Die Union versucht, Studiengebühren als zumutbare Investition in die eigene Karriere darzustellen. Doch viele Studenten müssen bereits strampeln, um ihre Miete bezahlen zu können.
Auf diesen Tag haben die Studenten gewartet. An diesem Mittwoch will die SPD beweisen, wie ernst ihr der Widerstand gegen Studiengebühren ist. Gemeinsam mit den Grünen will sie in Hessen einen Antrag ins Parlament einbringen, der Roland Koch zwingen soll, die unpopulären Semesterbeiträge abzuschaffen. In keinem anderen Bundesland war der Protest der Studenten gegen die Gebühren so heftig wie in Hessen. Koch stellte sich taub und trieb so auch gemäßigte junge Leute nach links.
Die hessische SPD vertritt ein radikales Gratismodell: Sie will die Gebühren für Erststudierende und Langzeitstudenten abschaffen. (© Foto: ap)
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Seit langem versucht die Union, Studiengebühren als zumutbare Investition in die eigene Karriere darzustellen. Doch viele Studenten müssen bereits strampeln, um ihre Miete bezahlen zu können. Verglichen mit den oft horrenden Kosten für einen Kindergartenplatz wirken die 1000 Euro im Jahr, die ein Student zahlen muss, zwar eher harmlos. Aber wenn die Eltern das Geld nicht vorstrecken, und der Student ein Darlehen aufnimmt, steht er später mit hohen Schulden da. Das schreckt vor allem jene ab, die es ohnehin zu selten an eine Uni schaffen: die Kinder der Arbeiter und Arbeitslosen.
Radikales Gratismodell
Um sich als große Studenten-Partei zu profilieren, zahlt die SPD in Hessen nun aber einen hohen politischen Preis. Sie muss auf die Stimmen der Linken setzen, ohne sie gibt es keine Mehrheit. Im Vergleich zu anderen Landesverbänden vertritt die Hessen-SPD auch ein sehr radikales Gratismodell. Sie will nämlich sogar bei Langzeitstudenten auf Gebühren verzichten, obwohl diese ein sinnvolles Signal sein können, sich bitte nicht gar zu bequem im Hörsaal einzurichten.
Um bei Studenten dauerhaft zu punkten, wird es nicht ausreichen, flugs alle Gebühren zu streichen. Die Unis brauchen ja das Geld. Wenn Service und Ausstattung so verlottern, wie dies auch unter SPD-Regierungen der Fall war, wachsen die Zweifel, ob der Staat seiner Verantwortung als Finanzier der Hochschulen gewachsen ist. Die SPD muss beweisen, dass sie den Unis einen Verlust der Gebühren wirklich auf Dauer ausgleichen kann. Sonst blamiert sie sich.
Bildung als öffentliches Gut
In Hamburg reift derweil ein Modell, mit dem die Union versuchen könnte, ihr kaltherziges Kassierer-Image loszuwerden: Die Gebühren sollen erst nach Ende des Studiums fällig werden und nur dann, wenn die Absolventen genug verdienen. So entfielen Zinsen und der Griff ins Portemonnaie der Eltern. Gegen diese Akademiker-Abgabe spricht aber immer noch, dass Bildung ein öffentliches Gut ist, bei dem man nicht die individuelle Nutzung abrechnet.
Will man denn, dass es bei den Bildungskosten zugeht wie in einer WG, in der lauter kleine Westerwelles wohnen, die sich gegenseitig vorrechnen, wer wie viel Strom verbraucht hat? Die Ausbildung von Akademikern ist eine Aufgabe, die die Gesellschaft solidarisch tragen muss. Um zu verhindern, dass Krankenschwestern und Verkäufer das Studium der Ärzte und Manager finanzieren, helfen Studiengebühren nicht. Dazu braucht es ein gerechtes Steuersystem.
(SZ vom 09.04.2008/sam)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
... die "nervöse Mittelschicht", die jetzt so Angst um ihre gestressten "G8"-Kinder hat, jemals einen "Aufstand" gegen Studiengebühren unternommen?
Mehr Arbeit für die Studenten ja, für mich auch. 1x pro Woche Nachhilfe, d.h. weniger Zeit zum Lernen, für die Familie, weniger Lebensqualität. Ich werde auch versuchen, mich ab dem nächsten Semester befreien zu lassen, weil ich es sonst aus familiären Gründen nicht mehr auf die Reihe bekomme; Nachwuchssorgen.
Was dem gegenüber steht, sind ein Haufen guter Tutorien, die es früher nicht gab, Wahlfächer, die es nicht gab, frei zugängliches IT-Equipment, Bücherzuschüsse, längere Öffnungszeiten von Mensa, Bibliothek und Rechenzentrum, subventionierte Speisen und Getränke, gratis Skripte, gratis Software (Betriebssysteme, Zeichensoftware, etc), ein FH-Kinderhort, aktuelle Medienausstattung der Vorlesungsräume, Studien- und Messefahrtenzuschüsse, um mal ein paar Sachen zu nennen.
Was genau mit dem Geld jeweils gemacht werden soll, wird bei uns immer in mehreren öffentlichen Sitzungen beratschlagt.
Was bringen Studiengebühren denn?
Ganz einfach nichts, ausser daß ein Student mehr arbeiten muss und ich spreche hier aus
Erfahrung.
Gerade an Fachhochschulen sind Kooperationen zwischen Wirtschaft und Schulen nichts ungewöhnliches. Professoren erhalten als Sachverständige auch von Firmen Geld, halten für Firmen Vorträge, Schulen erhalten für ihre Labore ausgediente Gerätschaften, stellen billige weil studentische Arbeitskräfte in Form von Praktikanten etc etc..
Dass hier von einigen Professoren auch Misswirtschaft betrieben wird, ist naheliegend - beispielsweise wenn ein Professor für sein Labor von der FH ein teures Gerät anschaffen lässt und dann damit für eine Firma forscht, für sie Vorträge hält und somit indirekt bezahlt wird. Wenn in so einem Forschungsvorhaben aber Studenten eingebunden sind, dann ist es schwierig, den Vorgang anzuprangern - "schliesslich profitiert ja die Bildung".
Hier ist u.a. eine fähige Studentenvertretung gefragt, die sich auch die Zeit nimmt, die halbjährlich anfallenden Anschaffungslisten durchzugehen.
Ein Manko des Prinzips der Studiengebühren sehe ich hier überhaupt nicht.
Die Entlastung des Bundes durch die Studiengebühren ausländischer Studenten war lange überfällig, so bezahlen unsere Studenten im Ausland meist auch mehr als genug.
Sie haben recht, wenn es mich wirklich interessiert könnte ich ja mal nachfragen aber darum geht es mir nicht.
Es geht mir darum wie es uns verkauft wird, die Aufgaben einer Uni sind Lehre und Forschung.
Zur Lehre kann ich nur sagen, daß die Ausbildung weit weniger Geld kostet als immer behauptet wird, der Großteil des Geldes fließt höchstwahrscheinlich in die Forschung.
Zufällig habe ich mal mitbekommen, daß in einer Kooperation zwischen Wirtschaft und Uni, die hälfte der Forschungsgelder von der Wirtschaft und die andere hälfte von der Uni getragen wurden.
Das Ergebnis dieser Arbeiten landete anschliessend beim Kooperationspartner in der Wirtschaft.
Daran ist erstmal nichts auszusetzen allerdings stört es mich, daß die Studenten für Forschung, die zunächst nicht ihre Aufgabe ist, bezahlen.Zumal die Ergebnisse in der Privatwirtschaft verwertet werden.
Mich nervt nur die Verlogenheit mit der man Studiengebühren zu rechtfertigen versucht.
Paging