Von Birgit Taffertshofer

Bayern startet ein Kreditprogramm für Studenten.

In Bayern werden vom Sommersemester 2007 an Kredite an Studenten vergeben, damit diese ihre Studiengebühren bezahlen können. Der variable Zinssatz soll sich am Markt orientieren - derzeit würde er 5,95 Prozent betragen. Die Lfa Förderbank und die KfW Bankengruppe wollen bei der Vergabe auf Sicherheiten verzichten. Weder das Einkommen der Eltern noch eigenes Vermögen werden angerechnet. "Damit ist gewährleistet, dass alle begabten jungen Menschen ein Studium aufnehmen können", sagte Wissenschaftsminister Thomas Goppel bei der Vorstellung des Konzepts.

Studiengebühren in Bayern: Bayern startet ein Kreditprogramm für Studenten.

Erst studieren, dann zahlen: Der Kredit muss erst ein bis zwei Jahre nach dem Studium getilgt werden. (© Foto: sueddeutsche.de)

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Höchstens 1000 Euro pro Jahr

Während bislang ein Zinssatz von 5,1 Prozent im Gespräch war, könnten die jährlichen Zinsen für Studenten nun deutlich höher ausfallen. Zwar soll mit jedem Antragsteller ein Höchstsatz vereinbart werden, der 15 Jahre lang gilt. Allerdings würde dieser momentan immerhin bei 8,38 Prozent liegen. Der Studienkredit wird in der Regel für zehn Semester gewährt, in Ausnahmefällen können es auch 14 Semester sein. Die Höhe des Darlehens richtet sich nach der Studiengebühr an der Hochschule. Da der gesetzliche Höchstbetrag für Studiengebühren 500 Euro pro Semester beträgt, können sich Studenten also höchstens 1000 Euro pro Jahr ausleihen. Der Studierende darf laut Goppel jedes Semester neu entscheiden, ob er das Darlehen in Anspruch nimmt.

Nach Ende des Studiums müssen Absolventen nicht sofort mit der Tilgung des Kredits beginnen, sondern erst nach einer Karenzfrist zwischen 18 bis 24 Monaten. Damit will der Wissenschaftsminister sicherstellen, dass die Studierenden genügend Zeit haben, sich beruflich zu orientieren. Außerdem müsse erst ab einem gewissen Mindesteinkommen zurückbezahlt werden, das derzeit für Unverheiratete bei 1060 Euro monatlich liegt, erklärte Goppel. "Wer diese Einkommensgrenze nicht erreicht, dem werden die Schulden gestundet." Während dieser Phase würden keine weiteren Zinsen anfallen. "Niemand muss befürchten, dass die Schulden immer weiter wachsen", betonte er.

Um BAföG-Empfänger zu entlasten, gibt es eine Verschuldungsobergrenze in Höhe von insgesamt 15.000 Euro. "Alles, was darüber hinaus geht, wird erlassen", sagte Goppel. Die Tilgung des Studienbeitragsdarlehens samt der Zinsen könne sowohl in einer einmaligen Zahlung als auch in monatlichen Raten erfolgen. Dabei bestehe die Möglichkeit, die Rückzahlung auf bis zu 25 Jahre auszudehnen.

Entstanden ist das bayerische Konzept in Zusammenarbeit mit der halbstaatlichen Lfa Förderbank Bayern und der KfW Bankengruppe, die sich um die Abwicklung kümmern. Geplant ist, dass sämtliche Kosten - für Verwaltung, Risiken und die sozialverträgliche Ausgestaltung - aus zwei Quellen gedeckt werden: aus der Zinsmarge und aus einem Sicherheitsfonds, in den zehn Prozent der Einnahmen aus den Studiengebühren fließen werden. Also jährlich etwa 20 Millionen Euro. "Das klingt zunächst viel", räumte der stellvertretende LfA-Vorstandsvorsitzende Michael Schneider ein. Allerdings werde die Belastung des Sicherheitsfonds steigen, etwa durch Ausfälle bei der Rückzahlung. Vor allem bei ausländischen Studenten, die nach dem Studium wieder in ihre Heimat zurückkehren, erwarte er Probleme beim Eintreiben der Schulden.

Trotz des Darlehens befürchten Studentenvertreter, dass bis zu 20 Prozent der Abiturienten durch die Gebühren vom Studium abgeschreckt werden könnten. "Mit 15.000 Euro Schulden ins Berufsleben zu starten, ist jedenfalls keine schöne Perspektive", sagte der Münchner Asta-Sprecher Thomas Honesz.

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(SZ vom 11.10.2006)