Typologie der Kollegen – Der Toiletten-Zwilling

Woran man ihn erkennt: Richtigerweise muss es heißen: Wo man ihn trifft. Dort nämlich, wo es einen bei jedem dringenden Bedürfnis hintreibt. Das kann auch die Zigarette nach dem Feedback-Gespräch mit dem Chef (Taschen-Raumspray für danach nicht vergessen!) oder ein akuter Müdigkeitsanfall sein (empfehlenswert: Klodeckel runterklappen und Nasenklammer parat haben). Tritt man nach Befriedung seines Bedürfnisses ans Waschbecken, steht dort garantiert schon der Toiletten-Zwilling - den es auf mysteriöse Weise immer zur selben Zeit in Richtung Waschraum zu ziehen scheint.

Warum er nervt: Erstens, weil beim Händewaschen die immer gleiche, schweigsame Interaktion folgt: Im Spiegel wird kurz Blickkontakt aufgenommen, man lächelt sich verschämt zu und wendet sich mit einem kurzen Kopfnicken wieder dem Reinigungsritual zu. Und zweitens, weil man sich - unabhängig vom Bedürfnis - irgendwie ertappt fühlt. Ist der Toiletten-Zwilling am Ende gar ein Spitzel des Chefs?

Wie man ihm begegnet: Indem man möglichst souverän aus der Toilette tritt und ein unverfängliches Small-Talk-Thema anschneidet. Gut geeignet: das Wetter; weniger gut geeignet: die Qualität des Kantinenessens. Im Zweifelsfall ist aber alles besser als die peinliche Stille.

Bild: Fotowerk - Fotolia 31. Mai 2014, 10:272014-05-31 10:27:35 © Süddeutsche.de/dd/jobr/luk