Surfertypen, Strand und Ketchup-Jagdwurstsoße - weil im Osten die Zahl der Abiturienten sinkt, versucht man, die Westdeutschen anzulocken.
Sandbedeckte Füße und gebräunte Beine, zwei junge Frauen sitzen entspannt mit einem Buch am Strand. ,,Lernen, wo andere Urlaub machen'' - so wirbt die Imagebroschüre des Landes Mecklenburg-Vorpommern für ein Studium im Nordosten der Republik. Mit einer Auflage von 30000 Stück liegt sie in norddeutschen Schulen aus; auch Anzeigen in westdeutschen Tageszeitungen sollen angehende Studenten auf das Angebot aufmerksam machen.
Strandzeiten: Eine Broschüre wirbt für ein Studium in Mecklenburg-Vorpommern. (© Foto: oh)
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Hochschulen im Osten wollen Studenten aus dem Westen anlocken. Denn die Zahl ihrer heimischen Studienanfänger wird nach Prognosen der Kultusminister bald zurückgehen. Die Lücken in den Lehrsälen hofft man mit West-Importen zu füllen.
Denn in den alten Bundesländern machen derzeit noch vergleichsweise geburtenstarke Jahrgänge ihr Abitur; sie benötigen bis zum Jahr 2010 etwa 90000 zusätzliche Studienplätze. Also sollen mehr Westdeutsche als bisher zum Studieren in den Osten gehen; die Hochschulen möchten die Zahl ihrer Studienplätze auf dem Stand von 2005 halten.
Dafür bekommen sie Zuschüsse vom Bund. Sachsen beispielsweise erhält 27Millionen Euro. Schafft es das Bundesland nicht, seine knapp 20 000 Studienplätze zu erhalten, wird die Summe gekürzt. Noch hat in Sachsen der demographische Knick nicht eingesetzt; das Land arbeitet aber schon an einer Werbekampagne für das kommende Frühjahr.
Der Osten habe immer noch ein Imageproblem, sagt Eileen Mägel vom sächsischen Kultusministerium. Deshalb seien ,,Road shows'' geplant: Lastwagen mit Infomaterial sollen die Orte mit doppelten Abiturjahrgängen besuchen. Die Technische Universität Chemnitz schickt bereits jetzt einen ,,Future truck'' durchs Land, um mit Experimenten Schüler für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern.
Bei der ,,Exzellenzinitiative'', dem bundesweiten Elite-Wettbewerb, kamen ostdeutsche Unis nicht auf die vorderen Plätze. Man müsse sich auf die eigenen Stärken konzentrieren, sagt Ulf Telking, Büroleiter des Kultusministers in Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn man in Forschung nicht überall vorn mitspiele, seien Rostock und Greifswald ,,tolle Standorte mit einer guten Lehre''.
An ostdeutschen Hochschulen gibt es in vielen Fächern mehr Dozenten und weniger Studenten als im Westen; die Mieten sind meist günstiger. Und abgesehen von Rückmeldegebühren zwischen 60und 240 Euro gibt es in Ostdeutschland bisher keine Studiengebühren.
,,Zwischen Audimax und Strand'' heißt die Broschüre, die für Mecklenburg-Vorpommern Werbung macht. Mit Surfertypen, Strandbildern und Studentendörfern, die aussehen wie aus dem Center-Parcs-Katalog, könnte sie bei Schulabgängern tatsächlich ankommen. Nur beim Kochrezept, das in der Broschüre abgedruckt ist, merkt der begehrte West-Abiturient, dass es in den Osten geht: Es gibt Spirelli mit Ketchup-Jagdwurstsoße.
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(SZ vom 2.8.2007)
Moderne Verwaltung
Zitat: "Und abgesehen von Rückmeldegebühren zwischen 60und 240 Euro gibt es in Ostdeutschland bisher keine Studiengebühren."
Das war im Westen auch mal so ... Die Gebühren kommen sobald die Hörsäle gefüllt sind. Denn die Profs, die dummerweise an den Unis die Gebührenentscheidungen treffen, sind mehrheitlich so arrogant und ignorant, wie man es normalerweise nur von Politikern kennt. Die meisten Profs haben sich ihr eigenes Studium vermutlich noch vom Papi finanzieren lassen und verstehen deshalb gar nicht den Aufruhr wegen ein paar Hundert Euro. Ich hatte da so einige Diskussionen mit Professoren, die mich stark an deren Verstand über das Fachgebiet hinaus zweifeln ließ.
Damit ist ein ernstes Problem angesprochen. Allerdings sollte man sich davon nicht entmutigen lassen und aus dem Westen den Schritt in den Osten wagen. Gerade das Land außerhalb der "Kernstädte" ist oft außergewöhnlich schön - so wie es im Westen aufgrund von Zersiedlung u. ä. fast nirgends mehr anzutreffen ist.
Ein Prof. unserer Fh sagte uns beim einem Fest, das war 1981, es wird die Zeit kommen, wo man sie auf dem roten Teppich mit Sekt empfangen wird, damit sie überhaupt noch zum studieren kommen.
Es ist soweit er hatte recht.
An der FH-Ulm im Jahr 1999 wurde an einem Technik Tag gezeigt wie die Zahlen der Studienangänger abnehmen.
Ein Mitglied der Prüfungskommision in BW sagte vertraulich an einem Sommerfest der FDP, es liegen die Pläne schon in den Schuladen über die Schließungen von FH´s und Universitäten.
Es ist also schon soweit.
ich muss zu meiner schande gestehen, daß ich es, trotz einer leider viel zu langen studienzeit an der btu-cottbus, nicht geschafft, oder besser mich nicht getraut hab :-) die jagdwurst zu probieren.
meine volle zustimmung erhalten dafür kartoffeln mit quark und leinöl! gesund, einfach und lecker. hab ich auch schon erfolgreich daheim in bayern eingeführt!
Wenn die ostdeutschen Länder mehr Studenten anlocken wollen, sollten sie zunächst mal stärker gegen Rechtsradikale vorgehen. Es ist nicht gerade dem subjektiven Sicherheitsgefühl zuträglich, wenn außerhalb der Kernstädte regelmäßig Menschen angegriffen werden, die von den Einheimischen als vermeintlich fremd empfunden werden.
Ein Freund von mir, hat einige Semester im Osten (Dresden) studiert. Mittlerweile ist er wieder in den Westen zurückgekehrt, weil er sich dort nicht wohl gefühlt hat. Kein Wunder, wenn man, wie er berichtet hat, abends um 22h in der S-Bahn aus Schöna kommend mit einer Gruppe von Leuten konfrontiert wird, die lautstark menschenverachtende Lieder gröhlen und einem in dieser Situation (S-Bahn, ohne Schaffner, leer) bewusst wird, dass einem niemand zur Hilfe kommen wird, wenn es zu einer gewalttätigen Konfrontation kommen sollte.
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