Stets bleibt bei diesen Berechnungen ein "unerklärter Rest", der nicht durch objektive Faktoren erklärt werden kann - außer durch das Geschlecht. "Diskriminierung" lautet das Urteil dann, wobei dieser Vorwurf sich meist an die Unternehmen richtet: Sie würden Frauen ohne gerechtfertigten Grund schlechter bezahlen und müssten diese Praxis korrigieren.
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Die neuen Ergebnisse, die am heutigen Dienstag veröffentlicht werden, ermöglichen einen veränderten Blick auf die Einkommenskluft. In einer radikalen Deutung - vor der die Autoren allerdings warnen - könnte man die Verantwortung für Gehaltsunterschiede nun den Frauen zuschieben: "Selber schuld, wenn sie mit so wenig Gehalt zufrieden sind", würde dieses Argument lauten. Jürgen Schupp vom DIW hält dieser radikalen These entgegen, dass die Einkommenskluft nicht durch individuelle Anstrengungen verringert werden kann: "Nötig wäre eine größere Transparenz bei den Gehältern, damit die rein geschlechtsspezifischen Unterschiede stärker sichtbar werden", sagt er.
Die neuen Ergebnisse machen es gleichwohl schwierig, die Schuld für Einkommensunterschiede alleine den Unternehmen zuzuschreiben: Firmen sind am Entstehen niedriger Frauengehälter zwar stark beteiligt, was sich auch in ihrem Zögern zeigt, die Gehaltsunterschiede von sich aus zu verringern oder Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Beteiligt sind freilich auch Frauen, die sich mit weniger zufriedengeben als Männer. Der Eindruck, dass die Arbeit von Frauen weniger wert ist als die von Männern, ist offenbar in der gesamten deutschen Gesellschaft verbreitet: bei Männern und Frauen, bei Angestellten und Chefs.
Ein Befund der Forscher deutet darauf hin, dass das Thema trotz der neuen Ergebnisse ein Politikum bleibt: Die überwiegende Mehrheit der Befragten war der Meinung, dass das Geschlecht eines Menschen die Höhe seines Einkommens nicht beeinflussen sollte. Den wenigsten Befragten war dabei wohl bewusst, dass ihre abstrakten Prinzipien den eigenen konkreten Urteilen über niedrige Frauengehälter widersprachen.
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(SZ vom 06.07.2010/holz)
Hallo,
ich habe dazu folgenden Link inklusive Kontaktdaten gefunden:
http://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/uniaktuell/entry/mit_zweierlei_maß_gemessen_geringere
Mit freundlichem Gruß
Ich bin die vereinfachte und auf knackige Überschriften reduzierte Wiedergabe von Studien in den Medien so leid! Und was mich noch mehr aufregt ist, dass selbst angesehene Zeitungen sich fröhlich an der Meinungsmache beteiligen . Als ich den Artikel gelesen habe, ging mir durch den Kopf: Ich könnte wetten, dass die Kernaussage der Studie eine andere ist als die , die hier dargestellt wird. Wie schön, dass der Kommentar von trosia diesen Eindruck bestätigt.
Ich habe mich schon mehrfach über die äußerst einseitige und teilweise sogar polemische Berichterstattung der Süddeutschen zum Thema Geschlechter geärgert, und das, wo ich die Zeitung doch normalerweise sehr schätze. Warum werden eigentlich nicht Studien zitiert, die die erfolgreichen Frauen untersuchen? Die die Erfolgsfaktoren weiblicher Führung beleuchten und Best Practice Beispiele abgeben, um anderen Frauen Orientierung zu bieten? Die den Fokus darauf legen, wie man das mit der Bezahlung zum Beispiel besser machen kann? Ohne dabei ständig halbwahre und halbgare Erklärungsversuche bemühen zu müssen, die letztlich den Untersuchungsgegenstand - Ungleichbehandlung von Männern und Frauen - genau dadurch wieder und wieder FESTstellen? Und warum werden die Kommentare bei solchen Themen so schnell so unsachlich, abwertend und despektierlich? Ist es wirklich sooo schlimm, sich mit solchen Themen zu beschäftigen?
Und noch ein Kommentar zu Ihrer Bilderstrecke auf dieser Seite: Sie ist - gelinde gesagt - eine Frechheit. 11 mal die Überschrift "Geschwätzige Zicken", damit wir auch ja nicht vergessen, was uns allen droht, wenn wir Frauen tatsächlich in die Jobs oder - noch schlimmer - in die Chefetagen lassen. Dazu Fotos, die jedes Klischee auf die Spitze treiben. Dumm nur, dass sich solche Bilder viel schneller verarbeiten und besser speichern lassen als irgendwelche eventuell gut gemeinte (nicht gute!) Ratschläge am Ende des Textes. Und die Untertexte sind mindestens genau so schlimm: Keine Ahnung, ob Sie den Autor da richtig zitiert haben: Mir juckt es in den Figern, zu jedem Untertext einen wirklich bösen Kommentar zu verfassen. Schade eigentlich, dass man Ihre Texte zu den Bilderstrecken nicht kommentieren kann. Mir ist wirklich schlecht geworden, als ich mir das angeschaut habe. Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie mit solchen Bildern diese Klischees auf wirklich niveaulose Art und Weise weiter zementieren???
Lieber Herr Berth,
sind Sie so gut und nennen uns die genaue Quelle Ihres Artikels? Also eine Pressemitteilung, einen wissenschaftlichen Bericht oder auch das entsprechende Journal. Ich suche mich nämlich dumm und dämlich und finde nichts Aktuelles. Wenn Sie also die Quelle nennen und am besten auch noch verlinken könnten, wäre das ganz fantastisch.
Wieso ist das Verlinken bzw. die genaue Quellenangabe bei wissenschaftlichen Arbeiten denn immer noch nicht Standard in deutschen Medien?
Vielen Dank und beste Grüße,
SEW
Die Süddeutsche Zeitung behauptet unter Berufung auf Studien des DIW Berlin, der Universität Bielefeld und der Universität Konstanz, Frauen würden meinen, dass ihnen "gerechterweise ein geringeres Bruttoeinkommen zusteht als Männern" (Überschrift: "Froh zu sein bedarf es wenig" vom 6.7.2010, siehe unten).
Dieses vermeintliche Zitat gibt es in der vom DIW Berlin in seinem Wochenbericht veröffentlichten Studie genauso wenig wie in der Pressemitteilung der Uni Bielefeld. Und in der Studie wird das auch nicht behauptet.
Tatsächlich weisen die Ergebnisse der angeführten Studie auf die Folgen von Geschlechterstereotypen und der Intransparenz bei der Entlohnung hin.
Mit einem Gerechtigkeitsempfinden von Frauen im Hinblick auf den Gender Pay Gap - also den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern - hat dies NICHTS zu tun.
Ich kann es kaum glauben, dass immer wieder bei solchen Gelegenheiten ein kleinlicher Streit losgeht, wer "schuld" ist. Natürlich tragen wir alle dazu bei, dass die Geschlechterverhältnisse so sind, wie sie sind. Es geht darum, die eigene Verantwortung zu erkennen und wahrzunehmen. Natürlich haben Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit das gleiche Geld bekommen. Und natürlich gilt es für uns alle, unsere Geschlechterrollenbilder zu reflektieren. Dazu gehört eben auch die Frage, ob wir denn wirklich so viel oder wenig verdienen... Ist es eigentlich für die Männer immer so toll, hohe Gehaltserwartungen zu formulieren und damit entsprechend unerfüllbare Erwartungen an die eigene Leistung zu wecken?
Paging