Von Von Jonas Viering

Der Anteil der Jobsuchenden und Minderqualifizierten ist unter Zugewanderten besonders hoch.

(SZ vom 04.09.2003) Forschungsinstitute schlagen Alarm: Die in Deutschland lebenden Ausländer werden in zunehmendem Maß zu Verlierern auf dem Arbeitsmarkt. Auch in den Arbeitslosenstatistiken für August wird wohl erneut der Anteil der Jobsuchenden mit knapp 20 Prozent unter den Zuwanderern fast doppelt so hoch sein wie in der deutschen Bevölkerung.

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Als erste gestrichen

In einer Stadt wie Dortmund haben sogar 71 Prozent der Ausländer im erwerbsfähigen Alter keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, berichtet die Bertelsmann-Stiftung. Ursache sei in erster Linie die mangelnde Qualifizierung insbesondere der Türken in Deutschland. Ihre Stellen werden in der Wirtschaftskrise als erste gestrichen.

Hier tickt im Verborgenen eine Zeitbombe. Die aus dem Ausland stammenden Bevölkerungsgruppen sind im Durchschnitt deutlich jünger als die überalterten Deutschen. Eigentlich ist dies eine Chance für den Wirtschaftsstandort. Aber weil zwei- bis dreimal so viele Ausländer wie Deutsche nicht einmal eine Lehre machen, wächst ein Problem heran.

Dies geht aus unabhängig voneinander veröffentlichten aktuellen Studien der Bertelsmann-Stiftung, des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) sowie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die Ausbildungsquoten ausländischer Jugendlicher sind nach Jahren des Anstiegs schon seit 1995 wieder rückläufig, stellte das IAT fest.

Flucht vor der Arbeitslosigkeit

Zwar hat sich der Anteil von ausländischen Selbstständigen, also nicht sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, in den vergangenen zwanzig Jahren verfünffacht.

Trotz aller Dönerbuden aber ist der Anteil der Selbstständigen unter den Deutschen immer noch fast doppelt so hoch wie unter den Türken. Das zeigen Daten des IAB. Der Weg in die Selbstständigkeit sei oft nur Flucht vor der Arbeitslosigkeit, das Wachstumspotenzial der Unternehmen sei wegen Kapitalmangels daher in der Regel sehr begrenzt.

Die Institute räumen ein, dass die Arbeits-Chancen zwischen Deutschen und Ausländern weniger stark auseinander klaffen, wenn schichtspezifisch verglichen wird. Doch auch Inländer aus sozial schwachen Schichten haben auf dem Arbeitsmarkt immer noch einen gewissen Vorsprung vor den ihnen gleichgestellten Zuwanderern.

"Erschreckend ist vor allem, dass auch in der zweiten und dritten Generation der Türken in Deutschland vergleichsweise viel zu wenig sozialer Aufstieg zu beobachten ist", sagt Elmar Hönekopp vom IAB.

Es gibt Versuche des Gegensteuerns. So habe das westfälische Arnsberg mit einem verstärkten Angebot von Sprachkursen reagiert, als die Zahl der ausländischen Schulabgänger ohne Abschluss 21 Prozent erreichte, sagt Claudia Walther von Bertelsmann. Heute liege die Rate dort bei nur noch ungefähr 10 Prozent.

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