Im Elite-Wettbewerb hofft Freiburg auf einen Spitzenplatz - mit dem Gewinn will die Uni ihre Wissenschaftler entlasten.
Bevor die Entscheidung fällt, wer sich mit dem Elite-Etikett schmücken darf, hat die Universität Freiburg schon gezeigt, was sie nicht kann: verlieren. Als der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft kürzlich Braunschweig statt Freiburg zur "Stadt der Wissenschaft" kürte, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne): "Gewinnen sollten nicht die Besten, sondern die Bedürftigsten." Uni-Rektor Wolfgang Jäger assistierte: "Wir haben den Preis nicht bekommen, weil wir schon so gut sind." Beide hoffen, im Finale des Uni-Wettbewerbs werde nun gerade dies für Freiburg sprechen.
Der Rektor der Universität Freiburg, Wolfgang Jäger neben den Statuen der zwei griechischen Weisen, Homer (l) und Aristoteles (r) vor dem Eingang des Kollegiengebäudes 1 der Universität Freiburg. (© Foto: dpa)
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Die Stadt am Rande des Schwarzwaldes ist von Wissenschaft geprägt. Neun Nobelpreisträger hat die Universität hervorgebracht, zuletzt 1984 Georges Köhler für seine Theorie über den Aufbau des Immunsystems. Im Umfeld der Uni entstanden fünf Fraunhofer- und zwei Max-Planck-Institute sowie das Kiepenheuer-Institut für Solarphysik. Die 549 Jahre alte Hochschule arbeitet seit Monaten daran, die Gutachter von ihrer Klasse zu überzeugen.
Im Oktober entscheidet sich, welche Unis "Elite" werden und rund 25 Millionen Euro im Jahr zusätzlich bekommen. Für die Uni Freiburg mit einem Jahresetat von 197 Millionen Euro (ohne Klinik) wäre das viel Geld, noch wertvoller wäre dem Rektor der Imagegewinn. Und so schrieb in Freiburg noch über Ostern eine eigens eingerichtete Stabsstelle am Elite-Antrag.
Hat sie Erfolg, möchte die Universität endgültig zum Forscherparadies werden. Der Rektor verspricht "statt eines Alltages mit Hindernissen, ausgefüllt mit Anträgen für Drittmittel, Kommissionsarbeit und Verwaltung, Freiräume für exzellente Forschung". Geplant sind Forschungskollegs in fünf Feldern von den Literatur- bis zu den Lebenswissenschaften. Prorektor Gerhard Schneider rechnet, das Geld ermögliche je Bereich bis zu 15 Stellen für Top-Forscher. Ihnen soll neben der Bürokratie auch die Lehre größtenteils erspart bleiben, was den Einkauf von Ersatzdozenten nötig macht. Keine "Feld-Wald-und-Wiesen-Dozenten", wie Schneider betont, sondern ebenfalls teure Experten.
Baden-Württemberg kassiert ab 2007 Gebühren für das Studium. "Da möchten die Studenten, dass sie wahrgenommen werden und nicht nur ein Durchlaufposten sind." Schneider ist überzeugt, ein Erfolg im Exzellenz-Wettbewerb steigere auch das Niveau im Hörsaal. "Die Elite-Universitäten können sich die besseren Studenten heraussuchen - da steht der Nachwuchs für die Forschung vor der Tür." Zweitklassigkeit sollen Freiburger Studenten höchstens beim örtlichen Fußballclub erleben, der im vergangenen Winter allen Erstsemestern eine Freikarte für die zweite Liga schenkte.
Um die Anfänger kümmert sich die Universität auch sonst intensiv. 3000 Menschen kommen, wenn der Rektor zum Semesterstart auch Eltern zum Kaffee einlädt. In einem 2004 eröffneten "Uniseum" feiert sich die Hochschule, die 1457 mit Theologie, Jura, Medizin und Philosophie gestartet war. 1994 hatte sie zuletzt eine neue Fakultät gegründet: für Angewandte Wissenschaften mit Informatik und Mikrosystemtechnik. Sie hebt die Lebenswissenschaften hervor, bekennt sich aber auch zu kleinen Geisteswissenschaften. Die Chance auf die Elite-Millionen habe das interdisziplinäre Arbeiten gefördert, sagt Schneider.
Heute hat die Universität 22.000 Studenten und 6000 Beschäftigte. Angst vor Konkurrenz im eigenen Bundesland haben die Freiburger nicht. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat den Rektoren versichert, das Land finanziere alle Exzellenz-Erfolge mit. Neben Freiburg und Heidelberg sind Karlsruhe und Tübingen in der Endrunde. Der selbstbewusste Südwesten fürchtet allenfalls ein Proporz zwischen den Bundesländern. Gut verlieren könne diesmal keiner, ahnt Prorektor Schneider: "Wer da nicht zum Zuge kommt, wird heulen und mit den Zähnen klappern."
(SZ vom 8.5.2006)
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