Die Studiengebühren spülen Millionen in die Hochschulkassen. Doch statt das Geld in eine Verbesserung der Lehre zu investieren, werden marode Gebäude saniert und Kreide gekauft. Studentenvertreter protestieren.
Laut Statistischem Bundesamt steigt die Zahl der Studienanfänger erstmals seit 2003 wieder an - doch nur in Ländern, deren Unis bisher keine Studiengebühren verlangen. In Hessen, Baden-Württemberg oder dem Saarland schrieben sich dagegen weniger Studenten ein als in den Vorjahren. Hinzu kommt, dass dort die Gebühren offenbar häufig nicht für ihr eigentliches Ziel - die Verbesserung der Lehre - eingesetzt werden. sueddeutsche.de sprach mit Imke Buß, Vorstand des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), der über eine Million Studenten in Deutschland vertritt.
fzs-Vertreterin Imke Buss: "Die Unis bedienen sich allerlei Tricks." (© Foto: fzs)
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sueddeutsche.de: Die Zunahme der Studienanfänger an deutschen Unis wird von Bildungspolitikern als Erfolg verbucht. Dies sei der erste Schritt zu mehr Akademikern, die Deutschland dringend brauche.
Imke Buß: Schaut man sich die Statistik genau an, sieht man, dass sich zwar die Zahl der Studienanfänger erhöht hat. Gleichzeitig haben aber auch mehr Schüler das Abitur gemacht. Deshalb sagt diese Zunahme überhaupt nichts aus. Von ihrem Ziel, 40 Prozent eines Abiturjahrgangs an die Hochschulen zu bringen, ist die Bundesregierung viel weiter entfernt, als sie Glauben machen will. Die miese Situation an vielen Hochschulen und die Studiengebühren halten viele Abiturienten von einem Studium ab. In so einem System ist die im Grundgesetz garantierte freie Berufswahl nicht möglich.
sueddeutsche.de: Die Bundesregierung verletzt das Grundgesetz?
Buß: Natürlich. Ich kenne Fälle, in denen sich Leute mit einem guten Abitur an 20 oder sogar 30 Universitäten beworben haben und trotzdem nicht das studieren konnten, was sie wollten, weil einfach nicht genug Plätze zur Verfügung stehen. Manche entscheiden sich dann dafür, auf einen Studienplatz zu warten, manchmal ganze zwei Jahre lang. Das ist eine Vergeudung von Ressourcen. Und die Studiengebühren halten viele Abiturienten davon ab, überhaupt zu studieren. Wir wollen, dass die Gebühren abgeschafft werden und so wieder mehr Freiheit entsteht. Wir brauchen ein anderes System der Studienfinanzierung.
sueddeutsche.de: Wie soll das aussehen?
Buß: Wir plädieren für ein Studienplatzfinanzierungs-Ausgleichsmodell. Sein Herkunftsland muss dem Studenten das Studium finanzieren, auch dann, wenn er in einem anderen Bundesland studiert. Geht ein Student etwa von Hessen nach Bremen, muss dennoch Hessen für die Kosten aufkommen. So können sich Bundesländer, die nicht genug Studienplätze zur Verfügung stellen, nicht mehr aus der Affäre ziehen. Geht der Student in ein anderes Land, das bereits Gebühren verlangt, sollte sich der Betrag, den das Heimatland zahlen muss, um diese Gebühren verringern.
sueddeutsche.de: Viele Länder wollen gar nicht mehr Studenten, weil mit jedem Immatrikulierten die Kosten steigen.
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Moderne Verwaltung
leider ist das so: zu den demos zumindest in unserer stadt kamen immer zuwenig leute. das liegt m.E. in nrw vor allem an der salamitaktik, die hier gefahren wurde:
1.) als nach und nach der eine oder andere fakultäre bibliotheksstandort eingespart wurde, erklärte sich so mancher für nichtbetroffen und ließ andere demonstrieren. die
alleingelassenen sahen folgerichtig auch nicht ein, warum sie zu den demos der später dann doch betroffenen gehen sollten.
2.) bei der delegierung von nichtwirtschaftsorientierten seminaren an andere unis das
gleiche spiel ("2x das gleiche fach mit beklopptem namen in 50km umkreis? das geht nun
wirklich nicht!). da durfte dann mancher studienverlängernd zwischen zwei unis hin und her gondeln, was dem abbau der "langzeitstudenten" nicht unbedingt förderlich war.
3.) dann die einführung der gebühren für "langzeitstudenten" (im übrigen in der regel leute,
die ihr studium durch arbeit selbst finanzierten, statt sich von den eltern aushalten zu
lassen). die masse mal wieder (noch) nicht betroffen...die allgemeinen studiengebühren
wurden zwar diskutiert, aber alles lag noch so fern...
4.) ja, und dann waren die studiengebühren da. die waren sogar billiger als die
langzeitgebühren, da konnte ja auch wieder ein teil erleichtert sein und die anderen im
regen stehen lassen....
inzwischen sieht die finanzielle situation für studenten so aus: bis zu 500 euro studiengebühr zzgl. des (immer wieder übersehenen) universitären studienbeitrags in höhe von inzwischen etwa 200 euro (studieren war noch nie "kostenlos"). insgesamt also eine belastung von bis zu 700 euro pro semester.
wer sein studium durch arbeit selbst finanziert, darf fatalerweise nur 20 stunden pro woche arbeiten und erhält in der regel höchstens 8 euro pro stunde, sein monatsgehalt läge somit ungefähr auf hartz4-niveau (könnte ein hartz4ler über 100 euro im monat ansparen?).
eine aufstockung durch mehrarbeit in den semesterferien ist zwar theoretisch möglich,
allerdings gehen selbst die arbeitgeber, die diesen saisonalen mehrbedarf hätten, vielfach dazu über, durchgehend auf 20 stunden zu begrenzen, um scherereien mit dem steuerprüfer zu vermeiden (zeitarbeit ist da praktischer). es gibt inzwischen studenten, deren studium sich überwiegend aus legalem 20stunden-studentenjob und schwarzarbeit zusammensetzt, um die paar wochenstunden in der uni, für die sie noch zeit haben, bezahlen zu können. gleichzeitig muss eventuell noch der raum zwischen zwei jobs finanziell überbrückt werden.
die einführung des verschulten bachelor-systems verhindert zudem neuerdings eine freie stundenplangestaltung und sabotiert somit auch eine geregelte nebenerwerbstätigkeit zwischen 8 und 19 uhr(nebenbei zum mythos vom langschläferstudenten: schonmal dran gedacht, dass der bis mittags im bett liegende student eventuell auch bis vier uhr morgens in ihrer
stammkneipe für 6eurofuffzich die stunde bier gezapft haben könnte?).
studiengebühren sind also in der regel nur (schuldenfrei) bezahlbar durch finanzielle
zuwendungen aus dem elternhaus oder durch illegale schwarz- und mehrarbeit und steuerbetrug.
die zeitgleich mit der einführung der studiengebühren geschaffene möglichkeit des verzinsten studienkredits ist m.E. nur der versuch, bei denjenigen doppelt abzukassieren, die sträflicherweise trotz der aufgebauten finanziellen hürden nicht "bei schusters leisten" bleiben wollen und sich dafür auf jahre verschulden müssen. dass nachkommen einkommensstarker elternhäuser und künftige erben von anwaltskanzleien und arztpraxen somit erhebliche vorteile im studium und danach genießen, dürfte auf der hand liege
Wenn wirklich sooo viele Studenten gegen die Studiengebühren wären, dann sollen Sie doch mal für ihre Rechte mal richtig Action machen....
frei nach "Die ärtze" aus dem Lied "Deine Schuld" :
"...geh' mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren, denn wer nicht kämpft, kann nur verlieren..."
Der gesamte Liedtext passt übrigens auf viele Themen zu denen nur "gejammert" wird.
dass die Studiengebühren zweckentfremdet werden. Aber das kennt man ja vom Solidaritätszuschlag schon.
Mehr dazu könnte ich heute Abend schreiben.
Also ich bin auch eher dafür, dass Studiengebühren "zweckentfremdet" werden sollen, dass einige Löcher in der Uni geflickt werden. Löcher im wahrsten Sinne des Wortes, weil bei uns Eimer rum stehen, wenn´s mal länger regnet und es auch schon vorgekommen ist, dass Klausur in einem ungeheizten Hörsaal geschrieben wurde, im Winter wohlgemerkt und wir mit der Jacke drin saßen. Und sowas an einer bayerischen Uni...
Anscheinend wäre das Geld ja da...wir werden jedenfalls immer angetrieben uns Bücher für die Bib bestellen zu lassen, weil man anscheinend nicht weiß, wohin man soviel Geld packen soll.
In den Geisteswissenschaften weiß ich einen bestimmten Fall, wo das Lehrangebot von 3 überfüllten Seminaren auf 12 Seminare ausgedehnt wurde, was ja grundlegen Sinn macht, jedoch sollte man sich Fragen wieviel Sinn es macht, wenn da in nem Seminar nur 3 Leute sitzen und man auf einmal ein Problem mit der Auslastung der Räumlichkeiten bekommt...
Das alles hört sich sehr nach einem überschuss an Geld an, der für die Punkte, an denen es wirklich brennt, nicht verwendet werden darf...
Mal sehen wohin das alles führt...
Paging