Für junge Eltern ist das Studium ein schwieriger Balanceakt. Die Universitäten geloben zwar, familienfreundlicher zu werden, doch noch werden Studenten mit Kind im Stich gelassen.
Miriam Wähnert hatte anfangs Bedenken. "Ich dachte: Oje, das kann ich doch keinem meiner Kommilitonen erzählen, die werden doch alle sagen, ich sei verrückt", erinnert sich die 24-jährige Physik-Studentin an den Beginn ihrer Schwangerschaft. Dabei war Anton, mittlerweile zehn Monate alt, ein Wunschkind.
Oft gibt es an der Uni zu wenig Betreuungsangebote für Kinder. Konzentriertes Lernen fällt dann schwer. (© Foto: dpa)
Anzeige
Auch wenn die Reaktion von Wähnerts Kommilitonen an der Uni Leipzig dann doch positiv war - es erfordert Mut, während des Studiums Mutter zu werden. Einer Studie des Studentenwerks zufolge haben bundesweit nur sieben Prozent aller Studenten Kinder. Diese Zahl ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Eine Online-Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) aus dem Jahre 2002 ergab, dass die Studienphase von den meisten "als zur Familiengründung ungeeignet" angesehen wird. Nur zwei Prozent der kinderlosen Befragten wollten noch während des Studiums Kinder bekommen. Als Hauptgründe wurden mangelnde finanzielle Sicherheit, Probleme mit der Organisation des Studiums, fehlende Betreuungseinrichtungen und zu wenig Unterstützung durch die Hochschule genannt.
"Das Geld war meine Hauptsorge, bevor das Kind kam", sagt Miriam Wähnert. Auch für Michele Marik ist Geld das größte Problem. Die 36-Jährige, die Literaturwissenschaften an der Freien Universität (FU) Berlin studiert, hat eine zwei Jahre alte Tochter, die sie allein erzieht. "Als Studentin fällt man praktisch aus dem sozialen Netz heraus." Sie bekomme weder Arbeitslosengeld noch Bafög. Vier Tage im Monat arbeitet Michele Marik im Pflegedienst.
Darlehen und Existenzängste
Ein Zuschuss für die Studienabschlussphase, der an Alleinerziehende vergeben wird, wurde ihr nicht gewährt - paradoxerweise war ihr Einkommen nach den Zuschussregeln um 50 Euro zu niedrig. So musste sie ein Darlehen aufnehmen. Der Gedanke daran, das viele Geld später zurückzahlen zu müssen, verstärkt ihre Existenzängste.
Abgesehen von der finanziellen Not hält sie das Studium aber für einen guten Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen. Denn ihr Fach erlaubt ihr eine flexible Arbeitseinteilung. Außerdem studiert sie sogar an einer "familiengerechten Hochschule".
Seit sechs Jahren gibt es das "audit familiengerechte hochschule", eine Initiative der Hertie-Stiftung. 57 Hochschulen haben sich bisher dem Zertifizierungsprozess unterzogen, neun haben das Zertifikat bereits erhalten. Ziel ist es, die Hochschulen familienfreundlicher zu gestalten und ihre Attraktivität für Studierende und Wissenschaftler mit Kindern zu steigern.
Auf der nächsten Seite: Welche familienfreundlichen Maßnahmen noch geplant sind.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Kündigung wegen der Elternzeit Der abgelehnte Mustervater 21.12.2006
- Familie und Beruf Karriere mit Kind 04.05.2006
- Urteil Zu spät dran, Job weg 11.11.2003
- Entscheidung der Frauen Karriere statt Kind 16.07.2003
- Chancengleichheit Keine Zeit für Kinder 24.10.2007
Christopher Lee zum 90.
meiner ansicht nach ist das engagement vieler unis schlichtweg schäbig. weder für studierende mit kind noch für mitarbeiter gibt es ausreichend betreuungsplätze. wenn es was gibt, dann meist von eltern selbst initiiert. dabei sollte man doch denken, das unis fortschrittlich sind? pustekuchen, in dieser hinsicht wird aktiv und kläglich versagt. und dabei sollen die akademikerinnen doch fleissig kinderkriegen? nur wann? im studium? schwierig. im ersten job? während der doktorarbeit? noch schwieriger. später? auch schwierig, nicht mal wenige monate aussetzen werden in manchen branchen gutangesehen. abgesehen vom lauten ticken der biologischen uhr. naja, das wird man hier nicht lösen können - nur hut ab vor studentinnen mit kind, das ist harte arbeit.
Dass man ums lernen nicht herumkommt, ist jedem klar. aber nicht jeder hat genug zeit zu lernen. da können die unis noch viel verbessern, so dass auch studierende mit kind durch bessere kinderbetreuungsmöglichkeiten mehr zeit zum lernen haben um so das studium schneller abzuschließen.
ob mit kind oder ohne kind ums lernen kommt man nicht herum.
is' so
oder man verteilt eben diplomzeugnisse gegen vorlage einer geburtsurkunde...