Umfrage unter Vätern Vier von fünf Männern verzichten auf Elternzeit

Wo Wunsch und Wirklichkeit auseinanderliegen: Viele Männer wollen zwar mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen - aber Elternzeit nehmen, das trauen sich mehr als 80 Prozent nicht. Was eine Forsa-Umfrage über das Selbstbild von Männern und Vätern verrät.

Von Oliver Klasen

Kartoffelbrei kochen, ein Kinderlied singen, den wunden Po mit Zinkcreme einreiben und anschließend im Garten noch im Sandkasten eine Burg bauen: für moderne Väter heute fast eine Selbstverständlichkeit. Zahlen aus einer aktuellen Umfrage belegen das gewandelte Rollenverständnis. Das Forsa-Institut hat im Auftrag der Zeitschrift Eltern etwa 1000 Männer zwischen 20 und 55 Jahren befragt.

83 Prozent der Befragten sagen, einen guten Vater zeichne aus, "so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern zu verbringen". Und immerhin 71 Prozent der 20 bis 45-jährigen Väter finden an sich besonders gut, dass sie ihr Kind auch wickeln und füttern. Zwei Drittel der Väter finden, ihr Leben sei durch die Geburt ihres Kindes "glücklicher und erfüllter" geworden. Von den Männern, die Elternzeit nehmen oder genommen haben, sagen das sogar 75 Prozent.

Allerdings liegt hier der Verdacht nahe, dass viele Befragte "sozial erwünschte Antworten" gegeben haben. Statistiker bezeichnen so das Problem, dass Befragte genau die Antworten geben, die die Gesellschaft von ihnen erwartet.

Inwiefern dieser Effekt bei der jetzigen Eltern-Umfrage eine Rolle gespielt hat, lässt sich nur schwer herausfinden. Aber es fällt auf, dass einige Ergebnisse nicht ins optimistische Bild der neuen Vätergeneration passen: 81 Prozent, also etwa vier von fünf Männern, schrecken nämlich davor zurück, Elternzeit zu nehmen. Bei den übrigen 19 Prozent bleibt es meist bei den üblichen zwei Monaten, dem Väter-Pflichtprogamm gewissermaßen. Frauen bleiben hingegen oft zwölf Monate zuhause, nur so schöpft das Paar die 14 Monate aus, für die das Elterngeld maximal gezahlt wird.

Männer glauben häufig, die Elternzeit könne ihrer Karriere schaden: Immerhin 45 Prozent der Befragten sagen, die Konsequenzen seien "sehr oder eher negativ", wenn sie ihren Chef bitten, während der Vätermonate zuhause bleiben zu können.

Viel Zeit mit der Familie zu verbringen würde voraussetzen, nicht zu sehr in der Arbeit eingespannt zu sein. Allerdings haben 90 Prozent der Männer einen Vollzeitjob und 58 Prozent der angestellt Beschäftigten geben dies auch als ihre Wunschlösung an. Teilzeit arbeiten würden 40 Prozent gerne, nur ein Prozent kann sich eine Stelle mit weniger als 20 Wochenstunden vorstellen.

Tatsächlich arbeiten gerade einmal fünf Prozent der Väter in Teilzeit. Das liegt aber nicht nur an unflexiblen Arbeitgebern. Immerhin die Häfte der befragten Männer gab nämlich an, in ihrem Betrieb wäre Teilzeit problemlos möglich.

Die Zahlen legen nahe: Wunsch und Wirklichkeit liegen bei Vätern noch weit auseinander. Einerseits wollen viele Väter sich um die Familie kümmern. Andererseits sind dafür doch die allermeisten zu sehr im Beruf eingebunden.

Ist dieser Widerspruch den ungünstigen Verhältnissen geschuldet, die es nicht zulassen, dass Männer wirklich moderne Väter sein dürfen? Oder ist der Verweis auf die äußeren Zwänge nur eine Ausrede der Männer, um nicht stärker in Kindererziehung und Hausarbeit eingebunden zu werden? Das lässt sich aus den Zahlen der Forsa-Erhebung nicht herauslesen.

Fest steht nur, dass immer mehr Väter das Gefühl bekommen, sie erhielten von allen Seiten Druck: 44 Prozent beklagen, "kaum noch Zeit" für sich zu haben, und 16 Prozent haben sogar das "Gefühl, weder im Beruf noch in der Familie allen gerecht" zu werden.

Als wie belastend arbeitende Mütter ihre Situation empfinden, wurde in der Umfrage nicht untersucht.