Studienmöglichkeiten für Berufstätige Mit dem Meister zum Master

Der Weg nach ganz oben ist ohne Uni-Abschluss in vielen Branchen nicht möglich - deshalb entschließen sich Berufstätige nach Jahrzehnten in der Praxis noch für ein Studium. (Symbolbild)

(Foto: Imago Stock&People)

Ohne Umwege zum höheren Uni-Abschluss: In manchen Bundesländern können Berufstätige ohne Bachelor mit dem Master-Studium beginnen. Voraussetzung sind das Fachabitur, eine abgeschlossene Ausbildung und einige Jahre im Job - möglichst in einer Führungsposition.

Von Christine Demmer

Mit 29 Jahren wollte Michael Stegmaier beruflich noch mal richtig durchstarten. Er hatte Bankkaufmann gelernt, nach dem Zivildienst auf Rettungsassistent umgeschult und war inzwischen zum Teamleiter aufgestiegen. Um in der Gesundheitsbranche weiterzukommen, wollte er nun studieren. Das Problem: Er hatte nur das Fachabitur und keinen Bachelor-Abschluss. Der aber kommt vor dem Master, das wusste Stegmaier. Sollte er nach Jahren im Beruf noch einmal ganz von vorne anfangen?

Stegmaier stieß auf ein Angebot des Rhein-Ahr-Campus in Remagen, eines von drei Standorten der Hochschule Koblenz. In Übereinstimmung mit dem rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz kann man hier mit Abitur oder Fachhochschulreife sowie einigen Jahren Berufspraxis in neun verschiedene MBA-Programme einsteigen, darunter Gesundheits- und Sozialwirtschaft - just das Fach, das Michael Stegmaier am Herzen lag.

Zweieinhalb Jahre dauert das berufsbegleitende Studium einschließlich der abschließenden Master-Thesis. Für den hauptberuflichen Lebensretter war das ideal: Tagsüber stand er im Beruf, abends hockte er über den Studienbriefen. Vor sechs Jahren bestand er die MBA-Prüfung. Und ging anschließend als Personalcontroller zurück in die Bank.

"Ordentliche Rendite"

"Ohne den akademischen Abschluss wäre das nicht möglich gewesen", sagt Stegmaier und freut sich, beim Gehalt einen großen Sprung gemacht zu haben. Die Studiengebühren in Höhe von etwa 10.000 Euro hätten, sagt er, "eine ordentliche Rendite erzielt".

Bereits 2003 hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) den Weg frei gemacht für ein Master-Studium ohne Erststudium. Im Hintergrund steht die Vereinheitlichung der europäischen Hochschulbindung - in Großbritannien geht schon jeder vierte Student über den Berufsweg an die Uni -, der Fachkräftemangel und die Überzeugung, dass eine Berufsausbildung plus Erfahrung ebenso wertvoll ist wie ein akademisches Erststudium. Zwar gilt der Bachelor-Abschluss nach wie vor als Regelzugang. Doch "in definierten Ausnahmefällen" können die Landeshochschulgesetze stattdessen auch eine Eingangsprüfung vorsehen.

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen an der Bachelor-Hürde festhalten. Offen für begabte Berufstätige stehen die Hochschulen in Rheinland-Pfalz, Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen und Berlin - unter mehr oder minder harten Bedingungen.

Am lockersten geht es in Rheinland-Pfalz und Hamburg zu. Andrea Mies, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Rhein-Ahr-Campus in Remagen, erklärt, was Bewerber mitbringen müssen, um zum Master-Studium zugelassen zu werden: "Wir erwarten eine abgeschlossene Berufsausbildung mit einer Gesamtnote von mindestens 2,5, wenigstens fünf Jahre Berufserfahrung - bei Meistern, Fachkaufleuten oder Fachwirten nur drei Jahre - sowie das Bestehen einer Eignungsprüfung."

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Dazu gehören ein Motivationsschreiben und eine mündliche Prüfung, bei der die Kandidaten 20 Minuten lang ein Thema aus ihrer beruflichen Praxis präsentieren sollen. "Wir achten auf das Allgemeinwissen und das logische Denken", sagt Mies, "und entscheiden danach, ob wir der Meinung sind, dass der Bewerber das Studium schafft."

Zwingend notwendig ist aber selbst die abgeschlossene Lehre nicht. Denn bewerben kann sich auch, wer nur das Fachabitur oder das Abitur plus eine mindestens dreijährige "einschlägige" Berufstätigkeit nachweisen kann. Theoretisch kann sich also jeder reifegeprüfte Berufstätige mit drei Jahren kaufmännischer Berufspraxis auf den Weg zum MBA machen. "Das ist aber wirklich sehr theoretisch", verwehrt sich Mies gegen den Eindruck, die rheinland-pfälzische Hochschule nehme prinzipiell jeden zahlenden Studierwilligen auf.