Sparkassen und Deutsche Bank entdecken das Studium auf Pump. Verbraucherschützer empfehlen jedoch abzuwarten.
Autokauf auf Kredit, Ferien auf Pump - für vieles leihen sich die Deutschen Geld. Wenn es nach den Banken geht, demnächst auch für die Bildung. Immer mehr Institute bieten Kredite zur Finanzierung des Studiums an. Ein Auslöser für den Trend ist, dass das Bundesverfassungsgericht im Januar Studiengebühren erlaubte, was den Geldbedarf der Akademiker deutlich erhöhen wird.
250 oder 800 Euro im Monat - die Angebote der Banken sind ganz unterschiedlich. (© Foto: sueddeutsche.de)
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Die bayrischen Genossenschafts- und Raiffeisenbanken sind bereits seit Juni mit einem Studienkredit auf dem Markt. Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters folgen im Oktober die Sparkassen und die Deutsche Bank. Auch die Dresdner Bank plant ein Darlehen, während die Postbank noch prüft. Verbraucherschützer sehen diese Entwicklung skeptisch. Sie raten Studierenden, noch eine Weile zu warten und gründlich über alternative Finanzierungswege nachzudenken.
Unstrittig ist, dass Bafög und Unterstützung der Eltern den meisten Studenten heutzutage nicht mehr reichen. Nach einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wäre mehr als ein Fünftel der angehenden Akademiker unter Umständen bereit, für ein Studium einen Kredit aufzunehmen. "Etwa 60 Prozent der Studenten jobben neben dem Studium. Das Potenzial ist da", sagt die Sprecherin der KfW-Bank, Sonja Höpfner. Das staatliche Institut legte als erstes Anfang des Jahres einen Studienkredit vor, verschob die Markteinführung aber auf das Sommersemester 2006.
Als Förderbank muss die KfW mit ihren Darlehen für Hochschulgänger keine Gewinne scheffeln, sondern eine "schwarze Null" erwirtschaften, sagt Höpfner. "Wir wollen vor allem, dass mehr Leute studieren und dass sie schneller studieren." Ein Vergleich mit den Offerten der Privatbanken lohnt sich dennoch - denn Kreditsumme, Zinssatz, Laufzeit und Rückzahlungsmodalitäten variieren zum Teil erheblich.
Bei der Deutschen Bank können sich Studierende das geliehene Geld über einen Zeitraum von anderthalb bis fünf Jahren in monatlichen Raten von bis zu 800 Euro auszahlen lassen. Der Zinssatz liegt bei 5,9 Prozent. Einschließlich der Zinsen hilft das größte deutsche Kreditinstitut dem akademischen Nachwuchs mit maximal 30.000 Euro aus.
Die Sparkassen sprechen mit ihrem Bildungsvorsorge-Paket auch Verwandte und Eltern der Jung-Akademiker an. So kann die Familie schon lange vor Studienbeginn Geld dafür ansparen. Der eigentliche Kredit ist mit einer Versicherung gekoppelt, die den jungen Schuldner gegen Rückzahlungsschwierigkeiten bei Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit versichert. Die Kreditsumme beträgt höchstens 25.000 Euro. Allerdings kommen noch Zinsen dazu, deren Höhe jede Sparkasse in Eigenregie festlegt.
Auch bei den 1300 Volks- und Raiffeisenbanken im Land ist kein bundesweit einheitliches Angebot geplant. Die Mitglieder des Genossenschaftsverbandes Bayern gewähren den Studenten im Freistaat ein Darlehen von höchstens 15.000 Euro, was bei einer maximalen Laufzeit von zehn Semester einer Monatszahlung von 250 Euro im Monat entspricht. Der Zins variiert von 3,5 bis 5,1 Prozent.
Trotz der im Vergleich zu üblichen Konsumentenkrediten günstigen Zinshöhe sieht Helga Springeneer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen Darlehen nur als letzte Lösung. "Kredite sind immer mit langfristigen Kosten verbunden", warnt die Finanzexpertin. Studenten sollten darum zunächst alle anderen Geldquellen in Betracht zu ziehen und - wenn sie sich für ein Darlehen entscheiden - allein die Studiengebühren und nicht den Lebensunterhalt auf Pump finanzieren.
In jedem Fall sollten Studierende bis zum nächsten Jahr abwarten, wenn die Universitäten ihre Gebührenregelungen vorstellen, rät die Verbraucherschützerin. Voraussichtlich ab Wintersemester 2006/2007 wollen als erste Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Studiengebühren erheben. Die Privatbanken erhalten dann weitere Konkurrenz. In Nordrhein-Westfalen will die landeseigene NRW-Bank ein Darlehen speziell für Studiengebühren anbieten. In der Hansestadt und Hannover sind ähnliche Angebote in Vorbereitung.
(AFP)