An der Uni Freiburg zahlt sich ein hoher Intelligenzquotient aus. Studenten, die einen IQ-Wert von mindesten 130 nachweisen können, dürfen umsonst studieren.
Die Universität Freiburg hat eine Exzellenzinitiative der etwas anderen Art ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht um die Forschung oder gar um die Lehre. Die Hochschule will nach eigenen Worten in einem "Kampf um die besten Köpfe" ganz bestimmte Studenten anziehen, nämlich Hochbegabte.
Nach oben offen: Ab einem IQ-Wert von 130 kann man Mitglied im Hochbegabten-Verein Mensa werden, und jetzt auch umsonst studieren. Sharon Stone hat übrigens angeblich einen IQ von 154. (© Illustration: sueddeutsche.de, Laura Breier)
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Um das zu erreichen, hat sie eine Regelung eingeführt, nach der Studenten, die einen Intelligenzquotienten von 130 und mehr vorweisen können, auf Antrag drei Semester lang von den Studiengebühren befreit werden. Das soll ihnen die Möglichkeit geben, sich währenddessen bei einem Begabtenförderungswerk zu bewerben. Denn auch dann werden die Gebühren erlassen. Im vergangenen Semester haben 20 Studierende das Angebot dankend angenommen. Insgesamt sind rund 500 Studenten von Gebühren befreit worden.
Die schlagen in Baden-Württemberg pro Semester mit 500 Euro zu Buche. Um die Gebührenbefreiung in Anspruch nehmen zu können, müssen Kandidaten nur einen entsprechenden IQ-Test oder eine Bescheinigung des Hochbegabtenvereins Mensa vorlegen.
Bei ihrem Vorgehen beruft sich die Uni auf eine Besonderheit des baden-württembergischen Hochschulgebührengesetzes. Es ermöglicht den Hochschulen, Studenten von der Zahlung zu befreien, "die eine weit überdurchschnittliche Begabung aufweisen". .
Doch wer ist eigentlich hochbegabt? Ein hoher IQ-Wert alleine reicht nicht aus, meint Christel Dirksmeier, die an der Uni Münster angehende Psychologen in der Diagnostik durch Intelligenztests ausbildet: "Ein Hochbegabter sollte auch eine - im Vergleich mit seiner Altersgruppe - einzigartige Leistung bringen können." Dies sei beispielsweise der Fall, wenn jemand innerhalb kürzester Zeit lerne, hervorragend Geige zu spielen.
Ein hoher IQ-Wert bedeute nicht zwangsläufig hohe Leistungsfähigkeit. Dirksmeier: "Es gibt Personen, die über einen hohen IQ verfügen, aber zum Beispiel in der Schule total schlecht sind. Und es gibt Menschen, die keinen wahnsinnig hohen IQ haben, aber mit Hilfe von Lernbereitschaft und Motivation trotzdem hohe Leistungen bringen."
Problematisch ist auch, dass es viele verschiedene Intelligenztests gibt. Manche weisen methodische Schwächen auf. In einigen Verfahren gibt es Komponenten, die erlernbares Wissen abfragen oder in denen sprachliche Kompetenz einen Vorteil bringt.
Aber auch ein methodisch einwandfreier Test bietet nicht die Genauigkeit, die zu wünschen wäre. Dirksmeier: "Es ist unmöglich zu sagen, dass ein Mensch, dessen Test einen Wert von 130 diagnostiziert, intelligenter ist als jemand, der nur 129 erreicht." In Freiburg kursiert bereits das Gerücht, dass Studenten, deren Wert knapp unterhalb der Schwelle liegt, Klagen gegen die Uni vorbereiten.
Der Soziologie-Professor Michael Hartmann, der an der TU Darmstadt Eliten erforscht, kritisiert, dass das IQ-Verfahren an der Uni Freiburg soziale Ungerechtigkeiten verstärke. "In diesen Tests schneiden vor allem diejenigen gut ab, die ohnehin mit einer gewissen Grundbildung ausgestattet und entsprechend auf solche Tests vorbereitet sind," sagt Hartmann zu jetzt.de. Wer aus einem sozial schwächeren Umfeld stamme, habe es ungleich schwerer.
Der für das Studium zuständige Prorektor der Uni Freiburg, Karl-Reinhard Volz, will diesen Vorwurf nicht gelten lassen. Denn die meisten Hochbegabten - egal aus welcher sozialen Schicht - fielen nicht erst an der Uni auf, sondern schon Jahre vor dem Schulabschluss. "Hochbegabte sind das Salz in der Suppe einer Universität", sagt Volz. Von ihnen würden auch andere Studierende profitieren.
Die Freiburger Studenten überlegen derweil, wie sie auf das Vorgehen der Uni reagieren sollen. Die Mitglieder des unabhängigen Astas diskutieren, ob sie Trainings für Intelligenztests anbieten sollen. "Und wir denken darüber nach, ob wir fordern sollen, dass auch alle Professoren getestet werden und in Zukunft nur noch Hochbegabte lehren dürfen", sagt u-Asta-Vorstand Benjamin Greschbach zu sueddeutsche.de
Damit würden sich die Studenten jedoch womöglich keinen Gefallen tun. Denn so wie ein hoher IQ nicht mit besonderer Leistungsfähigkeit einhergehen muss, verrät er auch nichts über didaktisches Talent.
(sueddeutsche.de)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Die Erkenntnis, dass es allen Menschen wohl ergeht, wenn sie danach trachten, anderen statt nur sich selbst zu nutzen, ist im Zusammenhang mit IQ nicht erwähnenswert?
Für eine sofortige Abschaffung der Studiengebühren ...und dann reden wir über IQ!
Bitte nicht zu ernst nehmen. Ich bin versucht, jeden IQ relativ zum Hintern zu sehen.
Womöglich ist es wie mit der Zeitdilatation. Es gibt einen zweiten Faktor, zu dem diese Quotient in Beziehung gesetzt werden muss. Man hat versucht, den EQ dahin zu trimmen, dass er dazu dienen kann. Aber der zweite Faktor liegt außerhalb des Kopfes und ist noch nicht herausgefunden worden, sonst hätte ich es mitbekommen.
Warum wird hier soviel der "IQ" diskuttiert? Die Zeitung macht die Vorgaben und ...
Der (Trick) Qlou an der Sache ist, dass sich die angeblich klügeren Köpfe somit und jetzt -nach Einführung der Studiengebühren- besser heraussondieren lassen um sie in der Wirtschaft zu verwerten, sprich aufmarschieren zu lassen (Sie können einem wirklich leid tun, diese "schlauen Köpfe"). So entsteht die kommende Generation von Neo-Neoliberal. Das ist Politik.
denn jeder denkt, er hat genug davon.
Anders kann ich mir die massiven Vorbehalte gegen ein vernünftiges Konzept nicht erklären.
Keiner kann heute ernsthaft behaupten, dass Psychometrie bzw. Intelligenzteste unwissenschaftlich seien oder in irgend einer Weise unfair.
In USA ist ein ganz erheblicher Teil der Studenten durch Stipendien finanziert, die sich ausschließlich an dem Highschool-Abschuss orientieren, allerdings mit Sicherheit überwiegend unterhalb eines IQ von 130, dafür gibt es einfach zu wenige davon.
Die Begrenzung auf 3 Semester stellt zudem sicher, dass hier nicht Faulenzer auf Dauer gefördert werden.
Ich finde das großartig.
Dass die Mehrheit dagegen ist, ist nahezu zu erwarten, jedoch kann sie keine rationalen begründungen aufweisen.
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