Tabufragen im Vorstellungsgespräch Bitte lügen Sie jetzt!

So mancher Bewerber meint im Vorstellungsgespräch, sich verhört zu haben. Hat der Personaler gerade wirklich nach Familienplänen gefragt? Das geht ihn doch gar nichts an. Oder?

Bis zu einem gewissen Punkt läuft das Vorstellungsgespräch wie geplant. Der alte Job, die Ausbildung, das Verhältnis zu den Kollegen: Alles Themen, mit denen der Bewerber gerechnet hat. Doch dann auf einmal eine Frage, die den Jobsuchenden total verblüfft: "Planen Sie eigentlich demnächst ein Kind?" Fragen wie diese bringen Bewerber meist aus dem Konzept.

Vorstellungsgespräch Dürfen Sie bei diesen Fragen lügen?

Dürfen Sie bei diesen Fragen lügen? Testen Sie Ihr Wissen!

Viele wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Darf der Personaler das? Und vor allem: Muss man auf so eine private Frage antworten? Fragen nach der Familienplanung sind rechtlich nicht erlaubt, erklärt Martina Perreng vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Auch nach der Parteizugehörigkeit, der Religionszugehörigkeit, der sexuellen Neigung oder der Gewerkschaftszugehörigkeit darf sich der Arbeitgeber nicht erkundigen.

Fragen, die auf die Pflegebedürftigkeit der Eltern abzielen, sind ebenfalls unzulässig. "Der Kernbereich der Privatheit muss geschützt sein." Diese Informationen gehen den Arbeitgeber schlicht nichts an. Werden Bewerber dennoch nach einem Tabuthema gefragt, dürften sie lügen, so Perreng. Vom Gesetz her sei das gedeckt.

Behauptet etwa eine Frau im Bewerbungsgespräch sie sei nicht schwanger, ist das rechtlich in Ordnung. Und zwar selbst dann, wenn sie es tatsächlich doch war - und wenige Monate später ein Kind bekommt. Kommt deshalb die Frage nach einem Wunschkind vom Personaler ganz direkt, könnten Arbeitnehmer etwa sagen: "Wissen Sie, momentan ist mir die Karriere einfach wichtiger", empfiehlt Judith Engst, die einen Ratgeber zum Thema Bewerbungen geschrieben hat.

Jobsuchende sollten aus taktischen Gründen jedoch nur im äußersten Fall lügen. Denn kommt die Wahrheit im Nachhinein ans Licht, ist das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber oft ramponiert. Perreng rät, es von der Situation abhängig zu machen: Habe man das Gefühl, bei wahrheitsgemäßer Beantwortung den Job nicht zu bekommen, sollte man lügen.

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