Umfrage zum Gender Pay Gap Frauen verdienen weniger als Männer? Echt jetzt?

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, finden die meisten Deutschen. Die Realität sieht leider anders aus.

(Foto: imago/Westend61)
  • Auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen in Deutschland sieben Prozent weniger als Männer.
  • Einer Umfrage zufolge ist diese Benachteiligung aber kaum bekannt. Fast drei Viertel der Befragten gehen von einer fairen Entlohnung aus.
  • International werden gesetzliche Regelungen und Gehaltstransparenz als geeignete Maßnahmen betrachtet.
Von Alexander Hagelüken

Seit Familienministerin Manuela Schwesig gleiche Löhne für Männer und Frauen per Gesetz durchsetzen will, hat die Sozialdemokratin Ärger. Wirtschaftsverbände warnen vor Bürokratie. Und CDU-Politiker setzen darauf, dass die Bundeskanzlerin das ganze Vorhaben stoppt. Nun erfährt Schwesig Unterstützung aus einer Befragung: Demnach finden 90 Prozent aller Deutschen, dass Frauen für gleiche Arbeit das gleiche Geld bekommen sollen wie Männer.

Was Schwesig auf den Plan ruft, sind Gehaltsunterschiede, wie sie das Statistische Bundesamt ermittelt. Im Hinblick auf den Bruttostundenlohn verdienten Frauen in der Bundesrepublik 2014 demnach 22 Prozent weniger als Männer. Nun erklärt sich ein Teil dieser Differenz daraus, dass Frauen häufiger schlecht bezahlte soziale Berufe wählen, wegen Kindern länger pausieren und Teilzeit arbeiten. Doch auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit bleibt eine Lücke von sieben Prozent, so die Statistiker.

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Viele Deutsche überrascht die Benachteiligung

In Deutschland ist diese Benachteiligung kaum bekannt, zeigt eine Umfrage im Auftrag des Jobportals Glassdoor. Demnach gehen fast drei Viertel aller Befragten davon aus, dass beide Geschlechter für die gleiche Arbeit auch wirklich gleich bezahlt werden. Wenn sie mit den tatsächlich bestehenden Unterschieden konfrontiert werden, reagieren die Deutschen darauf im internationalen Vergleich besonders sensibel. Befragt wurden 8000 Arbeitnehmer in sechs Industriestaaten. Nur in den USA fällt der Anteil jener, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordern, mit 93 Prozent etwas höher aus als in Deutschland.

Familienministerin Schwesig will die Geschlechterlücke etwa dadurch beseitigen, dass Frauen bei ihren Arbeitgebern das Gehalt von Kollegen erfragen dürfen. Wenn die Firma eine offensichtliche Benachteiligung nicht beseitigt, dürfte sie bei einer Klage der Betroffenen vor Gericht schlechte Karten haben. Eine direkte juristische Sanktionierung der Firma sieht Schwesigs Gesetzentwurf aber nicht vor.

Experten fordern mehr Gehaltstransparenz

Die Umfrage des Jobportals legt nahe, dass die Deutschen gesetzliche Maßnahmen goutieren. So erklären 41 Prozent der Befragten, der Gesetzgeber solle Arbeitgeber dazu zwingen, Beschäftigte gleich zu entlohnen. Jeder siebte fordert sogar, Personalabteilungen sollten generell Gehaltszahlen offenlegen. International herrsche Konsens, dass die besten Mittel Gesetze seien, eine andere Firmenpolitik bei der Entlohnung und mehr Gehaltstransparenz auf allen Ebenen, sagt Andrew Chamberlain, Chefökonom des Jobportals.

Ungerechte Bezahlung kann sich auf Bewerbungsverfahren auswirken: 70 Prozent der befragten Frauen in Deutschland würden sich nicht bei einer Firma bewerben, von der dies bekannt werde. Bei den Männern würde immerhin jeder Zweite einem solchen Arbeitgeber die rote Chauvi-Karte zeigen.

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