Von bov

In Ostdeutschland und in kleinen Betrieben wird am längsten gearbeitet.

Die Arbeitszeiten in Deutschland klaffen in West und Ost sowie in großen und kleinen Unternehmen immer weiter auseinander. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind in zwei Drittel aller ostdeutschen Firmen bereits heute Arbeitszeiten von mindestens 40 Stunden pro Woche vereinbart, während dies bei weniger als 30 Prozent der westdeutschen Unternehmen der Fall ist.

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Auch in mittelständischen Betrieben sei die 40-Stunden-Woche schon heute keine Ausnahme mehr.

Dagegen betrage die Arbeitszeit in 90 Prozent der Großbetriebe weniger als 40 Stunden pro Woche. In 30 Prozent dieser Firmen werde weniger als 36 Stunden gearbeitet. "Da die belegschaftsstarken Unternehmen Arbeitgeber für rund vier Millionen Beschäftigte sind, gehen mit diesen kurzen Arbeitszeiten erhebliche Wettbewerbsnachteile einher", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des DIHK.

Die Unterschiede zwischen West und Ost und groß und klein gingen vor allem auf eine unterschiedlich ausgeprägte Tarifbindung zurück, erklärte Wansleben.

Laut DIHK unterliegen in Ostdeutschland 21 Prozent der Betriebe der Tarifbindung, im Westen sind es 43 Prozent. Ein ähnliches Verhältnis bestehe zwischen großen und kleinen Firmen. "Auf den großen Unternehmen lastet ein größerer Druck, Tarifverträge einzuhalten", sagte Wansleben.

Insgesamt sieht der Verband durch die Umfrage unter 22.000 Betrieben die Forderung nach längeren Arbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleich bekräftigt. Dies sei für 40 Prozent der befragten Firmen in den kommenden drei Jahren eine "wünschenswerte Option". "Deutschland muss sich anstrengen. Wir müssen mehr arbeiten für unser Geld", sagte Wansleben. Wer dabei die 40-Stunden-Woche tabuisiere, verabschiede sich von der betrieblichen Realität im Mittelstand. Wansleben betonte aber auch, dass die in der Öffentlichkeit teils sehr populistisch geführte Debatte in den Betrieben differenziert und verantwortungsbewusst geführt werde. Dies zeige sich zum Beispiel darin, dass der Großteil der Unternehmen eben nicht grundsätzlich mehr Arbeit einfordere. In Ostdeutschland halte sogar nur ein Fünftel der Betriebe längere Arbeitszeiten für erforderlich.

Zunehmend flexibel

Wie die Umfrage des DIHK zeigt, nutzen die Unternehmen heute stärker die Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitgestaltung als vor einigen Jahren. In fast zwei Drittel der Firmen arbeiteten die Beschäftigten nicht mehr zu starren Zeiten, erklärte Wansleben. Am beliebtesten in den Betrieben seien flexible Wochenarbeitszeiten, diese würden von 40 Prozent aller Unternehmen angewendet. Um diesen Anteil zu steigern, sollte der Gesetzgeber im Arbeitszeitgesetz den Bezugszeitraum, innerhalb dessen die wöchentliche Höchstarbeitszeit berechnet werde, von sechs auf zwölf Monate ausweiten, forderte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Als weitere Möglichkeiten der flexiblen Arbeitsgestaltung werden laut Umfrage zunehmend Gleitzeit und Jahresarbeitszeitkonten genutzt.

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(SZ vom 1.12.2004)