Von Nicola Holzapfel

Wenn Studieren kostet, sollen Kredite auch finanzschwachen Abiturienten eine Hochschulausbildung sichern. Doch das kann teuer werden.

Für finanzschwache Studenten kann ein Studium künftig doppelt so teuer werden wie für ihre Kommilitonen mit vermögenden Eltern. Während die einen von ihren Eltern unterstützt werden können, müssen andere die Ausbildung selbst finanzieren und mit Schulden ins Berufsleben starten: Wer für Studiengebühren einen Kredit aufnimmt, muss am Ende bis zu 5000 Euro mehr zahlen: So hoch schlagen die Zinsen zu Buche. Das hat das Institut für Bankwesen der Humboldt-Universität Berlin für den Tagesspiegel berechnet.

Studiengebühren, Geldscheine

Teures Studium: Viele Bundesländer planen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester - dazu kommen dann noch die Lebenshaltungskosten. (© Foto: Goodshot)

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Für ein Bachelor- mit anschließenden Masterstudium summieren sich die Studiengebühren auf insgesamt 5000 Euro. Laut HU Berlin müssen Studierende nach ihrem Diplom bei einer Rate von 50 Euro monatlich am Ende aber 10.700 Euro abzahlen. Grundlage der Berechnungen sind die Angaben der L-Bank Baden-Württemberg, die bei Einführung von Studiengebühren Kredite mit einem Zinssatz von weniger als sechs Prozent anbieten wird. Die untersuchten Kredite sollen nur die Studiengebühren, nicht aber die Lebenshaltungskosten abdecken.

Wie Untersuchungen des Hochschulinformationssystems (HIS) zeigen, sind die Studienanfängerzahlen in Deutschland im Wintersemester 2004/2005 erstmals gefallen, obwohl die Zahl der Studienberechtigten zugenommen hat. In den Jahren zuvor wollten dagegen immer mehr Schulabgänger ein Studium aufnehmen. HIS hat die Studienverweigerer gefragt, warum sie sich gegen die Hochschule entschieden haben. Am häufigsten wurde der Wunsch genannt, "möglichst bald selbst Geld zu verdienen" gefolgt von der Aussage: "Mich interessiert praktische Tätigkeit mehr". 22 Prozent gaben als Grund die Einführung von Studiengebühren an, 21 Prozent fehlten die finanziellen Voraussetzungen und 15 Prozent wollten keine Bafög-Schulden machen (Mehrfachnennungen waren möglich).

Auch in Bayern sind die Studierendenzahlen laut Wissenschaftsministerium 2004 um 3,9 Prozent zurückgegangen. Dennoch schrecken nach Ansicht des bayerischen Wissenschaftsminister Thomas Goppel Studiengebühren nicht ab. Goppel rechnet trotz der geplanten Einführung von Studiengebühren mit einem weiteren Anstieg der Studentenzahlen in Bayern. Bis 2010 würden die Studierendenzahlen "immer neue Rekordstände" erreichen, prophezeite der CSU-Politiker am Donnerstag in München. Vom Sommersemester 2007 an werden in Bayern "Studienbeiträge" von 500 Euro pro Semester verlangt.

Wie eine Untersuchung des Deutschen Studentenwerks zeigt, müssen Studierende auch ohne Studiengebühren eine stattliche Summe in ihre Ausbildung investieren. Pro Monat verbraucht der Durchschnittsstudent 700 Euro zum Leben, die größten Ausgabeposten sind Miete und Essen.

89 Prozent werden von ihren Eltern finanziell unterstützt. Im Schnitt überweisen sie ihren Kindern monatlich 435 Euro. Bafög beziehen etwa 23 Prozent der Studierenden. Der durchschnittliche Förderungsssatz liegt bei 352 Euro. Um über die Runden zu kommen, müssen fast zwei Drittel der Studierenden nebenher jobben.

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(sueddeutsche.de/dpa)