Von Marius Meyer

Ein Student soll an der Uni Münster die entscheidende Stimme für die Einführung von Studiengebühren abgegeben haben. Nun wird er massiv angefeindet.

Max Brüggemann muss derzeit derbe Beschimpfungen ertragen: "Auf dass du an deiner neuen tollen Bildung verreckst," hat ihm jemand auf seine persönliche Seite beim Studentennetzwerk studiVZ geschrieben. "Verräter," schimpfen andere.

Studiengebührenprotest in Münster

Trotz heftiger Proteste wurden in Münster Studiengebühren beschlossen. Ein Student soll die entscheidende Stimme abgegeben haben. (© Foto: AStA Uni Münster)

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Unter Studenten hat Brüggemann sich sehr unbeliebt gemacht. Offenbar hat er im Senat die entscheidende Stimme für die Einführung von Studiengebühren abgegeben. Bis dahin war Münster die letze große Uni in Nordrhein-Westfalen, die keine Studiengebühren erhob.

Der Senat besteht aus 23 Mitgliedern. Zwölf davon Professoren, von denen sich aber einer gegen die Gebühren aussprach. Die anderen Senatoren - Vertreter von Studenten, wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftliche Mitarbeitern - hätten die Gebühreneinführung also verhindern können, wenn sie denn geschlossen dagegen gestimmt hätten. Doch einer scherte aus.

Und das soll Brüggemann gewesen sein. Er selbst beruft sich auf das Wahlgeheimnis und verrät nicht, wie er abgestimmt hat. Aber er verheimlicht auch nicht, dass er für Studiengebühren ist.

Das bringt ihm nun nicht nur Beschimpfungen im Internet ein. Allein bei studiVZ haben bislang mehr als 400 Personen die Abstimmung kommentiert. In den letzten Tagen bekam Brüggemann aber auch viele Anrufe auf sein Handy, viele Schmähanrufe.

Auch im Online-Gästebuch des RCDS, der CDU-nahen Uni-Liste, der Brüggemann angehört, wird er bedroht. "Max, dein Leben wird zur Hölle werden. Geh fort aus Münster, oder wir werden dich vertreiben" hat ein anonymer Besucher dort hinterlassen.

Der Asta der Uni Münster ruft inzwischen dazu auf, den Senator nicht anzufeinden. "Auch wenn die Abstimmung knapp und das Ergebnis deprimierend ist, ist es doch das Recht jeder Senatorin und jedes Senators nach eigenem Ermessen, Entscheidungen zu treffen und dementsprechend abzustimmen", sagt Asta-Sprecher Jörg Rostek.

Der oppositionelle RCDS scheint den Wirbel um seinen Senator politisch zur Profilierung nutzen zu wollen. Während der Asta zur Mäßigung aufruft, behauptet der Vorsitzende des RCDS Münster, Till Kaesbach, dass die Anfeindungen Brüggemann gegenüber im "Frust über die verfehlte Blockadepolitik des Asta" gründeten.

Brüggemanns Wahlverhalten stößt aber auch beim RCDS nicht nur auf Gegenliebe. So hatte das Studierendenparlament vor der Senatssitzung mit den Stimmen des RCDS eine Resolution verabschiedet, in der die studentischen Senatoren aufgefordert wurden, mit "Nein" zu stimmen.

Heftige Proteste vor Entscheidung

Der Entscheidung für Studiengebühren waren heftige Proteste vorausgegangen. Die erste Senatssitzung, auf der die Gebühren beschlossen werden sollten, konnte im Januar nicht stattfinden, da rund 2000 Studenten den Zugang zum Münsteraner Schloss blockierten. Dort befindet sich der Senatssaal.

Die zweite Sitzung fand wenige Tage später an einem Samstagmorgen auf einem abgeriegelten ehemaligen Raketenstützpunkt außerhalb Münsters statt. Die vor dem Gelände protestierenden Studenten konnten sich über ein Patt in der Abstimmung freuen.

Am Mittwoch, nachdem die Gebühren beschlossen worden waren, stürmten Studenten den Sitzungssaal, den die Senatoren teilweise unter Polizeischutz durch einen Hinterausgang verließen.

In NRW können die Hochschulen bis zu 500 Euro pro Semester von ihren Studenten kassieren. Münster hat mit 275 Euro die niedrigsten Studiengebühren beschlossen. Acht bis neun Millionen Euro sollen so jedes Semester von den Konten der rund 40.000 Studenten in das Uni-Säckel fließen.

Das Verfahren, wie diese Höhe ermittelt worden ist, sei vorbildlich, sagt Brüggemann. Man habe zuerst geschaut, was man finanzieren könne und habe dann die Höhe festgelegt. Brüggemann: "Es ist nicht so gelaufen wie an anderen Universitäten, an denen 300 Euro für die Verbesserung der Lehre ausgegeben werden und 200 Euro für etwas anderes."

Andere teilen jedoch die Begeisterung über die Bedarfsanalyse nicht. Ihre Kritik lautet, dass die Uni-Leitung nur auflistete, was man finanzieren könnte aber nicht erklärte, wie dies die Lehre verbessert. Auch sei nicht überprüft worden, ob es andere Finanzierungsmöglichkeiten gibt.

Nach Protesten an diesem Verfahren wurde an den Instituten der Uni abgefragt, was zur Vebesserung der Lehre notwendig sei. Fachschaftsvertreter bemängeln, dass dafür nur eine Woche Zeit war, Studenten sogar nur drei Tage hatten, um die Wunschlisten der Institute zu kommentieren.

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(sueddeutsche.de)