Umorientierung während der Promotion Traumjob mit dem falschen Studium

Nicht immer bereitet das Studium auf denTraumjob vor. Doch viele Studenten merken das erst nach vielen Semestern und ersten Erfahrungen in der Berufswelt - oder gar während der Promotion. Gibt es einen eleganten Weg, so spät noch zu wechseln?

Das Studium ist fast fertig - und doch war es irgendwie nicht das richtige. Gibt es elegante Wege, das eine durchzuziehen und trotzdem mit dem anderen glücklich zu werden?

SZ-Leserin Sonja P. fragt:

Ich beende demnächst meine Doktorarbeit in Philosophie, sehe meine Zukunft allerdings nicht in der Wissenschaft. Seit Jahren engagiere ich mich nebenbei in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung und würde am liebsten als klassische Sozialarbeiterin mit jungen Leuten arbeiten. Der Haken: Trotz meiner Praxiserfahrung bringe ich die formalen Voraussetzungen für Sozialarbeiterstellen nicht mit. Ein Bachelorstudium "Soziale Arbeit" erscheint mir zu aufwendig und zeitraubend, zumal ich von vielen Sozialpädagogen höre, das Entscheidende sei die praktische Erfahrung. Haben Sie einen Rat hinsichtlich einer sinnvollen Fortbildung, die mich meinem Traumjob näherbringt?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau P., Sie liegen vollkommen richtig mit Ihrer Einschätzung: Ein Bachelorstudium "Soziale Arbeit" bringt Sie Ihrem Traumberuf keinen Schritt näher. Abgesehen davon, dass das Berufseinstiegsstudium weit unter Ihrer bisher erreichten Qualifikation liegt - immerhin tragen Sie bald einen Doktortitel -, kostet es Sie einschließlich Praktika mindestens sieben Semester. Diese Zeit können Sie nutzbringender verwenden.

Wenn das entscheidende Auswahlkriterium für die Besetzung einer Sozialarbeiterstelle die Praxiserfahrung ist - und ich teile diese Auffassung absolut -, dann haben Sie doch schon einiges auf diesem Gebiet vorzuweisen. Wie viele Jahre arbeiten Sie schon nebenbei in der Jugend- und Erwachsenenbildung: zwei, drei, vier oder noch mehr Jahre? In dieser Zeit haben Sie bestimmt Kontakte zu Behörden, karitativen Einrichtungen, Ausbildungsbetrieben, Handwerks- und Handelskammern oder anderen Bildungseinrichtungen geknüpft, auch wenn es nur Einmalkontakte wie ein kurzes Telefongespräch waren. Listen Sie diese Stellen auf, einschließlich der Namen derer, die Sie dort kennengelernt haben, und suchen Sie die Kontaktadressen heraus. Recherchieren Sie am Telefon und im Internet, wohin jemand eventuell gewechselt ist.

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Dann schreiben Sie diesen Menschen einen Brief oder eine E-Mail (ein Brief lockt eher eine Antwort hervor!). Beziehen Sie sich einleitend auf das zurückliegende Telefonat oder Treffen oder Projekt oder die Betreuten und teilen Sie selbstbewusst mit, dass Sie bald Ihr Doktorandenstudium abgeschlossen haben werden und zum Termin X einen Berufseinstieg in die Sozialarbeit, Schwerpunkt Y, suchen. Erinnern Sie noch einmal an Ihre gute Zusammenarbeit in diesem und jenem Fall und versichern Sie am Ende, Sie seien für jeden Hinweis außerordentlich dankbar.

Sollte diese Aktion außer guten Wünschen für die Zukunft nichts bewirken, dann starten Sie Stufe zwei: Bewerben Sie sich unaufgefordert bei Einrichtungen, in denen Sie gern arbeiten würden. Und zwar bei allen, im In- und im Ausland.

Und glauben Sie nur nicht, dass Sie sich Blindbewerbungen im öffentlichen Bereich sparen könnten, nur weil Sie die formalen Bedingungen eines Bachelors oder Masters in Sozialer Arbeit nicht erfüllen. Angesichts leerer Haushaltskassen könnte mancher Schulleiter oder Obererzieher auf den klugen Gedanken kommen, Ihnen ein einjähriges Praktikum oder Volontariat als Vorbereitung auf eine spätere Anstellung anzubieten. Sie können in Ihrem Anschreiben ja leise darauf hindeuten.

Ihr Vermögen mehren Sie mit einem Praktikum zwar nicht. Doch diese Lehrzeit beschert Ihnen im Lebenslauf vorzeigbare Erfahrung und noch mehr Stallgeruch, als Sie bisher und nebenbei haben aufnehmen können.

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