sueddeutsche.de: Wie läuft der Unterricht ab, wenn nicht alle Schüler die gleichen Voraussetzungen haben?

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Sengül-Loof: Wir machen viel Gruppenarbeit, so dass die stärkeren die schwächeren Schüler unterstützen können. In den Prüfungen unterscheiden wir natürlich, ob ein Kind zu Hause Türkisch spricht oder aus einer deutschen, polnischen oder russischen Familie stammt.

sueddeutsche.de: Was sind die Inhalte des Unterrichts?

Sengül-Loof: Wir vermitteln natürlich nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch interkulturelle Bildung. Es geht etwa um die Rolle der Frau in der deutschen und in der türkischen Gesellschaft oder um die EU-Beitrittsbemühungen der Türkei. Wird im Deutschunterricht Bertolt Brecht besprochen, vergleichen wir ihn im Türkisch-Unterricht zum Beispiel mit dem Dichter Nazim Hikmet. Da können alle Schüler viel voneinander lernen.

sueddeutsche.de: Welche Sprache sprechen die Kinder in den Pausen? Vor einiger Zeit gab es den Vorschlag, dass auf Schulhöfen nur Deutsch geredet werden solle. Wie wird das an Ihrer Schule gehandhabt?

Sengül-Loof: Die Pause ist bei uns zur Erholung da, deshalb dürfen die Kinder sprechen, was sie wollen. Ich selbst werde von ihnen sowohl auf Deutsch, Türkisch als auch auf Englisch angesprochen, da ich auch Englisch unterrichte.

sueddeutsche.de: Gegner des Türkisch-Unterrichts warnen davor, dass solche Klassen nicht zu mehr, sondern zu weniger Integration führen: Anstatt gemeinsam zu lernen, säßen hier die deutschen Kinder, dort die türkischen.

Sengül-Loof: Solche Cliquenbildung beobachten wir bei uns nicht. Die Schüler suchen sich ihre Freunde nicht nach der Sprache, sondern nach Interesse und Sympathie. Und es gibt ja noch genügend andere Schulstunden, in denen die Kinder wieder gemeinsam lernen.

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(sueddeutsche.de/mri/cmat)