazu auf, aus der Studie keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Die Arbeitszeit von Studenten sage noch nichts über die Qualität des Abschlusses aus.
(AFP)
- Umfrage Wie Studenten leben 19.06.2007
- Lehrer Faul? Von wegen! 11.06.2007
Debatte über Urheberrecht
Es ist ganz irreführend die Stunden im Hörsaal als ein Beweis für wie fleissig die Studenten sind, zu nehmen. Es hängt vom Fach und von der Universität ab, wie wichtig sie sind. Ich habe vor fast 40 Jahren Geschichte an der Uni Oxford studiert. Jede Woche haben wir 2 langen Aufsätze schreiben müssen und als Vorbereitungen dafür vielleicht je Aufsatz 5 bis 10 Bücher lesen müssen. Die Uni Vorleseungen waren nicht in Zusammenhang mit unseren Semester Arbeitsthemen abgestimmt - Jeder Prof hat Vorträge über seine Lieblingsthemen gehalten. Deswegen hat unsere "Tutors" uns empfohlen nur wenige Vorlesungen zu besuchen - zur Abwechslung und um ab und zu die ganz Grossen ihrer Faches zu erleben - , sonst hätten wir zu wenig Zeit für unsere eigentliche Arbeit! Für die Studenten der Naturwissenschaften war es natürlich völlig anders. Ich weiss nicht wie es heutezutage in Oxford und anderen britischen unis ist, aber ich habe vor ein paar Jahre eine Studentin an der Uni Innsbruck mit eine These auf Englisch für ein Uni Abschluß ein bisschen geholfen -wegen der Sprache. Ich habe aber bemerkt, daß das Niveau des Inhaltes kaum über das von eine A- level Aufsatz in England der 60iger Jahren lag. Damals an eliten Unis in GB waren die Studenten aufgefordet selbst ihre Arbeit anzugehen und ihre analytische Fähigkeiten und eigene Ideen zu entwickeln. Ob es immer noch der Fall ist, weiss ich nicht - vielleicht wäre es zu unbequem für ein Land das heutzutage nur flexible (d.h. gehorsame) Arbeitstiere haben will.
Wenn man schon einseitig die Hörsaal-Stunden betrachtet (enthielt die Studie wirklich nicht mehr?), dann sollte man wenigstens nicht so dumm und dreist sein und dazu auch noch eine Einschätzung über Faulheit und Qualität des Abschlusses abgeben. Noch dazu als reißerische überschrift.
Um sich eine fundierte Meinung bilden zu können, fehlt ua:
- Einschätzung der Lernzeit außerhalb des Hörsaals
- Aufwand um finanziell überleben zu können (=Nebenjobs)
- Abschätzung der Qualität der Lehrveranstaltungen
- Abschätzen der Abschlußleistungen im Vergleich mit anderen Ländern
...
Aber Reizworte wie "Studenten" und "faul" gleich in die überschrift zu nehmen, kommt natürlich gut an, in gewissen Kreisen. Auch eine Frechheit: "sind am faulsten", also mit anderen Worten: die anderen sind keinesfalls fleissig, lediglich etwas weniger faul.
MfG
AKu
Ein Jäger schießt auf eine Ente. Der erste Schuss verfehlt sie zweifingerbreit links, der zweite Schuss zweifingerbreit rechts. Statistisch gesehen ist die Ente tot.
Moechte mich der allgemeinen Kommentarrichtung anschliessen. Die Wochenstundenzahl im Hoersaal hat keine Relevanz zu Arbeitsaufwand. Dieser ist fachabhaengig.
Und selbst wenn britische Studenten mit Blick auf Hoersaalstunden (oder Studium) die 'faulsten' in Europa WAEREN, dann wuerde sich diese vermeintliche relative Faulheit nach dem Studium schnell ausgleichen: britische Studenten haben meistens nach 3 (Bachelor) oder 4 (Masters) Jahren ihr Studium beendet und befinden sich somit zum Grossteil ab dem Alter von 21 bis 23 Jahren im Arbeitsleben (*). (Tiefgang und theoretische Fachkompetenz nach 3-4 Jahren Studium gehoert in eine andere Diskussion). Und das heisst in Grossbritannien fuer die meisten Anstellungen weniger Urlaub und weniger Feiertage als in den meisten anderen europaeischen Laendern.
(*) viele reisen zwar in ihren Zwanzigern noch 1-2 Jahre um die Welt, aber auch das heisst fuer die meisten waehrend dieser Zeit unterwegs arbeiten und wird von den meisten Arbeitgebern als positive und persoenlichkeitsfoerdernde Auszeit auf dem Lebenslauf betrachtet. Ich schaetze, dass ein durchschnittlicher 30jaehriger studierter Brite ungefaehr 7-8 Jahre Arbeitserfahrung in Vollbeschaeftigung nachweisen kann. Wieviel Jahre sind das bei einem durchschnittlichen deutschen, franzoesischen oder italienischen 30jaehrigen Studierten?
Kann mich 'International Pony' nur anschliessen. In meinem Bsc (Biochemie) an einer englischen Uni hatte ich oft nur 2 Stunden Unttericht am Tag. In den zwei Stunden bekamen wir aber ungefaehr 15 Publikationen zum Lesen, und ich verbrachte den ganzen restlichen Tag und das Wochenende in der Bibliothek. Uns wurde im dritten Jahr des Bsc gesagt, wer nicht die Publikationen (alles Primaerliteratur) liest, kann nichts besseres als eine 3 bekommen.
Ich habe den Msc dann in Deutschland gemacht und war geschockt, dass er nochmal von Null anfing und sich allerhoechstens auf das Niveau meines zweiten Bsc Jahres steigerte.
Der beste Satz von einem meiner Professoren in dem Msc Programm war, dass wir noch nicht reif fuer Primaerliteratur waeren.
Aber das ist auch alles eine Frage des Studienganges und der Universitaet. Ich habe auch von Architektur Studenten in GB gehoert, die wochenlang fast nichts zu tun hatten.
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