Unfaire Kollegen Das war doch meine Idee!

Symbolbild

(Foto: imago/Westend61)

Wenn Leistungsdruck aus Kollegen Kontrahenten macht, greifen manche zu unlauteren Mitteln. Besonders fies ist der Ideenklau. Wie Sie sich dagegen wehren.

Von Larissa Holzki

Den Bildschirm im Büro zu sperren, wäre Simon nicht in den Sinn gekommen. Und wer schließt schon seine Notizen in die Schreibtischschublade ein, bevor er aufs Klo geht? Doch seit Kurzem denkt Simon, der sich nicht unter seinem richtigen Namen über Kollegen beschweren will, darüber nach: Wer kluge Gedanken hat und sie gut verkaufen kann, macht in seinem Beruf Karriere. Besonders Berufseinsteiger wie er müssen sich profilieren. Da schielt jeder ein bisschen darauf, was die anderen tun.

Als Simon aber das erste Mal erlebte, wie ein Büronachbar im Meeting dem Chef Überlegungen erläuterte, die er - Simon - Tage zuvor auf ein paar Zettel gekritzelt und offen liegen gelassen hatte, konnte er es trotzdem kaum fassen: Ein Kollege klaut Ideen und präsentiert sie als seine eigenen.

Heul doch!

Tränen im Büro sind für Frauen ein Karrierekiller - aber ein Wutausbruch vom Chef ist okay? Wie es die Laufbahn beeinflusst, wenn Menschen Gefühle zeigen. Von Kathleen Hildebrand mehr ...

Berater, Werbeleute, Entwickler und viele andere Berufsgruppen leben buchstäblich von ihren Einfällen. Ideenklau kommt allerdings quer durch alle Branchen vor, beim Autokonzern wie in der Verwaltung, in Redaktionen wie in der Wissenschaft. Da sagt etwa ein Steuerberater in der Kaffeeküche einer Großkanzlei, man könnte doch mal ein Mandanten-Event organisieren, um die Klienten zu binden - und der andere klappert nur mit dem Löffel in der Tasse herum. Aber bei der nächsten Gelegenheit schlägt er dem Vorgesetzten geradezu enthusiastisch eben solch eine Veranstaltung vor, ohne den Ideengeber auch nur zu erwähnen. Cornelia Topf fallen viele solcher Beispiele ein. Die Ökonomin arbeitet als Mediatorin mit vielen Unternehmen zusammen und sagt: "Ideenklau ist überall auffindbar."

Eine wettbewerbsorientierte Firmenkultur fördere dieses unmoralische Verhalten noch, sagt der Organisationspsychologe Alexander Zill von der Technischen Universität Chemnitz. "Wenn es eine Rangfolge gibt, die zeigt, wer in der Arbeitsgruppe die höchste Leistung erbringt, und von der die Vergütung abhängig gemacht wird, dann kann das anspornen, aber auch dazu führen, dass Mitarbeiter zu unfairen Mitteln greifen." Weil Unternehmen sich heute schnell verändern müssten, würden Ideen immer wichtiger und unter Umständen auch entsprechend honoriert.

Ideen wegzuschließen, ist keine Lösung

Wenn das dazu führt, dass Kollegen nicht mehr offen miteinander reden und Ideen in der Schublade verstecken, bis sie ein Konzept dazu ausgearbeitet haben, profitiert allerdings niemand davon. Das lässt sich am Dahinsiechen des betrieblichen Vorschlagswesens in vielen Konzernen beobachten. Das ist genauso umständlich, wie der Begriff vermuten lässt: Ein System, in das Mitarbeiter ausformulierte Vorschläge einspeisen, damit diese von einem Verbesserungsgremium besehen, bewertet und schließlich - oft nach Monaten, so dass der Ideengeber sein Konzept schon fast vergessen hat - entweder abgelehnt oder an die Chefs weitergeleitet werden. Das Gremium kann bestenfalls Ja sagen und eine Belohnung ausschütten. Dabei wäre die beste Antwort auf eine Idee eigentlich: Nicht so, aber anders.

Die besten Ideen hat selten ein Mensch allein. Und sie entstehen oft erst dann, wenn schlechtere Ideen verworfen werden, haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Sie hatten untersucht, was erfolgreiche Unternehmen im Silicon Valley ausmacht. Das Ergebnis: Start-ups, die mehrfach ihr Produkt oder Geschäftsmodell geändert haben, setzen sich eher durch als solche, die sich an ihre Gründungsidee klammern. Gründer bekommen vor allem von Investoren und Kunden Feedback, ob ihre Idee etwas taugt. Für den Mitarbeiter im Büro gibt es keinen kritischeren Prüfer als den Kollegen, der die Firma, deren Mitarbeiter, Kunden und Produkte ebenso gut kennt wie er.