Studie zu Sex und Verdienst Mehr Sex gleich mehr Gehalt?

Glaube, Liebe, Geld - auch Ökonomen wollen wissen, was unser Leben wirklich bereichert. Ein Wirtschaftswissenschaftler behauptet nun: Wer mehr Sex hat, verdient auch mehr. Geht's noch?

Von Alexander Mühlauer

Wer das Glück je erlebt hat, weiß am besten, wie es ist. Das Glück kommt meist unverhofft, und wenn es kommt, vergeht es wieder recht schnell. Glück ist flüchtig, es ist selten. Glück ist kostbar.

In der Welt der Ökonomie wird Glück oft mit Geld verwechselt. Das passiert immer dann, wenn Wirtschaftswissenschaftler versuchen, etwas zu messen, das nicht messbar ist. Und dann kommen eben solche Geld-macht-glücklich-Studien heraus. Oder, mal was ganz Neues: Wer mehr Sex hat, verdient mehr Geld (ergo: Sie oder er muss so was von glücklich sein).

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der Ökonom Nick Drydakis von der Anglia Ruskin University im britischen Cambridge. Das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit hat seine Studie nun im Sommerloch 2013 veröffentlicht.

Wie oft haben Sie Sex?

Die Formel von Nick Drydakis lautet: mehr Sex = mehr Geld. Immerhin, das muss man dem Alltagsökonomen zugute halten, hat er mit Menschen gesprochen und sich diese These nicht einfach so ausgedacht (auch das kommt hin und wieder vor). 7500 Haushalte wurden telefonisch befragt, die Anrufer wollten wissen, wie oft man Sex habe (überhaupt nicht, zweimal im Jahr, wöchentlich, mehr als viermal die Woche et cetera). Außerdem achteten die Statistiker auf eine gewisse Altersverteilung. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stand die Frage, ob Sex und Gehalt zusammenhängen.

Und ja, so das Ergebnis der Studie, die beiden Parameter hängen sehr wohl miteinander zusammen: Arbeitnehmer, die mehr als viermal in der Woche Sex haben, verdienen um fünf Prozent mehr als jene, die abstinent leben. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2009 bereits eine Studie aus Brasilien. Ein Beweis für Drydakis, dass sexuelle Aktivität für Ökonomen durchaus von Interesse sei. Was das Alter betrifft, so haben Angestellte zwischen 26 und 50 die höchste Chance, mehr zu verdienen, je häufiger sie Sex haben (ob hetero- oder homosexuell spielt laut Drydakis keine Rolle).

Der Ökonom aus Cambridge verweist dabei auf die Bedürfnispyramide des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow. In seinem vom Humanismus geprägten Menschenbild veranschaulicht Maslow die Hierarchie der (menschlichen) Bedürfnisse, an der Spitze steht die Selbstverwirklichung. Doch noch wichtiger sind Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken - und ja, auch sexuelle Aktivität. Maslows Theorie beweise außerdem, dass glückliche Menschen produktiver und erfolgreicher in ihrer Arbeit seien - und, so der Schluss von Drydakis, demnach auch mehr Geld verdienten.

Geld und Sex sind messbar, Glück und Liebe nicht

Schon wahr, Maslows Bedürfnistheorie verheißt, dass Menschen lieben und geliebt werden müssen, um glücklich zu sein. Welche Rolle dabei Sex spielt, ist selbst unter Ökonomen umstritten.

Geld und Sex sind eben messbar. Glück und Liebe sind es nicht.

Sogenannte Glücksforscher widersprechen dem natürlich. Der Schweizer Ökonom Bruno Frey hat schon Tausenden Personen die Frage gestellt, ob Geld glücklich macht. "Ja", sagt Frey, "Menschen mit höherem Einkommen weisen im Durchschnitt eine höhere Lebenszufriedenheit auf als Menschen mit niedrigerem Einkommen." Ist allerdings ein auskömmliches Einkommen erreicht, steigert eine Gehaltserhöhung das Lebensglück kaum noch.

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Blättert man durch die Literatur der Glücksökonomie, stellt man fest: Die wichtigste Einflussgröße auf das Glück ist nicht Sex, sondern Arbeit. Wer seinen Job verliert, wird unglücklich. Dieses Unglück kommt von dem Gefühl, nutzlos zu sein; von dem Gefühl, nicht mehr geschätzt und gebraucht zu werden. Materialismus hingegen macht nur kurzfristig glücklich. Selbst an einen Porsche gewöhnt man sich schneller als gedacht. Die Menschen, meint Ökonom Frey, machen immer denselben Fehler: "Die unterschätzen das Glück, das ihnen Freundschaften bringen. Und sie überschätzen das Glück, das ihnen materielle Güter bringen."

Das Leben, so hat es ein Glücksforscher der Reichen und Schönen einmal beschrieben, bestehe aus zwei Säulen: Geld und Sex. Diese beiden Kategorien hätten ihm stets geholfen, menschliche Beziehungen besser zu verstehen, sagt Michael Graeter, der bekannteste Klatschreporter der BRD. "Wenn ich mich frage, wieso ist die mit dem oder der mit der zusammen, komme ich zu dem Schluss: Das geht's um Sex, weil da ist kein Geld. Oder: Da geht's um Geld. Manchmal gibt's das auch zusammen, aber nicht so häufig."

Was Graeter von ökonomischen Sex-Studien hält? Die bittere, aber ehrliche und empirische Erkenntnis von einem, der es wirklich wissen muss: "Im Leben geht es nur um Geld und Sex, um sonst nichts."

Quod erat demonstrandum.