Die Gegner gegen Studiengebühren müssen erneut eine Niederlage einstecken. Richtig ist ihr Protest dennoch.
Es war der letzte verzweifelte Versuch einzelner Studenten an den Studiengebühren vorbeizukommen. Sie haben vor Gericht dagegen geklagt. Umsonst: Das Freiburger Verwaltungsgericht hat die Klage am Mittwoch im ersten Musterprozess abgewiesen.
Studenten auf einer Demo gegen Studiengebühren. (© Foto: dpa)
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Die Argumente ihres Anwalts, dass die Studiengebühren gegen das Grundgesetz verstießen und gerade Arme davon Nachteile hätten, haben ihnen nichts geholfen.
Viele Studierende (und ihre Eltern) spüren die Gebühren deutlich, die in vielen Bundesländern inzwischen erhoben werden. Eine Hochschulausbildung kostet sehr viel Geld. 770 Euro im Monat brauchen Studierende im Schnitt wie die jüngste Sozialerhebung des Studentenwerks zeigt. Studieren können sich 90 Prozent der Kommilitonen nur leisten, weil Papa und Mama kräftig mitzahlen. Zwei Drittel müssen zudem jobben, um über die Runden zu kommen. Für einen Studenten, der zusehen muss, wie er über die Runden kommt, sind Gebühren von 500 Euro pro Semester viel Geld.
Dennoch: Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Januar 2005, dass die Bundesländer Studiengebühren erheben dürfen, blieb der große Protest aus. Sicher gab es immer wieder Demos und in manchen Hochschulen auch Rektoratsbesetzungen. Erst diesen Mittwoch haben sich in Frankfurt einige hundert Studenten zu einer spontanen Demo getroffen. Gebührengegner haben an vielen Hochschulorten versucht, einen Boykott durchzusetzen - nach dem Motto "Stell dir vor, es gibt Studiengebühren und keiner zahlt sie". Aber selbst wenn mancherorts einige Tausend mitgemacht haben: Zum Erfolg hat es nie gereicht.
So waren es auch nur einzelne, die den Weg vor Gericht eingeschlagen haben. An baden-württembergischen Gerichten sind rund 2500 Klagen anhängig - nicht viel, bei fast zwei Millionen Studierenden in Deutschland.
Die große Masse, sie schweigt und studiert - und nimmt es hin, dass die Studienbeiträge die Studienbedingungen kaum verbessert haben.
Nein, danke
Wer auch schweigt, sind all jene, die Gebühren von einer Hochschulausbildung abbringen. Sie studieren einfach nicht. In den vergangenen Jahren ist die Studienanfängerquote gesunken - nach einem Höchststand von fast 39 Prozent im Jahr 2003 liegt sie nun bei 35 Prozent. Dabei sollen mehr junge Menschen studieren. 40 Prozent schweben Bundesbildungsministerin Schavan vor.
Gebühren sind da ein völlig falsches Signal. Sie schrecken ab und gehen Das spürt natürlich nur, wer wenig Geld hat. Wer zuhause reich bestückt wird, zahlt die 500 Euro locker. Wer wenig hat, muss halt knapsen. Stipendien gibt es bei weitem nicht genug. Und Kredite sind keine Alternative. Wer verschuldet sich schon gern in jungen Jahren? Wer auf Kredit studiert, steht schnell mit mehreren zehntausend Euro in der Kreide.
Gebührenbefürworter argumentieren, dass sich ein Studium auszahlt. Das stimmt auch: Es ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Aber es ist noch lange keine Gewähr für das große Geld. In den wenigsten Fachrichtungen, wie Ingenieurwesen und Informatik, steigen Berufsanfänger mit Jahresgehältern von 40.000 Euro ein. Andere Akademiker halten sich über Jahre hinweg nur mit Honorar- oder Teilzeitjobs über Wasser.
Gebühren seien Pflicht und wer nicht zahlt, werde exmatrikuliert, hat Baden-Württembergs Bildungsminister Peter Frankenberg einmal den Gebührengegnern vorgehalten.
Zahlen, nichts anderes bleibt nun den Freiburger Klägern - darunter eine alleinerziehende Mutter, eine Schwangere und zwei Zivildienstleistende - übrig. Sie müssen die Gerichtskosten tragen und werden auch die 500 Euro irgendwie locker machen müssen - es sei denn, sie gehen in Berufung.
(sueddeutsche.de)
Eurovision Song Contest
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich habe nie behauptet, dass ich neben meinem Jurastudium nicht arbeiten könnte. Denn es stimmt wohl, dass das Jurastudium ein totaler Witz ist. Allerdings ändert sich dies, wenn man sich im letzten Jahr vor dem Examen befindet. Aber das hast Du ja selbst zugegeben...
In diesem Sinne... *quack quack*
Politiker und Wirtschaft jammern über fehlende Ingenieure und Naturwissenschaftler. Um diesen Mangel an Technikern und Naturwissenschaftlern zu beheben führen die Politiker Studiengebühren ein. Unsinniger kann man es nicht machen. Ich frage mich, ob die Befürworter der Studiengebühren keine Ohrfeigen verdienen.
Die Wirtschaft könnte sich auch den Studenten annehmen und bei guter Leistung ein Firmenstipendium stiften. Ferienarbeit von einem Monat kann keinem schaden. Wenn ein zukünftiger Maschinenbauer mal eine Fabrik von innen sieht, Arbeitsabläufe und Anlagen sieht, ist es ein Gewinn.
Dass jetzt nur noch die Kinder der Begüterten studieren können, ist ein Skandal. Die Studiengebühren führen dazu, dass fähige Kinder von Armen von einem Studium ferngehalten werden. Aber gerade die Fähigen und Strebsamen werden von der Gesellschaft gebraucht und nicht die mit dem silbernen Löffel im Mund Geborenen, denen schon das Atmen zu mühselig erscheint.
Wie kann ein Volk auf diese Ressourcen verzichten? Wie kann ein Volk derartige Politiker wählen?
Wenn ich hier manche Kommentare lese, dann kommen mir wirklich die Tränen, aber vor lauter Fremdschämen. Insbesondere wenn man so schlaue Kommentare liest à la "Wenn man Jura studiert, kann man in der Regel nicht arbeiten." Was für ein nonsens, und dass sage ich jetzt mit durchaus in polemischer Absicht, wobei das nicht heißen soll, dass ich grundsätzlich für Studiengebühren sei. Ich hätte da auch leicht reden, denn an mir ging der Kelch vorüber, denn ich habe vor zwei Jahren mein Jurastudium beendet, leider muss jetzt meine kleine Schwester (respektive meine Eltern) zahlen.
Aber folgendes sei feststellen:
Den Snobismus, den hier ach so viele arme Studenten hegen und pflegen, ist doch lächerlich, ganz sicher zumindest derer der Jurastudenten, die mal von ihrem hohen Ross runter kommen sollten. Seien wir doch mal ehrlich: Das Jurastudium an sich ist der totale Witz (allerhöchstens ausgenommen das letzte Jahr wegen des Repetitoriums). Alle meine Freunde, die Medizin, BWL oder Soziologie studiert haben, hatten grundsätzlich wesentlich mehr zu tun als jeder Jurastudent. Und ich habe absolut keine Scheu, das so zu formulieren, denn ich habe Jura studiert. Ich habe ein Prädikatexamen hingelegt (9,1 Punkte) in 10 Semestern. Ich habe noch nebenher eine FFA (Fachspezifische Fremdsprachenausbildung) absolviert. Und jetzt, tataaaa, die große überraschung: Ich habe immer, immer gearbeitet. In den Ferien und auch während des Semesters. Als Kellnerin, als Teleagent, als Lagerarbeiterin, als Hiwi. Das Studium habe ich trotzdem sehr gut gemeistert, und ich denke wahrlich nicht, dass ich ein Genie bin. Viele meiner Freunde haben nie im Studium gearbeitet, weil sie es wegen des Elternhauses nicht nötig hatten, und nicht, weil die Zeit zu knapp gewesen wäre. Mein verdientes Geld habe ich dazu benutzt, um schön in den Urlaub zu fahren, jawohl, und um zumindest etwas unabhängig von meinen Eltern zu sein. Denn damals gab es keine Studiengebühren. Hätte sie es gegeben, hätte ich es eben dafür ausgeben müssen. So ist das Leben. Es ist schließlich auch nicht gerade sozial, dass ein Großteil der Studenten aus Akademikerelternhäusern kommt, deren Studienplätze von der allgemeinen Gesellschaft finanziert werden, also hauptsächlich auch von denen, deren Kinder es ja nicht einmal auf ein Gymnasium aufgrund ihrer Schichtzugeh&ou
@Mooohn
Erst mal ist es so, dass der Sinn der Studiengebühren hauptsächlich darin besteht,
die dumpfen Missgunst-Instinkte einer bestimmten Klientel - eben der Benz-Spiesser -
zu befriedigen. die üblicherweise unter dem Deckmantel `marktwirtschaftlicher Sachzwänge'
daherkommen - das ist der Zusammenhang.
Zum Thema Bafög: ich würde es doch etwas umständlich finden wenn der Staat
dem Studenten Bafög bezahlt um es dann gleich wieder in Form von Studiengebühren
abzugreifen - wie war das doch noch mal mit der sinnlosen Bürokratie?
Zum Thema Jobben: ich habe Physik studiert, meine Frau Medizin und ich kann Ihnen
versichern: das ist ein fulltime-Job. Wenn es noch Studiengänge gibt die man
in Zeiten aus allen Nähten platzender Unis part-time machen kann würde ich das
als Totalversagen der entsprechenden Fachbereiche sehen. Statt Gebühren zu erheben
sollte man besser mal da reinleuchten damit die ihre Studienpläne straffen.
Und was Ihr australisches Modell angeht: da hätte ich nichts dagegen einzuwenden,
aber das steht ja überhaupt nicht zur Debatte...
Du hast schon recht, wenn Du sagst, dass "jobben" zwar grundsätzlich möglich ist, und es kommt auch maßgeblich darauf an in welchem Abschnitt des Studiums man sich befindet.
Bei der ganzen Debatte pauschalisieren zu wollen ist aber wohl falsch, daher revidiere ich meine Aussage und ergänze sie folgendermaßen:
Bei mir in Bielefeld habe ich soviel mit meiner Examenvorbereitung (FFA-Fremdsprachenabschluss, Schwerpunktexamen, staatliches Examen), dass für Jobben einfach keine Zeit mehr bleibt, was vielen anderen hier auch so geht. Ich habe ja gerade noch Zeit die Zeitung zu lesen...
Um zu dem Punkt "BaföG" zu kommen: Selbst für BaföG-Bezieher ist es nicht einfach ihren Lebensstandard damit zu halten. Wer seinen Lebensstandard nicht beschränken will, der möge sich aber auch nicht beschweren. So wie ich die Einführung von Studiengebühren zu jedem Zeitpunkt grundsätzlich befürworte, allerdings mit Skepsis die Verwendung etc. beobachte
Unsozial wäre es wohl nur keine Studiengebühren zu verlangen, da die Studierenden sich dann auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung ein schönes Leben machen. Schliesslich gibt es auch Studiengänge in denen man mehrere Jahre nur vor sich hin studiert ohne nennenswerten Aufwand zu haben. Und das sage nicht ich, sondern die Leute die diese Fächer studieren. Aber auch hier verbietet sich wieder jede schematische Betrachtung.
Von dem "australischen Modell" habe ich leider noch nie etwas gehört.
Paging