Umgang mit Stress Kopf in den Sand macht krank

Jeder geht unterschiedlich mit Stress um. (Symbolbild)

Warum brillieren einige unter Druck - und andere brechen zusammen? Wie kann man Belastungen vorbeugen? Und was hilft, wenn der Kopf schwirrt? Was Sie über Stress wissen sollten und wie Sie am besten damit umgehen.

Von Johanna Bruckner

Pünktlich um acht Uhr sitzt er am Schreibtisch. Davor hat er schon sein tägliches Sportprogramm absolviert und die Kinder in die Kita gebracht. Aufgaben vom Chef erledigt er in Rekordzeit, kurzfristige Deadlines spornen ihn zusätzlich an. Nebenbei hilft er noch dem Kollegen aus, der mit seinem Projekt komplett überfordert ist. Nach Feierabend widmet er sich Familie und Haushalt und geht dann noch mal eben auf ein Bier mit Freunden. Stress? Kennt er - und liebt er.

Als "Losleger" werden in der Stress-Studie der Techniker Krankenkasse (TK) jene Menschen bezeichnet, die unter Belastungen nicht zusammenbrechen, sondern zu Hochform auflaufen. Etwa jeder fünfte Befragte (17 Prozent) gab an, dass ihn Stress ansporne. Ob jemand Stress genießt oder darunter leidet, ist nicht nur eine Frage der Persönlichkeit, sondern auch des Alters und des Geschlechts. Jüngere sind häufiger Losleger als Ältere. Und: "Männer genießen und brauchen den Druck (...) stärker als Frauen. Während jeder vierte Mann ein Losleger ist, sagt dies nur jede zehnte Frau von sich", so die Autoren.

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Frauen gaben dagegen häufiger an, bei Stress den Kopf in den Sand zu stecken. Jede fünfte Frau ist demnach eine sogenannte "Vermeiderin", zieht sich bei Stress zurück und hofft, dass sich die Lage von selbst beruhigt. Auf diesen passiven Typ wirken Belastungen besonders negativ. Vermeider "sind stärker Burn-out gefährdet und haben besonders oft psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angstzustände. Überdurchschnittlich viele (...) leiden zudem unter Kopfschmerzen, Tinnitus, Magenbeschwerden und häufigen Erkältungskrankheiten."

Gefühlte Machtlosigkeit erhöht den Leidensdruck

Aus der Arbeitspsychologie ist bekannt, dass Selbstvertrauen und Stressempfinden eng miteinander zusammenhängen. So haben Studien mit Arbeitnehmern aber auch Studierenden gezeigt, dass gefühlte Machtlosigkeit den Leidensdruck erhöht. Einfach abzuwarten ist also die schlechteste Bewältigungsstrategie. Je aktiver Belastungen angegangen werden, desto weniger schlimm werden sie wahrgenommen.

Besonders im Beruf spielt auch die Einstellung eine entscheidende Rolle. Wer gerne ins Büro geht, empfindet seine Arbeit weniger als Belastung. Und er nimmt Stressfaktoren wie Überstunden, Termindruck oder fehlendes Feedback vom Chef gelassener hin. (Was im Job sonst noch stresst, lesen Sie hier.) Nicht überraschend sind in der Gruppe der Job-Enthusiasten häufiger die sogenannten Losleger zu finden. "Jeder vierte Berufstätige, der Spaß an der Arbeit hat, läuft unter Druck zu Höchstform auf - gegenüber nur jedem neunten, der die Arbeit allein als Broterwerb sieht."

Die meisten Menschen liegen allerdings irgendwo zwischen den beiden Extremen. Sie sind weder Losleger noch Vermeider, in der Studie werden sie als "Durchhalter" charakterisiert (60 Prozent). Dem Durchhalter geht Stress zwar auf die Nerven, aber er kann damit umgehen - so lange die Belastung nicht zum Dauerzustand wird.

Doch wie kann man dem vorbeugen - und was hilft bei akutem Stress?