Ein Gutachten für den Bundestag hinterfragt den Sinn von Studiengebühren.
Der Protest bröckelt, aber die Debatte über Studiengebühren ist längst nicht beendet. In den Bundesländern, die bereits Gebühren haben, werden demnächst Gerichte entscheiden, ob die Einführung rechtens war. In Baden-Württemberg, wo 2500 Klagen vorliegen, wurde das Ministerium nun von Datenschützern gebremst; es hatte die Daten der rebellischen Studenten gesammelt, musste sie aber wieder löschen. Ein Triumph für die Gebühren-Gegner, allerdings nur auf einem Nebenschauplatz.
Momentaufnahme einer Demo gegen Studiengebühren in Gießen im Frühjahr vergangenen Jahres. (© Foto: ddp)
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Ein Feld für Rückzugsgefechte eröffnet derzeit auch die Verwendung des Geldes. Da wachsen die Zweifel, ob die Gebühren wie versprochen einer besseren Lehre dienen, wenn Unis mit dem Geld Imagebroschüren erstellen oder Sportgeräte anschaffen.
Doch auch die Grundsatzfrage bleibt akut: ob etwa Rheinland-Pfalz und Berlin am gebührenfreien Studium festhalten und ob sich die SPD, sollte sie in einem der Gebührenländer an die Macht kommen, treu bleibt und die Campus-Maut wieder abschafft. Eine Entscheidungshilfe liefert jetzt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages. In seinem Gutachten "Zu den Umverteilungswirkungen staatlicher Hochschulfinanzierung" nimmt der Autor Daniel Lübbert ein Standardargument der Gebühren-Freunde auseinander. Diese ärgern die Linken oft mit dem Hinweis, ein kostenfreies Studium bedeute eine Umverteilung von unten nach oben - die Krankenschwester müsse mit ihren Steuern das Studium des Chefarztes bezahlen.
Was plausibel klingt, ist aber äußerst umstritten. Wie das Gutachten bemerkt, gibt es in der Fachliteratur eine "kontroverse Debatte" über die Umverteilungseffekte durch ein gebührenfreies Studium. Je nach Methode kommen Studien zu verschiedenen Ergebnissen: "Keinesfalls zutreffend wäre die Behauptung, eine Umverteilung von unten nach oben sei nachgewiesen", schreibt der Wissenschaftliche Dienst, dessen Expertisen unabhängig von den Parteien erstellt werden.
Die Abgeordneten des Bundestages können ohnehin nicht über Studiengebühren entscheiden; dies ist Sache der Länder. Dennoch gibt das Gutachten, so vorsichtig es formuliert ist, den Gebühren-Gegnern von SPD, Grünen und Linkspartei Rückenwind. Akademiker leisten bereits durch höhere Steuerleistungen einen starken Beitrag zur Uni-Finanzierung. Ein hoher Bildungsstand in der Bevölkerung hat zudem Vorteile für die Volkswirtschaft und die Ordnung des Gemeinwesens, die allen zugute kommen. Betrachtet man Bildung als "öffentliches Gut", wird eine Aufrechnung der individuellen Beiträge fraglich.
Lässt man sich dennoch auf Rechenspiele zu den Renditen eines Studiums ein, sind die Resultate uneinheitlich; die Umverteilungsthese sei "daher nicht geeignet, als maßgebliches Argument für Studiengebühren zu fungieren", heißt es in dem Gutachten. Zudem gäbe es andere Mittel, eine gerechtere Verteilung zu erreichen, sollte es ein Gerechtigkeitsdefizit geben: Statt Gebühren wäre eine Akademikersteuer oder eine höhere Progression in der Einkommensteuer denkbar. Diese träfen Akademiker erst, wenn sie ihr Studium beendet und hohe Einkommen haben. Doch bei solchen Vorschlägen verlieren Gebühren-Verfechter interessanterweise oft ihr Interesse an mehr Gerechtigkeit.
(SZ vom 26.2.2007)
Zum Thema Studiengebühren:
zur Zeit studiere ich Philologie und arbeite nebenher und der Nebenjob wirkt sich negativ auf meine Noten aus. Ich selbst versuche das recht gut zu balancieren und es ist ok für mich, da ich durch meinen Nebenjob gleich noch Berufserfahrung sammeln kann und es mir Spass macht zu arbeiten. Allerdings bleibt da wenig Zeit für ausführliche Lektüre.
Ich kenne auch einige Medizinstudenten in solch einer Situation und ich frage mich, wie der Staat so etwas zulassen kann. Anstatt sie zu unterstützen sollen sie jetzt noch Studiengebühren bezahlen. Ein paar Vokabeln lernen kann ja jeder, aber Ärzte haben doch wirklich Verantwortung und sollten deshalb unterstützt werden. Besonders, wenn man sich das Gesundheitssystem in Deutschland anschaut; wie lange sie arbeiten müssen und dass sie ständig überfordert werden. Es ist doch wichtig, dass wir Studenten in Gesundheitsberufen motivieren. Der Patient sollte doch im Mittelpunkt stehen.
Zudem sehe ich uns Studenten als Chance für unsere Familien und Freunde: Wir können ihnen zeigen, dass ein Studium doch Sinn hat und dass Bildung wichtig für unsere Gesellschaft ist. Meiner Meinung nach wird das sehr unterschätzt heutzutage. Besonders in Deutschland fehlt vor allem ein Dialog zwischen den Generationen und die Flexibilität gegenüber anderen Kulturen, Sitten und Bräuchen = Integration. Wenn wir das vermitteln sollen, brauchen wir Unterstützung, besonders für Studenten aus sozial schwachen Familien! Denn das jonglieren von Studium, Job, Familie, WG ist besonders am Anfang überwältigend.
Dabei ist eigentlich die richtige und frühe Information wichtig. Ich finde es wichtig, neben dem Studium Arbeitserfahrung zu sammeln. Die meisten Studenten wissen aber gar nicht, wie man eine Arbeit sucht oder ein Praktikum. Wenn sie besser und früher informiert werden, können sie auch erfolgreich studieren. Homepages bieten da Unterstützung, aber am besten ist immer noch der Dialog und für den muss man Zeit finden!
Oft gebe ich zusätzlich Nachhilfe und wenn ich die Schüler in der 5. Klasse sehe, welche gerade aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen sind, macht es mich traurig, weil ich weiss, dass sie nicht studieren werden können, da sie jetzt bereits mit ihrer Situation überfordert sind. Der Vater trinkt und ist arbeitslos, die Mutter geht putzen, aber das reicht nicht und das Kind soll das alles managen. Meiner Meinung nach sollten ein paar Lehrer Nachhilfe kriegen, oder Fortildungen, in welchen sie daran erinnert werden, dass sie soziale Verantwortung haben und dass sie Vorbilder sind. Wenn sie dann damit argumentieren, dass sie ja nicht verantwortlich für die Familie sind und dass sie überfordert sind, sind sie für mich nicht fähig diesen Beruf auszuüben. Dann sollten sie mal wieder an die Uni gehen und sich mit ein paar Medizinstudenten unterhalten.
Ich bin der Auffassung, dass man auch bedenken sollte, dass Studiengebuehren auch weitreichendere Konequenzen haben. In Grossbritannien ist zumindest die Universitaet (Aberdeen), an der ich gerade studiere einem Wirtschaftsunternehmen nicht ganz unaehnlich. Und eine Industrialisierung der Bildung oder eine Degradierung der Universitaet zu einem reinen Dienstleistungsunternehmen bringt wahrscheinlich auch nicht die so heiss ersehnten Spitzenkraefte hervor. Einerseits ist es ja schoen, dass man sein Degree in der festgelegten Zeit bekommt und auch ein verbuergtes Anrecht hat auf die drei bis vier Kurse pro Term fuer die man bezahlt hat. Auf der anderen Seite muss man dann fuer jedes bisschen, was man mehr besuchen moechte, extra zahlen, was einer ganzheitlichen Bildung wohl nicht ganz zutraeglich ist. Ich kann auch nicht bestaetigen, dass die Studenten hier, weil sie ein Vermögen bezahlen, mehr für ihr Studium machen als die in Deutschland. Die Lehrkoerper hier, vorallem die jungen sind auch bei weitem nicht so gut wie die in Deutschland in einer vergleichbaren Position. Was auch daran liegt, dass sie ( brit. Dozenten) nur die vorgeschriebenen Kurse besucht haben (mangels Alternativen), die sie dann später selbst unterrichten und darueber hinaus nicht vielmehr mitbringen... Eine Diskussion ueber diesen Aspekt der Studiengebuehren koennte man ruhig auch mal in einem großen Rahmen führen, anstatt immer alles unbedacht zu adaptieren.
Ich habe mal ne gaz simple Rechnung aufgemacht, die so zwar keine genauen Zahlen liefert, aber zumindest die Richtung anzeigt.
Wir gehen von 2 Personen aus, einem Rechtsanwalt, der 5000 Euro pro Monat verdient und bis zum 26. Lebensjahr für Abitur und Studium büffeln musste. Daneben haben wir einen Friseur, welcher 1800 Euro pro Monat verdient und mit 16 angefangen hat zu arbeiten. Der Rechtsanwalt zahlt 40% Spitzensteuersatz und der Friseur 30%, dazu gibts dann noch 12.000 Euro Freibetrag pro Jahr. Das heist, das der Rechtsanwalt pro Monat 4000 Euro versteueren muss und der Friseur 800 Euro. Rechnet man nun bis zum 65. Lebensjahr hoch, wieviel Steuern diejenigen jeweils einzahlen, dann kommt dabei raus, das der Friseur ca. 120.000 Euro in seinem gesamten Leben an den Staat zurück zahlt, während der Rechtsanwalt ca. 720.000 Euro zurück zahlt. Während der Rechtanwalt also 10 Jahre weniger arbeitet und "nur" das 2,5 fache verdient, zahlt er das 6fache an Steuern. Ein Rechtsanwalt, der wegen Studiengebühren nicht studiert hat und deswegen lieber Friseur geworden ist, ist ein Verdienstausfall von 600.000 Euro für den Staat, und das nur, weil der Staat sich weigert 6.000 Euro weiterhin selber zu bezahlen (Bei 12 Semestern a 500 Euro)
Es gibt noch dutzende andere ökonomische wie auch soziale Argumente gegen Studiengebühren, aber die kann man schliesslich auf den einschlägigen Seiten problemlos nachlesen.
Ich weise hier nur darauf hin, das am 14.03. in Münster (Westf) an der Uni die Senatssitzung statt findet, auf der über die Einführung von Studiengebühren entschieden wird. Wir mobilisieren so viele Leute wie möglich und würden uns freuen, wenn du auch kommst. Um 14:00 Uhr gehts am Bahnhof los und um 16:00 Uhr beginnt die Senatssitzung im Schloss.
Stimmt! Da meine Kinder keinen BAföG - Anspruch haben, verfolgte ich die Diskussion nicht weiter. Gleichwohl, ist im übrigen nichts von dem wegzustreichen, was ich zuvor ausführte.
Interessant wäre für die Leser mal eine NETTO-Steuerbilanz:
wieviel zahlen Arbeitnehmer und Rentner an Lohn- und Einkommensteuer, Mehrwertsteuer. Wieviel Transfergelder werden davon an DIESE Personengruppe entrichtet.
wieviel zahlen Unternehmen an Steuern und wieviel erhalten sie direkt als Subventionen von Bund, Länder und Kommunen oder indirekt aus Brüssel (auch von den Arbeitnehmern aufgebracht). Wieviel Subventionen erhalten sie über Lohnzuschüsse, Vermittlungsgebühren etc).
Bitte nicht vergessen, dass Unternehmen die MwSt nur durchleiten, d.h, die ihnen berechnete MwSt, zuallermeist als Vorsteuer abzubsfähig ist und am Ende alles nur der Endverbraucher zu bezahlen hat.
WANN, liebe SZ, dürfen wir Leser diese NETTO-Steuerbilanz sehen?
Auch Bafög-Empfänger müssen Studiengebühren entrichten!
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