Umstrittener Kongress in Marburg Wo ist Platz für Homosexuelle?

Übergriffe vermummter Jugendlicher

Auch der Präsident der Fachhochschule Frankfurt, Detlev Buchholz, hat Stadt und Universität aufgefordert, keine Räume für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Inzwischen distanzierte sich zudem die evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck von der Veranstaltung: "In unserer Kirche ist für Homosexuelle Platz, auch für homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer", sagte ihr Sprecher.

Der geplante Auftritt von Rednern aus Vonholdts Institut hatte bereits vor einem Jahr bei dem evangelikalen Jugendtreff "Christival" in Bremen für Aufregung und zuletzt für Übergriffe vermummter Jugendlicher gesorgt. Im Jahr 2007 wurde ein Auftritt Markus Hoffmanns bei einem Kongress der Universität Graz nach Protesten abgesagt.

Angriff auf die Freiheitsrechte

Davon ist man in Marburg weit entfernt. Ein Sprecher der Universität erklärte: "Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, die Veranstaltung abzusagen." Dabei kann die Universität auf eine Initiative mit dem Titel "Für Freiheit und Selbstbestimmung" setzen, die im Internet schon mehr als 400 Unterschriften gegen die Kritiker des Kongresses gesammelt hat. Diesen wirft sie einen Angriff auf "fundamentale Freiheitsrechte" vor.

Zu den Erstunterzeichnern zählen der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis und der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Auch die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge reagierte mit Unverständnis auf die Proteste. Der Vorsitzende, Martin Grabe, erklärte: "Wir möchten nicht, dass Leuten der Mund verboten wird." Daher habe man auch Referenten wie Vonholdt und Hoffmann eingeladen. "Unser Ziel ist es, divergierende Meinungen an einen Tisch zu bringen", sagte Grabe. Allein: Unter den 120 Rednern ist kein einziger Vertreter einer Homosexuellen-Organisation.