Sprungbrett oder Sackgasse? Dass Absolventen nach dem Studium unbezahlte Praktika absolvieren, ist beinahe schon normal. Sinnvoll ist es nur manchmal.

Kaffee kochen für den Chef oder schuften bis zum Umfallen für lau - ein Praktikum kann frustrierend sein - besonders für Absolventen, die bereits einen Uni-Abschluss in der Tasche haben. Ganz unten auf der Berufsleiter ins Berufsleben einzusteigen ist für viele eine Notlösung. Finden sie auf andere Weise keinen regulären Job, ist ein Praktikum womöglich ein guter Türöffner. Werden sie aber als billige Aushilfskraft eingesetzt, verschwenden sie bloß ihre Zeit.

Praktikum nach Studium

Verschwendete Zeit oder Chance? Viele Absolventen treten auch nach dem Studium unbezahlte Praktika an. (© Foto: dpa)

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Traurig und ungerecht

"Ich kann die Enttäuschung nachvollziehen, wenn man gezwungen ist, nach dem Studium noch ein kostenloses Praktikum zu machen", sagt der Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin. "Aber so traurig und ungerecht es ist, wenn Firmen die Zwangslage von Jobsuchenden ausnutzen - es bleibt einem oft gar nichts anderes übrig."

Jessica Heyser vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht das anders. Sie empfiehlt Uni-Absolventen mehr Selbstbewusstsein gegenüber Arbeitgebern. "Ein Praktikum nach dem Studium sollte man nur machen, wenn man gar keinen anderen Ausweg weiß." Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung aus dem Jahr 2007 machen 37 Prozent der Absolventen nach dem Studium noch ein Praktikum. Vor allem in Kreativberufen ist ein langer Atem nötig, um den ersehnten Job zu bekommen. Das gilt für Kultureinrichtungen wie Museen, aber auch die Medien und die PR-Brache.

Euphorie hilft nur kurz gegen den Frust

Gerade kreative Köpfe sind oft hochmotiviert, wenn sie von der Uni kommen. Nach Jahren der Theorie wollen sie ihre Ideen endlich in der Praxis umsetzen - und akzeptieren dann schlechte Arbeitsbedingungen.

"Viele gieren regelrecht danach, endlich etwas machen zu können", sagt Achim Baum von der Fachhochschule Osnabrück. Der Professor für Public Relations und Journalismus unterstützt Studenten seit Jahren bei Fragen rund ums Praktikum.

Euphorie reicht nicht

Ist die erste Euphorie verflogen, kommt oft die Ernüchterung. Baum war es eines Tages leid, dass seine Studenten immer wieder von schlechten Praktikums-Bedingungen erzählten. 2004 rief er gemeinsam mit Studenten die Deklaration Praktikum ins Leben: Unternehmen einigten sich mit der Hochschule auf faire Bedingungen für Hospitanten. "Unsere Studenten wählen sehr sorgfältig aus. Und wenn sie sehen, dass ein Unternehmen nicht akzeptable Bedingungen bietet, dann nehmen sie ein Praktikum dort nicht an", erklärt der Professor.

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