Von Franziska Schwarz

Sie schreiben sich an der ersten Senioren-Uni ein oder füllen Seite an Seite mit jungen Studenten die Hörsäle: Warum sich Ältere noch einmal für ein Studium entscheiden.

Gerhard Häckel und seine 31 Kommilitonen testen einen neu eingeführten Studiengang. Neu ist dabei nicht das Fach, sondern die Klientel: Alle Studenten sind über 50. Der Älteste ist 83, der Jüngste 51 Jahre alt.

Senioren-Studenten an der Uni Ulm (© Foto: dpa)

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Seit gut einem Monat bietet das Europäische Zentrum für universitäre Studien der Senioren (EZUS) in Bad Meinberg das zweijährige "Studium Generale" an. Im Gegensatz zu den meisten Studienangeboten für Ältere steht nicht nur Schöngeistiges auf dem Programm. Auch Themen aus Politik, Wirtschaft, Medizin und Gesellschaft werden behandelt.

Der ehemalige Elektroingenieur Häckel besitzt zwar schon längst ein Diplom, aber nun will er seinen Horizont erweitern, nicht länger ein "Fachidiot" sein. Aus rein privatem Interesse belegt er das sogenannte "Studium Generale". An eine weitere berufliche Laufbahn denke er nicht, sagt er.

Zwei seiner Kommilitonen dagegen, Anfang 50, seien momentan arbeitslos, und versprächen sich von dem Zertifikat, welches die EZUS nach zwei Jahren vergibt, eine höhere Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.

Häckel schätzt den Rahmen, den ihm die Senioren-Akademie gibt. "Man könnte mir eine Eintrittskarte für die Bibliothek geben - aber ich hätte keine Anregung und auch keine Führung. Jetzt habe ich beides: Wenn ich bei einem Thema festhänge, zum Beispiel beim Thema islamischer Fundamentalismus, dann gehe ich ins Internet-Forum, und frage einen der Professoren: 'Wer genau sind denn die Wahabiten?'", sagt Häckel.

Auch Herbert Lindmayer zieht es im Ruhestand wieder an die Hochschule. Wie Häckel studiert er aus purem Wissensdurst zum zweiten Mal. Der ehemalige Bankprokurist belegt den Schwerpunkt Neuere Geschichte im Seniorenangebot der Ludwig-Maximilians-Universität in München. So etwas bieten bereits mehr als 50 Universitäten bundesweit. Die Älteren dürfen sich zwar zu den "ordentlichen Studierenden" dazusetzen, spielen aber die zweite Geige. "Normale Studenten haben natürlich Vorrang", sagt Lindmayer.

So nimmt er auch gelassen hin, dass die ohnenhin überfüllten Grundkurse für Senioren nicht zugänglich sind und dass die ersten drei Sitzreihen in den Vorlesungssäalen stets für Jungstudenten reserviert sind.

Ein Zertifikat wird der 62jährige für sein Lernen nicht erhalten. Doch das stört ihn nicht. Die Idee eines reinen Seniorenstudiums findet er nicht schlecht. Allerdings sei das eher etwas für weniger flexible Alte als ihn selbst: "Die Jungen geben eben doch ein anderes Tempo vor".

Doch auch in der reinen Seniorengruppe seien die Geschwindigkeiten unterschiedlich, berichtet Häckel von der EZSU. Er selbst nehme in medizinische Vorlesungen immer ein Fremdwörterbuch mit. Darin schlage er beispielsweise das Wort "malign" nach - während manch anderer nur verständnislos den Dozenten annickte. Er und seine Kommilitonen zahlen für den Rundumschlag in Sachen Allgemeinbildung pro Jahr etwa 1200 Euro. Sie seien jedoch alle nicht arm. "Das wird einfach abgebucht", lacht Häckel.

Lindermayer muss an die LMU dagegen nur 200 Euro im Jahr für sein spätes Studium zahlen. Im Verhältnis zu den ab nächsten Sommer geplanten 500 Euro Studiengebühren sei das wenig, meint der Rentner. Doch auch die findet er völlig berechtigt: Schon als er in den Sechziger Jahren an der LMU studierte, habe er sogenannte Vorlesungsgebühren gezahlt. "150 Mark manchmal - damals auch nicht unmerklich." Trotz der Zahlungen sei er damals mit einem Klappstuhl aus seinem Wohnort Erding zu den Vorlesungen angereist: "Engpässe gab es schon immer".

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