Studiengebühren verbessern die Lehre, sagen die Rektoren - und streiten schon über die Höhe der Beiträge.
Er darf nicht und er will nicht. Burkhart Rauhut darf seine Studenten nicht zur Kasse bitten; er würde es auch gar nicht wollen, "zumindest nicht, solange nicht alles sozialverträglich geregelt ist". Und doch weiß der Aachener Rektor genau, was er mit Gebühren anfangen würde. "Das Geld würde natürlich dafür verwendet, die Lehre zu verbessern", sagt Rauhut: "Nur so haben die, die zahlen, auch etwas davon."
Protest gegen die Einführung von Studiengebühren (© Foto: dpa)
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Mehr als 30 000 Studenten zählt die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die als Ingenieurschmiede weltweit hohes Ansehen genießt. Würde jeder von ihnen die von unionsregierten Ländern angepeilten Studiengebühren von 500 Euro pro Semester zahlen, kämen pro Jahr 30 Millionen Euro zusammen. Der Jahresetat für die Hochschule beträgt fast 300 Millionen Euro; mit dem angrenzenden Klinikum und den Forschungsgeldern aus der Industrie gar mehr als 800 Millionen. Aber immerhin: "350 neue Leute könnten wir schon einstellen, um die Ausbildung der Studenten zu verbessern", sagt Rauhut.
Mehr Tutoren, mehr Bücher
Auch andere Rektoren würden die zusätzlichen Millionen in die Lehre fließen lassen. Heidelbergs Rektor Peter Hommelhoff will seine Fakultäten, vor allem aber die Studenten, um Vorschläge bitten. Mit Sicherheit kämen dann Wünsche nach "mehr Tutoren, mehr Lehrbüchern oder besserer Studienberatung".
Für jene Unis, die noch kein Verteilungsmodell in der Schublade haben, will die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) demnächst eine "Handreichung herausgeben", so HRK-Präsident Peter Gaehtgens: "Studenten klagen vor allem über zu kurze Bibliotheks-Öffnungszeiten, mangelhafte Betreuung und schlecht ausgestattete Labors". Dafür müssten die Gebühren eingesetzt werden, die in der Regel zehn Prozent des Gesamtetats für die Lehre ausmachten. Auch "Career Centers", welche die Absolventen bei der Jobsuche beraten, seien dringend nötig, sagt Gaehtgens. Außerdem müssten die Unis mit den Gebühren auch mehr Verantwortung für die sozialen Belange der Studenten übernehmen.
Wie hoch die Semesterbeiträge ausfallen werden, ist noch offen. Hommelhoff plädiert dafür, sich "von der 500-Euro-Einheitssauce" zu verabschieden und dies nur als Mittelwert zu sehen. Das aber würde bedeuten, dass Studenten in teuren Fächern wie Medizin mehr als angehende Germanisten berappen müssten und auch mehr als die 500 Euro. Auch Gaehtgens will, dass die Hochschulen die Beiträge selbst festlegen können, abhängig vom Studienfach: "Das aber müssen wir den Ländern noch klar machen".
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