Teilzeitarbeit Brücke in den Job

Mareike Bünning glaubt, dass die Brückenteilzeit vor allem den Vätern helfen würde, eine Weile Teilzeit zu arbeiten.

(Foto: David Ausserhofer)

Ein neues Gesetz könnte das schlechte Image der Teilzeitarbeit verbessern. Allerdings nutzt es eher den Vätern als den Müttern, meint Soziologin Mareike Bünning.

Interview von jutta pilgram

Die Soziologin Mareike Bünning forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zum Thema Arbeit und Fürsorge. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Einfluss von politischen Entscheidungen auf das Erwerbsverhalten und das Familienengagement von Vätern.

SZ: Sie haben untersucht, wie Teilzeitarbeit die Karriere von Vätern beeinflusst. Was haben Sie herausgefunden?

Mareike Bünning: Wenn Väter Elternzeit nehmen, wirkt sich das nicht negativ auf die Entwicklung ihrer Löhne aus. Wählen sie dagegen Teilzeit, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben, müssen sie mit Lohneinbußen und Karrierenachteilen rechnen.

Warum ist das so?

Von der Teilzeit scheint ein negatives Signal auszugehen. Auch wenn Väter nur einige Monate Teilzeit nehmen, wird das als Hinweis gewertet, dass sie sich nicht richtig engagieren. Studien belegen, dass Väter tatsächlich von Vorgesetzten und Kollegen im Betrieb schief angeschaut werden, wenn sie Teilzeit arbeiten wollen.

Es liegt also nicht nur daran, dass es kein Rückkehrrecht in Vollzeit gibt?

Nein. Meine Analysen zeigen, dass Väter auch jetzt schon im Durchschnitt nur zwölf Monate in Teilzeit arbeiten, bevor sie in den vollen Job zurückkehren. Anders ist das bei Müttern, die oft in Teilzeit wechseln und dort verbleiben.

Folgt daraus, dass Elternzeit weniger gefährlich für die Karriere ist als Teilzeit?

Zumindest für Väter trifft das zu. Elternzeit wird von Arbeitgebern eher als Ausnahmesituation gewertet. Sie wird auch nicht unbedingt gerne gesehen, aber sie stellt das berufliche Engagement nicht generell in Frage. Wenn der Vater wieder da ist, geht der Arbeitgeber davon aus, dass er sich wieder voll dem Beruf widmet.

Kann die geplante Brückenteilzeit etwas an dem schlechten Image ändern?

Ich glaube, dass sie vor allem den Vätern helfen würde, eine Weile Teilzeit zu arbeiten. Man sieht es ja an der Elternzeit, sie liefert eine gute Argumentationsgrundlage. Die zwei Partnermonate lassen sich gegenüber dem Chef leicht legitimieren. Und wenn mehr Väter Teilzeit arbeiten würden, dann würden die Arbeitgeber vielleicht auch die Erfahrung machen, dass Teilzeit gar nicht so schlimm ist.

Kommt die Brückenteilzeit auch den Müttern entgegen?

Da bin ich skeptisch. Viele Mütter arbeiten im Moment ja ohnehin schon Teilzeit - und sie wollen das auch. Studien zeigen, dass Väter sich im Durchschnitt eine Arbeitszeit von etwas 35 Stunden wünschen, Mütter hingegen wollen im Schnitt nur 25 Stunden arbeiten.

Wenn man von der Teilzeitfalle spricht, geht es aber vor allem um die Mütter.

Das stimmt. Teilzeit hat negative Auswirkungen auf ihr Einkommen, vor allem bei einer Trennung, und auf ihre Rente. Die Teilzeitfalle ist aber nicht deshalb eine Falle, weil massenhaft Mütter sagen, sie wollen in die Vollzeit zurück - und das auch noch innerhalb von fünf Jahren, wie es das Gesetz vorsieht. Tatsächlich wollen Mütter mehr arbeiten, da geht es aber eher um 25 als um 35 Stunden. Daher vermute ich, dass die Brückenteilzeit an den Bedürfnissen der meisten Mütter vorbeigeht.

Was bräuchten die Mütter?

Sie bräuchten die Möglichkeit, von einer kleinen in eine große Teilzeit zu wechseln. Das ist in dem Gesetzentwurf allerdings auch angedacht.

Meinen Sie den Teil des Entwurfs, der vorsieht, dass Menschen mit befristeten Teilzeitverträgen bei der Vergabe neuer Jobs bevorzugt werden sollen, wenn sie wieder mehr arbeiten wollen?

Ja, über diese Schiene wäre es möglich, von der kleinen in die große Teilzeit zurückzukehren. Dafür gibt es aber keinen Rechtsanspruch. Es kommt dann also auf den Arbeitgeber an. Wenn ein Unternehmen das nicht möchte, wird es wohl immer Mittel und Wege finden, warum es nicht geht. Dennoch sehe ich hier ein größeres Potenzial für die Bedürfnisse von Müttern als im anderen Teil des Gesetzes.